Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 32
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Sie plünderten selbst unsere Lauve Zarcke
aus. Endlich kam zum Glück ein Offizier,
welcher Ruhe und Ordnung bot, aber sie
kaum Herstellen konnte, indem die Ulanen
und Husaren noch im ganzen Kloster
hernmgestürmt waren. Unser Sergeant er-
klärte sich gegen ihn mit Anstand und
Würde, fragte ihn, ob er die Rechte und
Freiheiten einer Snuve Zarcke nicht kenne,
und warum er sie durch seine Leute nickt
respektieren mache? Als braver Osfizier,
setzte er hinzu, hätte er der erste auf dem
Posten sein sollen, um dem Unfug zu
steuern. Der Offizier schämte sich, bat
um Verzeihung und ließ der Lauve Zarcke
das Geraubte, was man noch finden konnte,
z. B. ein Paar Stiefel, eine Sackuhr rc.
zurückgebeu.
Den Ulanen gaben wir Bier, Brot, Käse
und geräuchertes Fleisch, worauf sie, nach-
dem sie eine Stunde lang alles in Furcht
und Schrecke» versetzt hatte», mit einem
Boten von uns über Schweindorf nach
Nördlingen zurückgiugen. Zwei französi-
sche Husaren, die hier waren und sich
anfänglich versteckt hatten, nahmen sie nebst
zwei blessierten Pferden als Gefangene mit
sich fort. Unsere 5ur>ve Zarcke ließen sie
hier. So tapfer hielten sich 45 Ulanen
und Husaren gegen eine Lauve Aurcle von
3 Manu. So groß ist der Kontrast zwischen
dem Einzug der Franzosen, die noch unsere
Feinde sind, indem wir noch unser Kon-
tingent gegen sie haben, und der Kaiser-
lichen, die unsere Freunde sein sollten, in-
dem unsere Soldaten noch mit den ihrigen
im Felde stehen. U. a. zeigten die Ulanen
ihre Bravour auch dadurch, daß sie einen
Hut, den sie in einem Tafelzimmer fanden,
in Stücke zerhieben. Wer diesen Spek-
takel, dieses wilde Betragen nicht mit Augen
gesehen hat, kann sich keine Vorstellung
davon machen. Mehrere Herren versteckten
sich aus Furcht vor den Barbaren, u. a.
Pater Aemilian, der sich in der Rauch-
kammer ober der Buchdruckerei verbarg und
da seine Sicherheit suchte. Was mich be-
trifft, bin ich dergleichen Auftritte schon zu
sehr gewöhnt, als daß dieser mich hätte
aus der Fassung bringen kvuneu. — Den
6. Juli: Heute früh um 4 Uhr war schon
eine starke Patrouille von Franzosen in
Neresheim. Zu uns kamen sie nicht her-

auf, sondern verteilten sich links und rechts
gegen Dossingeu und Dischinge». Das Corps
Franzosen, welches in und um Heideuheim
steht, verstärkte sich immer mehr. Vor Ulm
soll schon ein Teil der Reservearmee mit
Belagerungsgeschützen von Straßburg her
angekommen sein. Daraus läßt sich er-
klären, daß man von Ulm her sehr stark
kauonieren hört. — Den 7. Juli: Morgens
4 Uhr kam unser Herr Kauzleirat von
Augsburg zurück. Er brachte folgende
wichtige Nachrichten mit: Die Franzosen
sind zwischen München und Ingolstadt ge
schlagen worden. General Lecourbe reti-
riert über Memmingen gegen Tirol. Moreau
wird heute in Augsburg erwartet. Donau-
Wörth ist in den Händen der Kaiserlichen
samt dem Schellenberg. In Augsburg
wimmelt es von französischen Blessierten,
das französische Spital in Dillingen wird
eilends nach Augsburg geschafft. Was die
Geschäfte betrifft, wegen welchen wir den
Herrn Kanzleirat nach Donauwönh und
Augsburg schickten, verhält es sich damit
also: Fouliu, mit dem wir wegen einer
Naturalienlieferung einen Accord gemacht
hatten, war ein Betrüger. Er ging mit
dem Geld durch. Mau glaubt, daß er
auf seiner Flucht von einer kaiserlichen
Patrouille gefangen worden sei. Er wird
auf Veranstaltung des Mathieu Favier
durch Steckbrief verfolgt. Unser Geld soll
uns entweder von ihm oder seinen Ellern,
die in Percy leben und in Ansehen stehen,
zurückgegeben werden, — welches vermut-
lich ack cmIslrcÜLs Aimecas geschehen wird.
Fouliu soll, wenn er aufgefundeu wird,
erschossen werden, wie es schon mehreren
seiner Kollegen erging, die statt der Na-
turalien Geld annahmeu. Der Kreisaus-
schuß, welcher in Augsburg versammelt
ist, um die Requisition, welche der franzö-
sische Obergeueral und der orclormateur
Asnerul Mathieu den schwäbischen Kreiö-
ständen auflegte, in Ordnung zu bringen,
ward von Moreau selbst zusammeuberufen.
(Fortsetzung folgt.)

LitterarischeF.
Hi lg ers, Jos. L. I., Kleines Ablaßbuch ur,
Paderborn, Druck und Verlag von Ferd.
Schöningh, 1896. XXXI und 450 S. M. 3.—.

Stuttgart, Buchdruckern der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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