Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 189
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scheimlng am Himmel in kleiner Dimension
herabgedrückt. Herr Detzel hätte in seiner
christlichen Ikonographie jene Abbildung
weglassen können.
Es giebt selbst in Kirchen (Plafond-
gemälden) und auch ans Staffeleibildern
Darstellungen der heiligen Trinität und der
Herrlichkeit des Himmels, welche in eine
christliche Ikonographie nicht gehören, wen»
sie schon in den Gotteshäusern geduldet
werden. Jene Bilder zeigen meistens die
Apotheose eines Heilige» und seinen Em-
pfang im Himmel, d. h. die Aufnahme der
Seele des Heiligen am Throne Gottes.
Die heilige Dreifaltigkeit, im Hintergründe
klein gezeichnet, ist von einer großen An-
zahl musizierender oder singender Engel
umgeben. Dadurch wird das Gemälde ein
Produkt der religiösen Historienmalerei.
Diese letztere aber muß man aus der christ-
lichen Ikonographie ansscheiden. Zumal
ein Jnstrnmentalkonzert von Engeln in
sog. Lebensgröße weder das Produkt des
betrachtenden Gebets sein kann, noch ver-
mag der Anblick eines solchen Bildes An
dacht zu erwecken. Ebenso gehören die
Scenen der Hinrichtung eines Heiligen,
als Historienmalerei behandelt, nicht in eine
Kirche und gewiß nicht in die christliche
Ikonographie. Gleichviel, ob man im
Hintergründe die heilige Trinität sieht oder
nicht. Denn solche Bilder regen nicht zur
Andacht an und sind auch durch das be-
trachtende Gebet gewiß nicht entstanden.
In diese Gattung von Bildwerken gehören
viele Plafvndgemälde des 18. Jahrhunderts,
sogar von renommierten Meistern, wie
Cosm. Dam. Asam. 1729. Dieser Maler
hat auf einem seiner Plafondbilder solche
Ströme Blutes gemalt, daß der Betende
unter diesem Bilde fürchtet, das Blut falle
tropfenweise auf ihn herab!
Die drei Darstellungen der Dreieinigkeit
mit der Leiche Christi, welche Hans Morinck
von Konstanz am Ende des 16. Jahr-
hunderts Plastisch ansgeführt, waren für
das Schloß Hegne, für Petershansen und
für die Jesuiten in Konstanz als Altar-
bilder für Hauskapellen bestimmt. Oben
sieht man den heiligen Geist (nach Wal-
dung Grien), darunter Gott Vater, ohne
Tiara, die Leiche des Sohnes ohne Grab-
tuch haltend, oben zwei fliegende Engel
mit Dornenkrone und Nägeln, unten zwei

mit Geißel-Säule und Kreuz (vier der
sogenannten Erzengel). Aehnlich hat Wal-
dung Grien für ein Glasgemälde, das er-
halten ist, die Trinität gezeichnet. Oben
die Taube fliegend; Gott Vater hält die
Leiche Christi; zwei Engel, je einer auf
einer Seite, halten das Leichentuch, auf wel-
chem Christus liegt. — Diese Auffassung von
Morinck und Grien im 16. Jahrhundert
entsprach der Seelenstimmnng der Be-
schauer im genannten Jahrhundert. Rein
menschlich anfgefaßt hat das Bild des
alten Vaters, der die Leiche des einzigen
Sohnes hält, schon etwas Ergreifendes.
Aber man darf es nicht rein menschlich
anffassen. Dieses Bild soll nnS die un-
endliche und übernatürliche Liebe Gottes
darstellen, der aus Liebe zur gefallenen
Menschheitseinen eigene» Sohn den schmach-
vollsten Tod erleiden ließ. Der Eindruck,
welchen diese Darstellung auf den denken-
den Menschen macht, ist gewaltiger, als
das Mitleid, welches der Anblick einer
schmerzhaften MutlcrgotteS (Vesperbild,
Maria mit der Leiche ihres Sohnes ans
dem Schoße) hcrvorruft. Diese Darstel-
lung der Dreifaltigkeit entstammt dem be-
trachtenden Gebete über die unendliche Liebe
Gottes und führt auch den Beschauer zum
Gebete zu Gott Vater und Christus und
zum heiligen Geiste, d. h. zu Gott, der die
Liebe ist. (Fortsetzung folgt.)
Geschichte deF Lheater^ in Alm.
Von Theodor Schön.
(Fortsetzung.)
Das Thema war diesmal entnommen
der in der Zimmernschen Chronik I, 300 ff.
mitgeteilten Sage vom Edlen Möringer,
der zu Munderkingen an der Donau ge-
lebt, vor seiner Reise ins Land Jndia
zum hl. Thomas seine Gemahlin dem
jungen Grasen von Neusen anbefohlen
habe. Dann sei der Möringer abgereist,
viele Jahre fortgeblieben. Auf die Nach-
richt von seinem Tode hin wurde eine
Heirat zwischen seiner Gattin und dem
Grafen von Neusen verabredet. An
dem zur Hochzeit bestimmten Tag habe sich
dann der Möringer, gewarnt durch
einen Engel und durch ein Wunder die
Meilen Wegs von Indien nach Hause ge-
führt, am Schlvßthor eingefunden und ge-
beten um eine Gabe „umb Gottes willen,
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