Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 65
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Organ für Geschichte, AttertumMunde,
Kunst und Kultur der Diücese Kotteudurg und der angrenzenden Gelüete.

Eeraiisgcgeben und redigiert von Amtsrichter a. D. Beck in Kaveiij-üurg.
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stets direkt an Amtsrichter n. D. Beck in Ravens btirg, Besteckl.nUgen nnd Reklamationen an
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Ar. 8.
ckSgg.

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17.
ahrM.

m. HanF Halbem d- If. iu Konstanz.
1Z14.
Von F. I. Mono.
(Fortsetzung.)
Für die Anwesenheit Hans Holbein d. I.
in Konstanz 1514 und 1515 waren
bisher die entscheioenden Beweise: das
Bild von 1614 mit dem Botzheimschen und
Eycherschen Wappen in der Baseler Galerie,
ferner die Krcnzigungsgrnppe(Glasgemälde),
welche sich in der Erbmasse des Domherrn
Joh. v. Botzheim 1535 vorfand, und end-
lich die Predella, die Kreuzschleppung dar-
stellend, von Hans Holbein Vater und Sohn,
die 1515 für das Kloster Petershausen bei
Konstanz gemalt worden ist. Weitere Be-
weise, die mau als indirekte gelten lassen
kann, sind die Privat-Bilder-Galerie im
Botzheimer Hofe 1522 in Konstanz, die
Neise und der Aufenthalt des Erasmus
von Rotterdam von Basel nach Konstanz
vom 4. bis 6. September bis zum 27. des-
selben Monats und endlich die Aufstellung
(Ablieferung) der zwei von Holbein jr.
allein 1522 gemalten Altarflügel im Kloster
Stein a. Rh., zwischen Schaffhausen nnd
Konstanz. Au die letztere Thatsache knüpft
sich die Frage, ob der oft genannte junge
Maler gleichzeitig mit Erasmus von Rotter-
dam die Reise von Basel bis Stein a. Rh.
oder Konstanz im September 1522 gemacht
habe. — Endlich kommen liier noch als
Wahrfcheinlichkeits-Beweis für Holbeins
Aufenthalt in Konstanz 1514 in Betracht
die Bilder am ehemaligen Peier und Pauls-
Altare in Bodman und die Malereien zur
Fortsetzung des exordium muANum ord.
Ogtzerciensi!; in Salem 1514—15, reno-

viert 1548, und die Anniverfarien-Tafel in
St. Johann in Konstanz.
Um den Zustand der bildenden Künste
in der genannten Stadt um 1514—16 sich
vorstellen zu können, muß man einen Blick
auf die damals dort lebenden Persönlich-
keiten werfen und insbesondere sich mit den
Konstanzer Kunstfreunden, mit den Huma-
nisten und mit dem Domherrn Johann
v. Botzheim nnd seinen Freunden etwas be-
schäftigen. Eine spezielle Kunstgeschichte
der genannten Stadt existiert noch nicht.
Unter den Freunden der bildende» Künste
in jener Stadt interessiere» uns besonders
der Bischof Hugo von Hohen-Landenberg,
1496—1530 und 1531 — 32, Gerwig von
Klarer, UU. Wanner, 'Michael Hummelberg
von Ravensburg, ein Freund Bvtzheims
nnd Johann Jakob MenliShofer. Der
Dominikanermönch Balthasar Brennwald
von Walenstadt, gestorben 1518, der Weih-
bischof des Bischofs Hugo von >491 —1518
war, könnte bezüglich der Dominckaner-
Mystik auch Einfluß aus den jungen Hol-
bein gehabt haben. Ferner müssen in dieser
Hinsicht genannt werden: die zwei Aebte
von Salem JodoknS Necker von Ueberlingen,
Doktor der Sorbonne und Amand Schaffer
aus Straßburg, gestorben 1534. Sie kön-
nen als hervorragende Förderer nnd Freunde
der Malerei am Bodensee hier nicht über-
gangen werden. Der zuerst genannte Abt
baute den Salemer-Hof in Pfullendorf 1514
bis 1519. Die Oelgemälde auf Hotz in
der Kapelle desselben stammen aus der
Zeit eben dieses Abtes Jodokus. Zwei
derselben, welche sich noch dort befinden,
scheinen Werke von Bernhard Strigel
von Memmingen (1460—1528) zu sein.
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