Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 35.1914-1915

Page: 247
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1914_1915/0269
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
KÄTHE KRUSE- BAD KOSEN.

>AÜS EINEM PUPPENHAUSc

NEUE PUPPEN VON KÄTHE KRUSE.

Wir baten die Künstlerin zu dieser Ver-
öffentlichung einige Erläuterungen zu
geben. Unser Ersuchen lehnte sie nach echter
Künstlerart ab, aber ihre Zeilen an den Heraus-
geber lassen die Empfindungs- und Arbeitsweise
doch so trefflich erkennen, daß einige Sätze da-
raus hier Platz finden mögen:

„Ich bin fast beschämt ob meines reichen
Anteils am nächsten Heft, den ich garnicht ver-
dient haben kann! Wenn ich bedenke, wie
unsagbar viel Mühsal, Technik, Studium und
Wissen zu den meisten Arbeiten gehören, die
Künstler, Kunstgewerbler und -innen produ-
zieren, dann bin ich immer sehr stille vor mir
selber, und habe auch garnicht den Mut, mich
zu ihnen zu zählen. Denn ich tue nur etwas,
was mich fortwährend beglückt und frage nach
garnichts anderem, als daß es liebenswürdig sei.

Natürlich weiß ich dabei, daß die Welt im
Grunde auch nach nichts anderem verlangt, als
diesem bischen Wirkung aufs Herz, und daß
der der größte Künstler ist, der dem Gefühl
am meisten gibt, ganz gleich mit welchen Mit-
teln es erreicht ist. — Binsenweisheit, nicht
wahr, — aber mir will doch scheinen, als ob
wir in den letzten Jahrzehnten im ganzen mehr
Dekoration gemacht haben, und daß es hübsch
wäre, wenn wir nun wieder mehr Kunst machten,
d. h. empfinden könnten. Aber lächeln Sie nur
ruhig über mich und erkennen Sie getrost darin,
daß ich eben nicht selbst reden und schreiben

soll. „Leg ich mich aus, so leg ich mich hinein;
ich kann nicht selbst mein Interprete sein" hat
einmal ein sehr Wissender gesagt. — Auch habe
ich gar keine erzieherischen Absichten fürs
Kind, nur was zum liebhaben, das ist meine
einzige Absicht. Und daraus ergibt sich eben
alles andere, dieWeichheit des Fleisches,Wärme
des Stoffes, Schmiegsamkeit der Glieder, Un-
verletzbarkeit und Dauerhaftigkeit, aber ich
bin weit davon entfernt, daraus Theorien auf-
zustellen, weder für die Herstellung von
Puppen noch für die erzieherische Wirkung.
Nur eben „lieb haben" sollen sie die Kinder,
so recht nach Herzenslust, und je vollkommener
eine Puppe diese Anforderung erfüllt, um so
mehr wird sie erzieherische und industrielle
Theorien befriedigen. Aber wie gesagt, ich bin
daran unschuldig. Ich bin überhaupt leider
mehr fürs „liebhaben" als für die Theorien,
wovon sich jeder überzeugen kann, der mich
etwa mit meinen fünf Kindern sieht. Oder auch
bloß mit den Jungens. — Können Sie Jungens
erziehen? . . . Ich nicht! . . .

Also, das wäre die Idee meiner Schöpfung;
die machte mir keine Mühe. — Das andere aber,
das Ausführen und Durchhalten, das kostet
schon Anstrengung und Kopf und Mühe. Eins
ist wichtig, daß alle meine Angestellten eben-
falls mit dem Herzen dabei sind, und nur da-
durch ist es möglich, daß es Kunsthandwerk
bleibt und nicht zum Handwerk herabsinkt." —

247
loading ...