Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 167
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erdigt.J — 1629 Halle die Gegend
unter neuen Einquartierungen und Durch-
märschen kaiserlicher Truppen zu leiden. Im
Januar 1630 wurden in Unlingen Har-
tancurtische Reiter einqnartiert <Württ.
Vierteljahrs. 1881 S. 114).
Im September desselben Jahres mußte
der Ort Kontribution für zwei Com-
pagnien nach Grunzheim einliesern. Im
Juni 1631 wurde ihm zur Abführung von
Proviant in das kaiserliche Feldlager eine
Fuhre anserlegt. In diesem Jahr be-
gannen zugleich neue Durchmärsche. 1632
wütete» bereits die Schweden und Württcm-
berger in der Bussengegeud. Am 23. April
dieses Jahres rief der Truchseß seine
Uuterthauen zu den Waffe», und nun
sammelten sich zahlreiche Bauern in der
Niedlinger Gegend, welche auch ihre Nach-
barn zu einem-Bündnis einluden, um die
Plünderung der Gegend durch die Schweden
zu verhindern. Allein am 27. April hatten
die letzteren schon die ganze, Gegend be-
setzt (Mone, Ouellensammlung zur bad.
Gesch. II, 211 f.). 1633 .zogen zahlreiche
schwedische und ligistische Truppen durch
die Gegend. Im März und November
dieses Jahres fanden verschiedene Kämpfe
zwischen den Schweden unter Horn und
den Kaiserlichen unter Aldringen in der
Gegend um Riedliugen statt (Martens
a. a. O. S. 332 und 339; Snlger
cwn. 1633). Im Dezember nahmen die
in Riedliugen und Umgebung in Besatzung
liegenden Schweden und Württemberger
die Hintere Burg ans dem Bussen ein und
brannten sie bis auf die Mauerstocke ans
(Martens 340, Sulger uck nun. cit.).
Kaum ein Ort wurde damals vom Feuer
verschont; doch war dies, wie Sulger I. c.
bemerkt, nicht immer „militum improditmti,
secl nrulto irrnxime iirLoInrum Limit» cUkku-
Aio ek nbLeirtine" zuzuschreibeu (II, 242).
Im folgenden Jahre dauerte die Schweden-
plage fort. Die Ortschaften wurden ans-
geplüudert; was sich vorfaud, wurde teils
fortgeschleppt, teils r.verheert und die Be-
wohner aufs grausamste mißhandelt. Noch
heute weiß man in Unlingen von dem
sogenannten „Schwedentrauk" (z. vgl.
Sulger II, 243) und anderen Greueln,
i') 'MitgeteiÜ von Herrn. G-. Merk aus einer
Handschrift in der sürstl. fürstenbergischen >bof
bibliothet zu Dailanoschingen.

die damals von den Schweden verübt
wurden, zu erzählen. Im März 1634
bezogen die Schweden nach der Belagerung
von Biberach wieder Quartiere in der
Gegend von Riedliugen und bedrückten die
! Bewohner aufs neue ('Martens 348);
noch im Mai dieses Jahres bezogen Horns
! Truppen Kantonierungen daselbst (Martens
352). Allmählich aber zogen die Schweden
ab und nach der Schlacht bei Nördlingen
(September 1634) konnten sie sich im
Lande nicht mehr halten. Allein dafür
zog ein anderer Feind ein: Hungersnot
und Pest. Denn das Vieh war teils ge-
tötet, teils weggetriebeu worden, die Felder
^ lagen öde, weil die Landbewohner ver-
hindert gewesen waren, sie zu bebauen;
was wuchs wurde vom Feind verwüstet.
So stellte sich Hungersnot ein, welche eine
pestartige Seuche im Gefolge hatte. In
Unlingen wüteten diese besonders im Jahr
'1635. Hunderte von Menschen sielen
! ihnen hier zum Opfer (vgl. auch über die
dortige Kerumühle „D.-A." 1898 S, 165).
Auch nachher hatte der Ort viel zu
leiden unter Streifzügen und Einquartie-
! rungen freundlicher und feindlicher Truppen,
^ besonders seitdem auch die Franzosen in
i Schwaben eingerückt waren, so 1642/43.
' Seit September 1646 waren die Schweden
! und Franzosen wieder in der Gegend und
brandschatzten (Mone a. a. O. II, 461 f.).
j Im Februar 1647 befand sich hier Tu-
! reunes Reiterei und im März dieses Jahres
hausten die Schweden und Franzosen
z wieder daselbst (Martens 479, 481 f.).
Während dieser Zeit wurde die Pfarr-
kirche in Unlingen zweimal vollständig aus-
- geplündert, so daß keine heilige Messe
, mehr darin gelesen werden konnte; die
Klosterfrauen haben dann in den nm-
! liegenden Klöstern die nötigen Gewänder
und Geräte zusammengebettelt, daß wieder
z Gottesdienst gehalten werden konnte (Ur-
! künde von 1688). Ein silbernes Zibori-
um, Rauchfaß und Kelch, welche erst im
Jahr 1625 unter Pfarrer Andreas Faller
aus Kosten der Kirchenfabrik hergestellt
worden waren, wurden eine Beute der
Schweden (Oal. eccl. psr.). Eine schöne
Monstranz und einen Kelch mit kupfernem
Fuß haben die Schwestern von dem zu
saulgau im Quartier liegenden Oberst
^ Piccolomini wieder erbettelt und nach Un-
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