Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 96
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noch ausgestellte Neliquiarien, Skulpturen rc. gleich-
falls Nother Provenienz. — Weiter sind aus dem
Nother Stifte manche Holzarbeiten, Möbelstücke
in das Schloß im Odenwald gewandert, so vor
allem zwei aus Nußbaumholz gefertigte Erz-
engel mit Flügeln, von welchen jeder Engel noch
einen besonderen Notenpult auf seinem Locken-
haupte hat, auf dessen Vorderseite wieder ein
Engelkopf mit verschlungenen Flügeln in Haut-
relief geschnitten ist. Diese beiden, aus dem
17. Jahrhundert datierenden Kunstwerke, bilden
mit den noch in der Kloster- bezw. Pfarrkirche
von Roth aufgestellten Chor- und Beichtstühlen
einen Cyklus, in den seiner Zeit auch die groß-
artige Holzdecke gehörte. Beide Pulte wurden im
Jahre 1861 vom „Kirchenvorstande von Roth" in
die Erbacher Sammlungen geschenkt. Ein sehr
fleißig mit Laubwerk eingelegtes, 1861 restau-
riertes Schränkchen mit Buffet aus verschiedenen
Hölzern; jede Thüre enthält einen erhaben ge-
arbeiteten Rundbogen; ein niederer, langer, sehr
reich in Eichenholz geschnittener, ein harmonisches
Ganze bildender Schrank (Kasten) mit 5 gewun-
denen Säulen und vielem architektonischem Schnitz-
werk; ein in verschiedenen Hölzern eingelegter und
erhaben geschnittener Holzkasten im Renaissance-
stile; eine.geschnittene Thürbekleidung und fasson-
nierte, verzinnte Thürbeschläge aus der gleichen
Zeit. Ferner: zwei geschnittene Thürbekleidungen
in verschiedenen Hölzern (Halbpilaster, Kapitäle,
Aufsätze, Säulchen), welche um die Thüren vor
dem Rittersaale und der Hirschgalerie angebracht
sind. An Vasen und Uhren aus Roth finden sich
vor, eine geschmackvolle Alabastervase ohne aus-
geprägten Stil, eins kleine Rokokouhr aus Kupfer,
eine Wanduhr, bestehend aus einer großen Mes-
singplatte, welche zierlich in Laubwerk getrieben
ist; daS Zifferblatt aus weißen: Metall. Stand-
uhr, das Zifferblatt in Medaillons geteilt, welchem
gelbem fnffonniertem Metalle gefaßt sind; das fassou-
nierte Zifferblatt trägt das Bildnis Ludwigs XIV.
Ein Lichtschirm mit dem Bilde, den Emblemen
und Wappen des Abtes Martin Erdmänn vom
Jahre 1875..— An altertümlichen Rüstungen sind
außerdem noch zu sehen: Die aus Hechingen
stammende einfache Kriegsrüstung des Grafen
Eitel Friedrich von Hohenzollern von blankem
Stahl; die Roßrüstung bildet ein Stahlgeschirr
von Bandstreifen. Die blanke, aus der.Ambraser-
Sammlung stammende Stahlrüstung (zu Fuß)
Konrad von Bemmelbergs aus der ersten
Hälfte des 16. Jahrhunderts; auf dem Border-
harnische ein eingravierter und vergoldeter Heiland
am Kreuze, vor dem ein Ritter kniet; vergoldeter
Doppeladler auf beiden Seiten des Bourgignons.
Nicht ausgeschlossen wäre übrigens auch eine Pro-
venienz aus Roth, sofern das Bemmelbergsche Ge-
schlecht vor Zeiten mit diesem Kloster Beziehungen
hatte?! Blanke Stahlrüstung von Wolf Böhmer aus
der Zeit des schwäbischen Bundes, 1523. Die schon
genannte Waldburgsche Rüstung ist sehr beweg-
lich, schwarz, breit, mit gelben Nägel». Die Perle
aber der ganzen auserlesenen Sammlung bildet
die schon erwähnte, aus vielen Kassetten bestehende,
zumeist aus Nußbaum-, Kirsch- und Eichenholz
gefertigte Plasonddecke, die Reliefs als Wappen,

Guirlanden,Laubwerk, Eiigelsköpfe sind sehr kunst-
fertige Schnitzereien und Skulpturen in Holz.
