Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 182
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darauf rücke» 100 Mann Kavallerie auf
Exekutiv« ei»; jeder Soldat fordert gleich
bei seiner Ankunft auf drei Tage voraus
drei kleine Thaler; was 100 Husaren, die
ohnehin verrufen nud mit solche» Aufträge»
ausgerüstet sind, thuu werden, läßt sich
leicht verstellen.
H. Sekretär Seyfried von Weisseuau
war heute vormittag mit einem der dor-
tigen Ammänner bei unfern, Kommandanten
wegen der Montierung, welche auch von
den dortigen Uuterthanen gefordert wurde.
Da rückte nun der Kommandant mit einer
Sprache aus, welche einen Stabsoffizier
auf der abscheulichsten Seite zeigt: „Ich
will Ihnen offen sagen, was ich thun kan»
und thun werde; nämlich denen, die sich
nach meinem Verlangen nicht fügen, werde
ich so viele Leute aufladen und diesen den
Zaum so frei legen, daß man mir gewiß
gerne doppelt willfährt. Will inan mich
anklageu, so läßt es gar nicht schwer,
meine Sache zu verfechten und so hinaus
zu bringen, daß ich noch überdies Satis-
faktion zu verlangen haben werde rc. rc.
lieber diesen gegenwärtigen Diskurs können
Sie mich nicht packen, den» Sie haben
keinen Zeugen, indem der bei uns stehende
Mann kein Französisch versteht, und so-
bald ich deswegen konstituiert würde,
leugne ich alles ab. Der Baillif in Hei-
ligenberg ist ein feiner Kopi; ich sagte
ihm das nämliche und er mußte sich nach
meinem Verlangen schmiegen u. s. w."
Einen Kommentar wird man hier wohl,
nicht notwendig habe».
Am 21. August erscheint wirklich schon
eine Requisition von Artikeln zum täglichen
Gebrauch; einige konnte man zwar in
natura liefern, allein was man schickt, ist
nicht recht und wird zurückgeschickt. Herr
Pfister wird daher ersucht, in unserm
Namen einzuliefern. Die requirierten
Artikel sind folgende:
Honig 100 Pfd.
Asche 20 lnesures.
Seife 50 Pfd.
Kerzen 50 Pfd.
Geznpfie Leinwand 50 Pfd.
Wein von guter Qualität 6 Stück (?iece3).
Verbandleinwand 200 französische Ellen.
Brennöl 100 Pfd.
Zn Hagnau ist im Hof noch immer ein
Obrist (Marisi, Oberst des 7. Husaren-

regiments) mit acht Offizieren und Dome-
stiken. Der Obrist läßt wacker daranf-
gehen, mit der Aenßerung, daß es den
Pfaffen nichts schade; nicht einmal das
empfangene Fntterstroh wollte er quittieren.
Im Dorf Hagnau sind bei 30 Husaren.
Vor einigen Tagen kamen dem Oberst
zwei Pferde abhanden, welche er vermut-
lich selbst hat wegbringen lasten; die Ge-
meinde sollte also dafür 400 fl. zahlen,
endlich ließ er sich mit 200 fl. befriedigen.
Alle Einreden, daß niemand als seine
eigenen Leute mit seinen Pferden umzu-
gehen und sie zu besorgen verpflichtet
seien n. s. w., galten nichts; er wollte
Geld!
Am 22. August werden von Hasen-
weiler »ach Hofen einige Wägen Heu ge-
führt. Dort sind immer bei 200 marode
Pferde, welche im Kloster, im Wirtshaus,
zu Waggershausen, Löwenthal rc. stehen.
Hofen ist von allem Futter beraubt, man
weiß das wenige Hornvieh nicht dnrch-
zubringen; der Boden ist, wie in unserer
ganzen Gegend, ausgedorrt, abgestorben
und rot wie Kupfer, so daß nicht die
geringste Hoffnung zu einem Oehmd, wenn
-es auch noch nicht so späte Jahreszeit wäre,
übrig bleiben könnte.
(Fortsetzung folgt.)
15. S. Lur älteren Geschichte der
Vfarrei Unlingeu (GA. Uiedlingeu).
(Schluß.)
Was damals Unlingen und besonders
auch das dortige Kloster ausgestanden hat,
ersehen wir aus der „Klag- und Trauer-
rede", welche die Vorsteherin Anna Jo-
hanna Hermanntzin sch 1698) hinterlassen
hat.H Hier möge wenigstens der die
Kriegszeit betreffende Teil derselben (nach
dem Abdruck bei Marian) folgen:
st Abgedruckt bei Marian, Austria 3-rcrs,
Wien 1780, 1'ars I Dom. II S. 329—31. Sie
fand sich auch, jedoch mit einigen Abweichungen,
iui Nachlaß des Herrn Domkapitulars von Vanotti
und wurde aus diesem Nachlaß von Herrn Pfarrer
Stützte in der „Riedl. Ztg." 1887 Nr. 2—4 der
Hauptsache nach veröffentlicht. Das Original,
welches in Unlingen nicht vorhanden ist, dürfte erst
aus dem letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts
stammen; jedenfalls entstand es erst nach 1676,
weil darin der Streit mit dem Truchsessen
Haus Ernst erwähnt wird. (Vgl. „D.-A-" 1898
S. 164 ff.) Leider fehlt bei den einzelnen
Ereignissen die Zeitangabe.
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