Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 133
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kaiserliche, ziemlich starke Patrouille zu
uus uud in den Flecken Altdvrf am 19. Juni
in der Frühe um 2lle Uhr. Im Flecken
nahmen die Husaren und Dragoner nebst
einem Offizier mehrere Gemeine gefangen,
erbeuteten über 20 Pferde rc. Im Kloster
konnten sie nicht geschwind genug zum
Thor hereinkommen, weil Herr Spital-
Direkteur die Schlüssel des Nachts zu
sich nahm; diese mußte der Thorwart erst
bei ihm holen. Sobald die Aerzte und
Apotheker den Lärm hörten, suchten sie
sich zu verbergen, wir wissen selbst nicht,
wohin sie geschlossen sind. Die Oester-
reicher nahmen einen Gemeinen — den
Scribenten — fort; sie hatten keine Zeit,
sich lang aufzuhalten, indem ihnen die
Franzosen ans Ravensburg auf den Hals
hätten kommen können. Pferde waren nur
drei da, diese nahmen die Oesterreicher;
dann ging es über das Magazin los, wo
aber nicht viel von Belang zu erhaschen
war. (Fortsetzung folgt.)
Geschichte deF GcheaterF in Mm.
Von Theodor Schön.
(Fortsetzung.)
Lllorus I hatte folgende Personen:
Genius Bonnevalli, Jndifferentismns,
Luperdin, Ueli^io, Orntin, der Inhalt
war: der für die wahre Religion sich ans-
gebende Jndifferentismns oder Freiglanben
und die Hoffahrt stärken Bonnevals
Geist in seinem Vorhaben, daß dieser un-
geachtet ihm die wahre Religion den Irrtum
entdeckt und samt der göttlichen Gnade sehr-
heftig zuredet, alle Mahnungen verachtet.
Lllorus 11 hatte folgende Personen:
Justitia trrmL, LUntia, UeliZio, §eirus
Bvnnevali, ^mditio, Uibertinismus sau
Inckillerentislnus, sechs §eirist der In-
halt war: Bonnevals Geist wird vor die
göttliche Gerechtigkeit gefordert, nach vor-
gehaltenen Verbrechen der kräftigen Gnade
in der wahren Religion zu verharren ver-
unwürdigt, seinem verkehrten Sinn und
Leidenschaften überlassen.
Die Personen des ersten interlucius
waren : Urnn^ois, Uierre, Lasnretlr,
Osmnn, NoUnmeU, Non^ns, der Inhalt:
einige Söhne französischer Kauflente in
Konstantinopel überreden einige türkische
Knaben, der Mond werde bewohnt. Die
Personen des zweiten interlucius waren

außer denen des ersten noch Mondgelehrte,
Mondspassagiere, Mvndsfrauenzimmer, ein
Janitschar, der Inhalt: die jungen Franzosen
führendenTürkcn einige Mondbewohner vor:
Die Personen des eigentlichen Stücks waren
Bonnevall, der Vezier, der Mufti, Hassan, Nustan,
Selim, Theokrit, venetianischer Kaufmann, Thekla,
eine .Marseillerin, der Inhalt folgender: B o n-
neval erneuerte den Vorschlag, am heutigen
Tage zum türkischen Irrglauben (aä eui-ci-min
sectamf überzutreten. Hassan und Nustan
vermuten, die künftigen, für heute wegen der
Ernennung eines Paschas und dem Uebertritt
Bonnevals zum türkischen Glauben ange-
kündigten Festlichkeiten seien nur um B o n n e-
val angesagt. Sie beschließen, ihn am frühen
Morgen zu begrüßen. Bonnoval bereitet,
nachdem er den venetianischen Kaufmann The o-
krit entlassen hatte, sich zum Empfang des
Morgenbesuchs vor. Hassan und R u st a n be-
grüßen ihn und laden ihnein, wie üblich, den Vezier
in ihrer Gesellschaft zu besuchen. Inzwischen
bringt Theokrit der Marseillerin Thekla
die traurige Botschaft von den künftigen Fest-
lichkeiten. Theokrit erschrickt mit ihr so, daß
er den Mufti, der zu Bonneval gehen will,
beleidigt. Der Mufti ist erfreut über die Er-
neuerung von Bonnevals Vorschlag uüd
bietet sich ihm zum Begleiter bei der Begrüßung
des Veziers an. Der Vezier hört Bonneval
gnädig an, verspricht Großes und befiehlt R u stan,
die Feierlichkeiten dieses Tages zu beschleunigen,
welcher in der Stille die höfische Jugend von
B o » ne v a l zu entfernen sucht. Doch werden
auch Theokrit und Thekla nicht von B o n-
neval zugelassen, welcher vom Vezier zurückge-
kehrt mit Hassan und Nustan wegen des
ihm bezeigten Wohlwollens beglückwünscht wird,
auch über die Gnade des türkischen.Hofes jubelt.
Als einen Beleg der letzter» führt der Mufti
Geschenke herbei, was Hassan und Nustan
sehr erregt. Der Vezier, der namens des Kaisers
Großes versprochen hatte, mutet Bonneval
ein öffentliches Bekenntnis zu, dieser zögert, wes-
halb Hassan und N u st a n dem Mufti B o n-
ueval verdächtig zu machen suchen, nachdem
letzter fortgegangen ist. Sie beschließen, die
öffentlichen Festlichkeiten zu hindern. Nustan
weissagt- aus .List dein Hassan durch seine
Söhnlein ihrem beiderseitigen Plan einen günstigen
Erfolg. Sie hoffen, die Neigung des Hofs könne
von Bonneval abgewandt werden durch die
Denkungsweise Bonnevals und die Sitten
Theokrits, der mit Thekla den B o n-
n eval erwartet. Bonneval, der mit dem
Mufti und Jünglingen, welche türkische Gewänder
tragen, vom Vezier zurückkehrt, zeigt ihnen an,
es sei Zeit zur Zusammenkunft. Die Söhnchen
Bonnevals, ivie auch Selim wirken eifrig
für ihn, daher entsteht in Bonneval Furcht,
den türkischen Glauben öffentlich zu bekennen,
was er zu verbergen sucht, aber dem Mufti ge-
genüber nicht gänzlich kann. Als dieses Hassan
und Nustan heimlich durch den Mufti er-
fahren, loben sie es, klagen beim Vezier über
Bonnevals Furcht und Sitten. Doch kann
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