Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

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gefädelt, daß wir ein Entenschießen ver-
anstalten müssen. Dabei wollte der Forst-
meister sich das Ansehen geben, als hätte
bloß er diese Rekrcation verschafft; er trug
auch proprio motu dem Platzkomman-
danten an, wie viele Stücke er von den
geschossenen nehmen wolle! Dieser wählte
zwölf Stück.
Am IO. Jnli geht obiger Bataillons-
kommandant mit beiläufig 200 Mann ans
hiesiger Gegend zur Armee ab.
12. Jnli sagt ein Kapitän ein neues
Pferddepot an, sollen jedoch keine kranken,
sondern lauter blessierte Pferde sein. Da
das Spital alle Zimmer in Requisition
behält, obgleich dermals keine Blessierten
da sind, so wohnen die Leute samt den
Pferden im Flecken. Die Landvoglei giebt
das Heu, Haber und Stroh und legt für
jeden Mann 24 Kreuzer täglich als Auf-
besserung bei; wir sollen täglich 60 Pfund
Fleisch gegen Quittung ü 24 Pfund und
60 Portionen oder 90 Pfund Brot gegen
Quittung von 72 Pfund abgeben. Dieses
soll als Vergütung gelten, daß man die
Leute nicht im Quartier haben muß. Diese
Leute find sehr ausgelassen, plagen ihre
Quartiersträger und begehen grobe Ex-
zesse; sie fragen nach ihrem Kapitän nicht
viel, indem sie von verschiedenen Regi-
mentern sind und der Kapitän bloß die
Aufsicht über die Pferde hat.
13. Juli reiset H. Oberamtwann nach
Lindau zum Kriegskommissär Brek und zum
dortigen Spitaldirektor Margai n e, welche
zu Hofen eine Requsition von 300 Hem-
den, Hauben, 150 Decken, einem Kessel
von 120 Maß u. s. w. gemacht hatten.
Die Vorstellung, daß Hofen und Wein-
garten e i n corpus seien und daß hier
selbst ei» Spital sei, zu welchem man
viele Artikel abzugeben habe, nützt gar
nichts und statt der Antwort schickten sie
drei Husaren als Exekution nach Hofen,
denen man täglich jedem einen Laub-
thaler zu bezahlen hätte, bis alles geliefert
sei. Diese Kerls begingen die größten
Impertinenzen, plagten die Bediensteten,
sprengten dem Pater AmbioS, Küchen-
meister, mitten in der Nacht die Thüre
ein, stießen ihn auf die Brust re., so daß
er im Hemd davoulief und Hilfe suchte.
Eine Beschwerde bei Brek war voll-
ständig nutzlos. Diese Herren setzen ge-

flissentlich so kurze Termine, um uns zu
zwingen, mit ihnen oder ihren Unter-
händlern überspannte Accorde einzngehen,
wodurch sie auch den letzten Kreuzer herauS-
presseu.
14. Juli. Ans Memmingen kommt für
dortiges und das Bnxheimer Spital eine
beträchtliche Requisition von Holz zu Bett-
stätte», Matratzen, Leintüchern, Kopf-
polstern u. s. w. Wir schickten eine copin
dieser Requisition nach Lindau, und Brek
schrieb unter dieselbe, daß Memmingen uns
nicht in Konkurrenz ziehen könne. Dabei
bleibt cs bis 21. Jnli; dagegen legt Brek
eine weit kostspieligere Requisition für
das Lindauer Spital vor, die wir am
15. Juli erhalten. Er verlangt 400 Paar
Leintücher! Wenn wir diese ganze Liefe-
rung bestreiten müssen, haben wir hiezu
6800 Ellen stebenquärtige Leinwand not-
wendig.
16. Jnli reiset Herr Oberamtmann nach
Lindau und will wegen dieser enorme»
Requisition Unterhandlung pflegen. Allein
auf den Abend kommt der Spitaldirektor
von Lindau hierher; wir sagen ihm, daß
unser Oberamtmann ihn aufsuche, um
über die Requisition zu traktieren; dieser
zieht gelindere Saiten auf, versichert, daß
die Requisition nicht ans 400, sondern
300 Paar Leintücher laute, es müßte ein
Schreibfehler sein. Er gehe nach München
ins Hanptqnartier und komme in beiläufig
sechs Tagen zurück, wo er die Sache so
richte» wolle, daß auch von den 300 ein
großer Teil oder wohl gar alles wegfalle
— wir sollen also warten, Gleich nach
dem Abendessen drangen wir in ihn, daß
er an Brek schreibe — er that es — ich
schickte den Brief in der Nacht durch einen
Expreß Herrn Oberamtmann, der am
17. früh zum General Mvlitor, welcher
sich schnell von Kempten nach Feldkirch
begeben hatte, sich verfügen wollte: auf
das Schreiben kehrte er zurück, nachdem
er dasselbe dem Brek übergeben und um
Verschub nachgesucht hatte.
lZ,', Juli kommt die Hauptkontribntion
an für den schwäbischen Kreis mit Aus-
schluß von Baden, welches Frieden habe,
und von Württemberg, wo besondere Maß-
regeln sollen genommen werden. Der
ganze Betrag ist 6 Millionen Franken.
Weingarten soll hievon zahlen 95 611 Frcs.
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