Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

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berittene Diener für das Botenwesen nnd
znr Begleitnng von NatSdeputationen und
Personen nach auswärts) nnd Johann
'Georg Hügler, Gerichtsbnrger nnd
Schneidermeister zu Steinbach den Protest
von seiten Combnrgs eigenhändig unter-
schrieben. Dieselben hatten sich von Stifts
wegen mit Kästner Keidel an den
Ort begebe», um gegen die von der Stadt
Hall intendierte gewaltthätige Störung zu
protestieren, wo an den Glebertswiesen
(noch heute so geheißen) von Hall an-
wesend war Notar Haspel mit zwei
Zeugen und einem Svldatenkommando
unter Leutnant Belz. Nach gegen-
seitigen Protesten, von Hall gegen „Vio-
liernng des Reichs-Stadt höllische Terri-
torii" ging die Prozession ohne aufgerichtete
Fahnen und ohne Gebet durch den Hessen-
thaler Gemeindewald, um dann wieder mit
Gebet und vorgetragenem Kreuz weiter zu
ziehen.
Vom 16. Mai 1779 liegt der gleiche
Protest vor. Dazu zeigte der Schult-
heiß Jos. Ostertag von Hefsen-
thal (vom 18. Mai 1779) in Comburg
an, daß bei der Prozession auf Hessen-
thaler Gemarkung derSchlichte r A mts -
grabenrenter Kurzenberger zu
Pferde den Schultheiß und die Wallenden
„mit unartigsten Schimpfworten verwiesen,
in die gröblichsten Flüche ausgebrochen,
dem Krenzträger das Crucifix aus der
Hand gerissen und umgekehrt, endlich diese
bedrohlichen Worte von sich kommen lassen:
die Hessenthaler würden ehender nicht ruhen,
bis er (Kurzenberger) einmal ein oder den
andern mit dem Pistol erschießen würde".
Nach Widersetzung des Schultheißen habe
er „gelinder" gesprochen. Knrzenberger
will die Sache ruhen lassen und nicht
klagen, wenn der Schultheiß Abbitte leiste
bei dem Stadtleutnant Belz wegen der
Prozession.
Am 23. Mai 1 7 8 4 a» einem Freitag
wurden die Gr.-Allmerspanner wieder an
den Glebertswiesen durch einen Servanten,
einen Korporal und zehn Gemeine, zwei
mit anfgepflanzten Bajonetten, zwischen ^2
und 8 Uhr morgens angehalten von
den Hallern. Bei diesen war noch der
Leutnant Nittmann zu Pferd,
ein Notar mit zwei Zeugen und legten
Protest ein gegen die „Violirnng des

Neichö-Stadt-Hällischen Lerritorii" durch tue
Prozession. Im Namen Combnrgs prote-
stiert Kästner Senger unter Berufung
aufdieNechtfertigungCombnrgsbeimNeichs-
kammergericht. Dann trat die „Wallpro-
zession aus den Glebertswiesen, wo selbe
inmittelst stunde, nnd ginge von dem Herrn
Deputate Kästner Senger und mir
Notarius (sc. Wolfs) nebst meiner Gezeng-
schaft, dann der höllischen Deputation nnd
Kommando begleitet, ohne Kreuz- und
Fahnenaufrichtung in der Stille durch den
Hessenthaler Gemeiudswald bis zu den
sog. Weegen fort", worauf die Deputa-
tionen heimgingen, die Waller die Prozes-
sion fortsetzten. Die gleichen Zeugen wie
1779 haben das Protokoll hierüber (im
Nathause in Steinbach anfbewahrt) für
Comburg unterschrieben.
Trotz eines Vergleichs (vom Jahr 1791)
zwischen Komburg nnd Hall über sämtliche
nachbarliche Irrungen, auch über die
„Almerspaner Prozession in üorninica
iUxau6i, welche bei heutigen Zeiten so viel
Aufsehen erweckt" (Kasten 20, Fach I.,
Lage II, Nr. 8), berichtet noch 1795 am
21. Mai Ignaz Berger, Schultheiß
von Gr.-Allmerspann über den Proiest der
Reichsstadt Hall an den Glebertswiesen.
Dies ist das letzte Aktenstück, welches uns
zu Händen kam.
Anschließend geben wir die Reihe der
Gr.-Allmerspanner Pfarrerim vori-
gen Jahrhundert, soweit Akten
hierüber (im Filialarchiv) vorliegen:
1718 Pfister;
1729 Johann Jac. Kraft (wird Pf. in
Ellenberg);
1729 Johann Michael Fuchs;
1733 Franz Dom. Mayer resigniert;
1733 Franz Aegidius Einer ernannt;
1749 Bernhard Rumpf (vorher in Gr.-
Eislingen);
1753-66 (2. Jan.) Johann Nuß
(nachher in Binswangen);
1766—82 Ludwig Mülich (Mülleck);
1782—86 Fleischmann (vorher Markt-
heidenfeld) ;
1786 -1801 Gunkel (od. Kunkel) nach-
her in Wisgoldingen.
Ludwigsburg.
Pfarrer F. X. Mayer.
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