Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 49
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M. 4.
1S9S.

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n. 1)au-t Holdciu d- U. in Uonstanz.
^ZI4^
Von F. I. Mo ne.
Es ist zu bedauern, dciß der Ausstel-
lungskatalog von Or. Dan. Burckhardt
schon gedruckt war, als am 8. November
1897 der Katalog der W. DouglaS'schen
Samnilnng alter Glaögemälde bei Lem-
pertz in Köln erschien. Dnrch die Ente
decknng der ll Stuck Holbeinschen Glas-
malereien in Schloß Langenstein im Herbste
1895 hat man über manche bisher unbe-
kannte Thätigkeit nnd Geschäftsverbindung
dieses Meisters Nachrichten erhaltest. Er-
gänzungen, Berichtigungen nnd Erweite-
rungen des Pnrckhardtschen Verzeichnisses
werden nicht lange ans sich warten lassen.
In dem Repertorium für Kunstwissen-
schaft von H. Thode nnd H. v. Tschndi,
Band 21 Heft 1 S. 71 bis 77 habe»
Oskar Eisenmann in Kassel nnd Max I.
Friedländer in Berlin über die Versteige-
rung und den Katalog der DouglaS'schen
Glasgemälde sich geäußert. Bezüglich der
von Hn„s Holbein d. j. herrührenden
kölasgemälde meint Eisenmann, „man
könne es nickt skrupellos behaupten", daß
dvn Holbein selbst die Entwürfe dazu ge-
zeichnet worden seien. Er meint, es könnte
auch ein geschickter Plagiator aus einzelnen
Holbeinschen Typen den Karton zur
Kreuzig,„igsgmippe für Johann von Botz
heun zusammengesetzt haben. Es scheint
wir jedoch nicht denkbar, daß der Dom-
herr Johann von Botzheim, der Gönner
des jnngx,, Holbein, einem Plagiator dieses
letzteren eine Bisiernng für ein Glasge-
mälde, das er für sich selbst machen ließ,

I abgetanst habe. DaS wwersinnige seiner
Behauptung hat Eisenmann selbst einge-
sehen. Denn mit den Worten: „Uebrigens
mag das oben Gerügte zum Teil auf
Conto des Glasmalers zu setzen sein," hat
er seiite Behauptung wieder negiert. Auch
bezüglich der Visierung der Widmann-
schen Madonna mit den Stiftern Widmann
und Margareta (Eisenmann verwechselt
die heilige Martha mit der heiligen Mar-
gareta!) hält es dieser Kunstkritiker für
zweifelhaft, ob sie von Hans Holbein ge-
zeichnet worden sei. Er schreibt: „Es
könnte der junge Holbein unter Einfluß
des benachbarten älteren Meisters Baldung
Grien darin stecken". Auch diese Ver-
mutung EisenmannS ist ans Gründen der
Chronologie nicht stichhaltig. Das Bild,
d. h. der Karton, ist »»zweifelhaft späte-
stens 1526 augefertigt worden, also zur
Zeit, als Baldung Grien schon längst (seit
1517) von Freibnrg nach Straßburg über-
gesiedelt war. Von einer Nachbarschaft
Holbeins und Griens kann also 1526 keine
Rede mehr sein. Ein anderer Beweis für
das Jahr 1526: Das Töchterchen des
Stifters Or. Widmann ist als ein Mäd-
chen von höchstens zehn Jahren gezeichnet.
Da man aber die Verehelichung des Or.
Widmann mit der Schwester des Abtes von
St. Blasien (Siegelmann wurde erst 1519
Abt) und seine Ernennung zum St.
Blasischen Obervogt nur um 1516 bis
1519 annehmen darf, so wird man nicht
viel vor das Jahr 1526 als das Jahr
der Entstehung deö Kartons znrückgehen
dürfen. Die Madonna (Nr. 7 des Kata-
loges) und der heilige Christophorns
(Nr. 8) will Eisenmann dem jungen Holbein
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