Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

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den Wimpfener Glasgemälden, jetzt in Er-
bach, die auf der Casula von St. Blasien
und mehrere andere hätte Detzel benützen
und besprechen sollen.
Die frühesten Drucke dieses Buches ent-
halten zahlreiche und interessante Holz-
schnitte, wie die Augsburger Ausgabe von
1471 bei Günther Zeiner und die Baseler
von 1480. lieber dieses für die christ-
liche Ikonographie unentbehrliche Werk hat
Prof. Or. F. Falk in Klein-Winternheim
(Mainz) im „Zentralblatt für Bibliotheks-
wesen von Hartwig" 1898 einen Aufsatz
veröffentlicht.
Nach den Bildwerken der sogen. Armen-
bibel hätten etwa 300—400 typische und
antitypische Darstellungen dem Leser vor-
geführt, erklärt und erläutert werden
sollen. Damit wäre ein Verständnis der
christlichen Ikonographie beim Leser ange-
bahnt worden.
S. 454 Bd. I. citiert er zwar jenes
Buch mit den Worten: „Schon im Heils-
spiegel (speculum llumnirae salvationis),
einem aus dem 14. Jahrhundert stammen-
den Bilderbuche (!) finden sich ähnliche
Darstellungen, die besonders im 15. Jahr-
hundert sehr beliebt wurden." Das Buch:
„Der Spiegel des menschlichen Heiles"
oder Buch der Vorbeweisungen hat, wie es
scheint, Herr Detzel nie gesehen bezw. ge-
kannt. Denn sonst hätte er S. 453 über
den sitzenden Schmerzensmann von A.
Dürer anders geurteilt. Er hat aber jenen
Dürerschen Holzschnitt nicht richtig aufge-
faßt. Der letztere ist das antitypische
Bild zum typischen des sitzenden Hiob
(Buch Job 2, 8). „Hiob schabte den
Eiter mit einem Scherben ab, und saß
auf einem Misthaufen."
Die bildliche Darstellung der Kirche
Christi als gekrönte Frau mit der Sieges-
fahne oder als Königin auf dem Tetra-
morph reitend (Wormser Dom und Frei-
burger Münster, Glasgemälde), sowie deren
Gegenüberstellung der Synagoge oder des
Judentumes hat Detzel übergangen.
Man sucht den Abschnitt, der von der
Kirche Christi handelt, bei der Besprech-
ung des heiligen Geistes, oder bei den
Mariendarstellungen, oder bei der Kreuzi-
gungsscene, als die Seitenwunde an der
Leiche Christi gemacht wurde, in seinem
Buche vergeblich. Die Geburt der Kirche

Christi ist in der Konstanzer Armenbibel
auf dem XXIV. Blatte als Antitypns
(die Seite Christi wird mit der Lanze
durchstoßen) dargestellt. Alsstypisches Vor-
bild dient dazu, wie Gott Vater die Eva
aus der Seite Adams erschafft. Nach
dem Buche der „Vorbeweisungen" ist die
Auferstehung Christi der Geburtstag der
christlichen Kirche gewesen. Dazu gab die
Stelle beim Propheten Sophonias 3, 8
eine Berechtigung. Dieser sagt: „Am
Tage meiner Auferstehung werde ich sam-
meln das Volk" (die Kirche). Deshalb
findet sich schon im 13. Jahrhundert die
Darstellung des Lammes Gottes mit der
Auferstehungsfahne auf den Grundsteinen
der Kirchen, über den Kirchenportalen im
Bogenfelde und in den Gewölbeschluß-
steinen über dem Hochaltäre. — Die
Jugendgeschichte der gekrönten Jungfrau,
welche als Kirche dargestellt wird, hätte
Detzel in den bezüglichen bildlichen Dar-
stellungen der Armenbibel verfolgen und
erklären sollen. Im XXX. Kapitel des
„Spiegels des menschlichen Heiles" ist
Maria dargestellt, wie sie mit den Waffen
Christi (Kreuz, Nägel, Dornenkrone,
Lanze und Mopstengel) bewaffnet, auf dem
niedergeworfenen Leviathan steht, ihm den
rechten Fuß ans die Kehle setzt und ihn
tötet. Hier ist die heilige Jungfrau als
Sinnbild der Kirche und zwar der
ecclesia militmns und triumpllnrm auf-
gefaßt.
Daß die jugendliche weibliche Gestalt,
welche die Kirche, d. h. die ecclesin mili-
tLirs und die triumpllnns und auch die
pLtierm darstellen soll, nicht selten und
insbesondere in folgenden drei Fällen mit
der heiligen Jungfrau Maria im Mittel-
alter identifiz iert wurde, ist be-
kannt. Es hat diese Vermengung einer
historischen Persönlichkeit mit einer Abs-
traktion oder Personifikation an und für
sich nichts Auffallendes und ist leicht be-
greiflich. Aber die bildlichen Darstellungen
auf Wandgemälden und Staffeleibildern
oder Glasmalereien machen für den Be-
sucher der Kirche eine entsprechende Er-
läuterung notwendig oder wünschenswert,
und diese sucht man eben in einer christ-
lichen Ikonographie. In dem Handbuche
von Detzel sucht man aber vergebens auf
S. 503 bis 531 und auf S. 112 bis
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