In der Mitte als Hauptstück das Nothsche und
äbtliche Allianzmappen. Um das Gesimse laufen
geschnittene Stützen, während fünfzehn Engels-
köpfe die Seitenböden diese Plafonds verzieren;
letztere geschmackvolle Ornamente bilden von zier-
lichen Kinderköpsen schwunghaft auslaufendeFlügel,
welche wiederum in sehr frei auslaufends Guir-
landen und Laubwerk sich verzweigen; auch sind
Einlegarbeiten an den Mittelstücksn. Diese Nother
Holzdecke, sowie die (von mir bereits im „Archiv
f. christ. Kunst", IX. 1892, Nr. 10, S. 89 in
einem Art.: „Kunsthandwerker früherer Zeiten in
und aus Schwaben" zur Sprache gebrachten) Chor-
stühle der ehemaligen Karthäuserkirche von B u x-
h ei m, beides prachtvolle unvergleichliche Meister-
werke des deutschen Kunsthandwerks aus der Zeit
der Hochrenaissance, sind das Schönste und Groß-
artigste, was in dieser Periode auf dem Gebiete
der Holzplastik in Oberschwaben hervorgebracht
worden ist und dürfen in einem „U eberbli ck"(!)
über die Kunstwerke und Künstler Oberschwabens
namentlich gegenüber von anderen Arbeiten, aus
welchen in neuerer Zeit so viel Wesens gemacht
wurde, welche aber den obgenannten unendlich
weit nachstehen, nicht fehlen! l?. Lsclc.
Die Reliquien des hl. Zeno in Ulm
wurden i. I. 1052 aus Italien nach dem damals
noch Reichenauschen U l in und zwar in die ehe-
mals auf dem Weinhof gestandene, längst (1532)
abgebrochene, altromanische H l. Kr euz- Kirch e
mit einem hohen, einst als „Luginsland" benützten
Turins, das älteste bis auf die Zeiten Karls d. Gr.
zurückgeheudo Gotteshaus Ulms übertragen, von wo
in der Folge, vielleicht unter Abt Ekkehard II. (1071
bis. 1088), das Haupt nach N adolf.z.ell gekom-
men ist. Das dortige, wahrscheinlich in der zweiten
Hälfte des 11. Jahrhunderts entstandene Chor-
herrnstift bediente sich eines mit dem Haupte des
hl. Zeno geschmückte», wohl aus' derselben
Zeit herrührenden Siegels. Das Jahrzeitbuch
von Radolfzell berichtet zum Festtage des Heiligen
am 12. April: „l?utroc!vium piumi ultaris.
Tcuno ckomini iVIIbll" rsliquis suncti ^suanis
a Waltriilo Veroneusi spiscopo (loztz—Zz) in
^Iinannilun in villum Dlniain ulluts plurimis
clurusre iniraculis, guuruin rsliquiuium pars,
vickslicet cuput sancti ^enouis pro nunc bads-
tur in Cella Uatolcii". Am Rand bemerkt
dazu eine Hand des 17. Jahrhunderts: „XL. pro
nunc inckicare ilagus vult. quock antsa curn ce-
teris rsliquiis etium luerit lllinas". Die Übrigen
Neliquienteile scheinen in Ulm verblieben, und
während oder nach der Reformationszeit in die
Deutschhauskapelle, bezw. Kirche zur hl.
Elisabeth verbracht worden zu sein, welche i. I.
1947 unter Komthür Heinr. v. Zipplingen erbaut,
i. I. 1700 neu hergerichtet, einen schönen, dem
hl. Zeno geweihten Altar nebst Reliquien besaß,
im Jahre 1818 aber leider abgebrochen wurde,
der Altar kam in die Kirche nach H errli » gen;
was aus den Reliquien geworden, ist nicht be-
kannt. Reliquien von diesem Heiligen befinden sich
auch in . der Kirche des ehemaligen Augustiner-
Klusters St. Zeno bei Neichenhall. —cb.

SMtt-unt, Buchdrmkcrei der AN.-Ges. ..Deutsches Vollsbtatt".
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