Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 159
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Denkwürdiges aug der Geschichte
des Alosters Wiblingen.
Von Pfarrer Saupp in Wiblingen.
(Fortsetzung.)
„Uxorere, inc;uam, exorere WiblinZa!
3ur§e illuminare, c^uia venit lumen
tuum, OUalricus /rbbas." Mit diesen
Worten wird der jetzt folgende A b t
Ulrich Hcilblützel (1432—73) vom
Annalisten eingeführt und als „Nonasterii
restaurator et alter Uunckator" gerühmt,
„blatus irr Weinstetten, rvilerio ab
VVeibinAam (Weihnng) sito i§nobilem
katriam nobiliore virtute et iroirrirris
celebritate illustravit." Aus seinem hoch-
verdienten Leben und Wirken sei nur das
Wichiigste hier angeführt! Als er streng
auf die Beobachtung der alten Ordens-
regel drang und durchaus nicht davon
abging, da machten sich die Mönche selbst
Vorwürfe und wüteten vor Rene, daß sie
ihn zu ihrem Vorgesetzten gemacht hatten,
und als sie ihre liebgewordenen Gewohn-
heiten verlassen mußten, hätten einige ge-
wagt über seinen Tod Beratungen zu halten.
Sie seien hiebei von den Neichenauer Mön-
chen, von denen einige immer noch in Ulm
ein ungeregeltes Leben führten, aufgehetzt
worden, und wenn man Felix Fabris Be-
richt glauben darf, sei Ulrich in solcher
Lebensgefahr gewesen, daß er insgeheim
im Chor, im Kapitel und im Refektorium
einen Panzer unter seiner Tunika getragen
habe. Nachgegeben aber habe er nicht, sondern
mit noch größerer Zuversicht und Vertrauen
ans Gottes Schutz habe er durch die Macht
des göttlichen Geistes die Machinationen
der Verschwörer niedergehalten, so daß sie
nach Erkenntnis ihres Irrtums die unter
der Knknlle verborgenen Dolche aus eigenem
Antrieb brachten und nicht mehr mit Waffen
sondern mit Thränen kämpften und für ihre
vatermörderischen Absichten Verzeihung zu
erlangen suchten; und sie fanden ihn denn
auch willig hiezu, und ihre Herzen wurden
erweicht, und Felix Fabri fagt: „Orancli
er§o labore et multa sollicituckine con-
ventum illum ack tantam perlectionern
recleZit, ut exemplar omnium /Uleman-
niae Conventuum üeret alia^ue ex
eo monasteriarekormarentur, c^uiaplures
/elosos et maturos viros babebat."
Ganz überschwengliche Ausdrücke werden ge-
braucht über den herrlichen Zustand und

die musterhafte Zucht des Klosters unter
diesem Abt: „kirnt cor unurn et anima
nun. Oivirin oKicia cliu noctucgue ab
universis celebrabantur; meclitationes,
jejunia tum reAuInrin tum ultronea LAe-
bantur trec;uentia, 5>Ientium statis boris
inviolatum, sermo cum liceret, clivinis
cle rebus cpuo ineruclitos clocerent et
ckoctos accenckerent; quiclc;ui6 ultra
sumptus ckomesticos erat, pauperibus
clabatur, nulla praeterca cum saecula-
ribu8 conversatio, consanZuineorum pin
oblivio." Namentlich wird auch der Fleiß
der Mönche gerühmt und u. a. auch Tri-
themins als Zeuge dafür angeführt. Auch
bei den Auswärtigen habe sich über die
Wiblinger Cönobiten eine hohe Meinung
gebildet, so daß, wenn einer irgendwo
getroffen wurde, er als heilig verehrt wor-
den sei. „Oclalricus itac^ue noster, Zanc-
titatis norma, meruit, ut coenobium
istuck sanctum ckiceretur." . . . „Konus
ockor Lbristi, vita reliZiosa et Uisciplina,
etiam exteros excitavit ut de suis
tribuerentN So Wilhelm von Schwendi,
der eine Jahrtagsstiftung machte, ebenso
Konrad Heggenzin und Adelheid Zinkin.
Die Grafen Konrad und Eberhard von
Kirchberg übergaben dem Kloster das „jus
leuckale et Uatronatus" in „WitziShofen".
Unter den besonderen Sorgen des Abtes
sei die gewesen vom Konzil zu Basel die
Bestätigung der Privilegien des Klosters
zu erlangen. Auch habe dieses Konzil
neue strenge Bestimmungen für die Bene-
diktiner gegeben. Ulrich III. Halblützel
regierte 41 Jahre lang und starb i.J. 1473.
In den Niscellaneo-Ickisto-
ricu dieser Zeit kommt u. a. sogar die
Erfindung des Pulvers erzählt: „Circa
lraec tempora Lertbolckus ni^er, Teuti
^enere, rnonacbus reliZione Urancis-
canus, prokessione Utnlosopbus, exco-
Aitavit bellicum instrumentum, kom-
barckam." I,, mittinter drolligen Worten
kommt berichtet, er habe aus der Physik
gelernt, daß zwei Körper nicht an dem-
selben Ort seien, sondern einer vom ander»
abgestoßen werde, und daß das Kalte und
Warme einander sehr entgegengesetzt seien,
daher habe er ex nitro vel salpetra et ex
sulukure bene contritis das Pulver
hergestellt und Kohlen hinzngefügt, wodurch
dann die Explosionen erfolgt seien w.
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