Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

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clesias und Johannes Rntzen-
berg, plebanu8 3ive viLariu5
desselben, welche in der Len
Uar. fehlen.
1495 ff. Leonhard Braitfeld aus Ried-
lingen, nach der 3er. Uaroclr.
1496—1527; doch erscheint er
schon in einer Urkunde von 1495
als Kirchherr von Unlingen.
Auch kann er nicht bis 1527
Pfarrer daselbst gewesen sein;
denn 1521 sollte die Pfarrei
besetzt werden und wurde, da
die Besetzung streitig war, in>
gleichen Jahre mit einem Ver-
weser versehen. Erst 1523
wurde der Streit beigelegt und
die Pfarrei besetzt (Blätter für
württ. Kirchengeschichte 1886,
S. 89). Pfarrer Braitfeld
stiftete dem Frauenkloster Un-
lingen einen Acker und der
Pfarrkirche einen neben dem
Pfarrhaus gelegenen Garten zn
einem Jahrtag.
(Fortsetzung folgt.)

Geschichte deF Lheeltech in Ulm«
Von Theodor Schön.
1. Das Komödienhaus und die
Komödianten in Ulm.
(Fortsetzung.)
Am 6. Oktober hatten die Franzosen
von Ulm Besitz ergriffen. Dies war jeden-
falls der Grund, warum Gnmperz,
der dank der österreichischen Besatzung
volle Häuser gehabt hatte, Ulm verlies.
— Am 9. Jan. 1801 begann eine ans
16 Personen bestehende Gesellschaft deut-
scher Schauspieler unter dem Direktor
Jehusen mit dem Schauspiel von
Ziegler, Weltton und Herzensgute
oder der redliche Landmann eine neue
Saison. Am 22. April reiste sie weiter
nach Kempten. („Schwab. Chronik" 1801,
19, 143.) — Vom 13. Mai biS l5.Okl.
1802 spielte in Ulm Schauspieldirektor
Buch n e r ans Augsburg, der beim Peru-
quier Adam logierte.
Sein erstes Stück war Der Besuch oder die
Sucht zu glanzen von Kotz ebne, über welches
die „Schwab. Chronik" 1802, 240 berichtet und
das Holzheu ein köstliches Stück nennt. Am
14. Oktober endigte die Gesellschaft mit dein

Oculist von K v l l e r. („Schwab. Chronik" 1802,
337.)
Man sieht, trotz der schlechten Zeiten
bewahrten die Ulmer die Lust an ihrem
Theater. Vom 24. Juni bis 6. August
1802 gastierte Jffland in Stuttgart
unter großem Zulauf von Ulm. (I.
Hartmann, Chronik von Stuttgart,
S. 187.) Ja, als am 29. November
1802 Ulm dem neuen Landesherrn, dem
Kurfürsten von Bayern huldigte, im
traurigsten Zeitpunkt für die Bürger der
Reichsstadt, waren Schauspieler unter
Direktor Iehnsen in Ulm. — Von
1572 bis 1802, also fast durch 230
Jahre, wurde im bisherigen die Komödie,
soweit sie von Bernfsschauspielern in Ulm
auf die Bretter gebracht wurde, geschildert.
Keine einzige Stadt des heutigen Württem-
bergs kann sich rühmen, so früh der
dramatischen Kunst eine Heimstätte bereitet
zn haben. — Erst im Mai 1597 kam
nach Stuttgart die erste, regelmäßige
Schauspiele» gesellschaft, Engländer (I. Hart-
mann, Chronik von Stuttgart, S. 80),
während schon drei Jahre früher Eng-
länder in Ulm spielten. — 1641 erhielt
bereits Ulm ein eigenes Theatergebäude.
Erst 1750 wurde das Lnsthans in Stutt-
gart dmch Baudirektor Netti zu einem
Opern- und Schauspielhaus hergerichtet.
In Stuttgart hatte die dramatische Kunst
stets einen opferwilligen Gönner an dem
Beherrscher eines mächtigen Fürstentums
gefunden. Was in Ulm für dieselbe ge-
schah, ging einzig und allein aus der Ini-
tiative der Bürger der Reichsstadt hervor,
die, obgleich ihre Interessen sonst dem
Handel und Gewerbe zugewandt waren,
zn keiner Zeit den Sinn für das Schöne
verloren hatten. Nicht, wie es leider nur
zn oft geschieht, unterdrückte die Jagd nach
dem Reichtum in Ulms Bürgern alle höhe-
ren Interessen. Selbst zu einer Zeit, da
Ulms Wohlstand im Sinken begriffen war,
brachten die Bürger das große Opfer, mit
erheblichen Kosten der Kunst einen würdi-
gen Tempel zn bauen. Die Stimmen ein-
zelner Nörgler, welche über Verschwendung
schrieen, drangen dank dem gesunden Linn
der Bürgerschaft nicht durch und so ent-
stand denn 1781 das Komödienhaus, ein
für seine Zeit prächtiger Ban. — Aber
auch eine andere Gefahr, welche der
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