Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 35.1914-1915

Page: 12
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1914_1915/0028
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
LEO PÜTZ MÜNCHEN. GEMÄLDE »PUPPEN«

LEBENDIGE KUNST UND TOTE SAMMLUNGEN.

VON FRANZ SERVAES.

Massenansammlungen von Kunstwerken sind
an sich etwas Barbarisches. Jedes Kunst-
werk, das wirklich eins ist, verlangt isolierte
Betrachtung. Kunstschöpfungen, die, um zu
wirken, der kontrastierenden Zusammenstel-
lung mit anderen künstlerischen Arbeiten
bedürfen, sind von vornherein verdächtig. Es
ist irgend etwas Unreines, Sensationslüsternes,
Aufgeblasenes in ihnen, das mit Kunst nichts

zu tun hat. Kunst ist das Intimste, Beschei-
denste, Wahrhaftigste, Reinste, das empfindlich
Keuschste im ganzen Umkreis unserer Kultur-
bestrebungen. Kunst ist ein Wunder der Seele
in einem göttlichen Leibe. Wer dieses in ihr
zu erkennen vermag, der versteht Kunst.

Und Kunst ist das Gelebteste. Gerade da-
rum, weil sie in der stillsten Stille geschaffen
wird. Gerade darum, weil ihr letztes Ziel etwas

1 2
loading ...