Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 104
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Der Dichter dieses Stückes, das eine
nicht ungeschickte Erfindungsgabe verriet
und in lateinischer Sprache abgefaßt war,
war Gregor Trant w ei n , geb. 1711 zn
Asch am Lech, seit 1732 im Wengenstift,
gest. 21. Dez. 1785 als Prälat des-
selben ^), der auch das Stück für das
folgende Jahr verfaßte/
Der Stoff dieses 1738 anfgeführten
Stückes war ebenfalls der neuesten Ge-
schichte entnommen: Claude Alepandre Graf
v. Bonne val, geb. 14. Juli 1675 in
Paris, focht anfangs mit Auszeichnung in
französischen, seit 1704 in österreichischen
Diensten, in denen er bis zum Feld-
marschallleutnant stieg, ja schließlich General-
feldzengmeistcr wurde, später wegen ver-
räterischen Beziehungen zum französischen
und spanischen Gesandte» auf dem Spiel-
berg gefangen gesetzt wurde, dann in die
Türkei ging und 1730 unter dem Name»
Achmed Pastha zum Islam übertrat. 1738
in Ungnade fiel und 27. März 1747 zu
Konstantinopel starb.
Auch dieses Stück hatte einen p>roio§us,
zwei clrori und zwei inkeriucii.
Die Personen des proIo§u3 waren
Linllin, Unma, sechs Zenii, der Inhalt
war: der seiner Helden wegen frohlocken-
den Mallia (Frankreich) bringt Unmn die
betrübte Zeitung: Bon.vallö Geist wolle
sich wirklich zu Mahomets Aberglauben
wenden. Derohalb OnUin ziemlich bestürzt
die Religion und göttliche Barmherzigkeit
anrnft, solch' abenteuerliches Unternehmen
zu verhindern. (Fortsetzung folgt.)

iv. D-wF Hoibei'u d- I. in Lranstanz,
SliU'm, VeturDausini u.Steina.GH.
Von F. I. Mono.
(Schluß.)
Daö Bild, welches der im 17. Lebens-
jahre stehende Hans Holbein d. I. 1514
in Augsburg, ehe er nach Konstanz ab-
reiste, gemalt hat, ist wegen der Idee,
welche darin ausgedrückt wird und wegen
der Inschrift auf demselben für die Hol
bein-Fvrscher und für die religiöse An-
schauung und Entwickelung des genannte»
jungen MalcrS von der größten W cblig
U Weyerinann, neue Nachr. S. S52—S53,
der keine Schauspiele von ihn, kennt. Indessen
der Saimuelband 7039 der Stadtbibliothek in
Ulm bezeichnet ihn deutlich als Autor dieser und
der folgenden Stücke.

teil. Man erfährt aus dem Gemälde und
ans der Inschrift, daß in der Domini-
kaner-Mystik die Lehrerin Holbeinö die
Priorin des Katharinen-KlosterS des Prc-
digerordens in Augsburg, Veronika Welser,
vor ihrer Profeß Thekla genannt, die
Großtante der Philippine Welser, der
Markgräfin von Bnrgau, gewesen ist.
U>r. R. Marggraff erwähnt im Kataloge
der Augsburger Gemäldegalerie bei Nr. 25
die romanhafte Sage, daß H'olbeins Vater
für Thekla Welser, bevor sie ins Kloster
ging, begeistert gewesen sei. Die Inschrift
auf dem Bilde, mit welchem Hans Hol-
bein d. I. von Augsburg Abschied nahm,
um diese Stadt nie mehr zu sehen, lautet:
)ussu veneraiailis pisnklssimne^ue iVlatris
(Titel Mutter für priorissa) Veronicme
Welser 14. Molimin 7W§ustanus nekakis
Sucre XVII (fehlt ürciebLk), d. h.: Ans Be-
stellung der ehrwürdigen frommen Mutter
Priorin Veronika Welser hat Hans Hol-
bein im 17. Lebensjahre dieses Bild an-
gefertigt. — Wenn der junge Holbein
lateinisch gelernt hätte, würde er geschrieben
haben: Monorabilis (ehrwürdig) et pienkis-
simae lVIakris Lriorissae Veronicae, nakae
Weiser, ex manclako istucl opus 14.
Molimin /WZustanus XVII, nnnos nakus
Meisbar.
Das Gemälde wurde für das Domini-
kanerinnenkloster s. Xaklmrinae in Augs-
burg auf Bestellung angeferligt und be-
findet sich jetzt als Nr. 673 in der K.
Gemäldegalerie in Augsburg, in dem ehe-
maligen St. Katharina-Kloster. Der Ka-
talog dieser Galerie von Or. R. Marg-
graff (1869) bespricht es ziemlich ein-
gehend, aber ohne jedes Verständnis der
Dominikaner-Mystik jener Zeit.
Es ist unbegreiflich, wie H. Knackfnß
dieses Bild in seinem Buche: „Holbein der
Jüngere" (1896) übergehen konnte. Ge-
rade von diesem Gemälde hätte ein Licht-
drnckbild seiner Schrift beigegeben werden
müssen. — Schon aus dem Grunde mußte
von diesem Gegenstände gesprochen werden,
weil die Bestellerin des Bildes, d. h. des
ganzen Altarwerkes mit vier Bildern, dem
wegen mißlicherVermögensverhältnisse 1514
anSwandernden Vater Hans Holbeins durch
eine reichliche Bezahlung an den jungen
17jährigen Sohn einen Zehrpfennig für
die Reise nach Basel znwenden wollte.
Die angesehene Familie Welser und die
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