Helbig, Wolfgang
Untersuchungen über die Campanische Wandmalerei — Leipzig, 1873

Page: 320
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/helbig1873/0340
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
320 Der Hellenismus und die campahische Wandmalerei.

hält, persöriificiren hier den Mergenthau und die Morgenröthe.
Niemand wird die Behauptung aufstellen, dass diese Gruppe für
den Panzer des Augustus erfunden worden sei. Vielmehr ist sie
offenbar, wie die übrigen Motive, welche den Bilderschinuck des-
selben ausmachen, als fertiges Erzeugniss aus der älteren griechi-
schen Entwickelung herübergenommen . Dass sie nicht aus
speeifisch römischen Vorstellungen erwachsen ist, ergiebt sich
deutlich aus der Thatsache, dass die lateinische Sprache eines
besonderen Namens für die mit der Morgenröthe verbundene
Thaugöttin entbehrt. Mögen uns die Mittel fehlen, um die Er-
findungszeit dieser Gruppe näher zu bestimmen, immerhin werden
wir auch hier auf eine vor die Kaiserzeit fallende und acht grie-
chische Kunstthätigkeit hingewiesen.

XXVII. Die hellenistische Malerei auf italischem Boden.

Die Geschichte des Uebergangs der von der hellenistischen
Malerei erfundenen Compositionen nach Italien ist in tiefes Dunkel
gehüllt. Sie bildet ein Glied in der grossen culturhistorisclien
Entwickelung, durch welche die hellenistische Civilisation all-
mählig von den östlichen Ufern des Mittelmeeres nach Westen
verbreitet wurde. Mag der Verlauf dieses Processes im Grossen und
Ganzen, das stätige Vordringen des Hellenismus, und als schliess-
liches Resultat die Uebermacht desselben über die nationalen Ele-
mente , deutlich erkennbar sein, so ist doch im Besonderen hin-
sichtlich der Kunst unsere Kenntniss zu dürftig, um die einzelnen
Entwickelungsstadien darzulegen und chronologisch zu bestimmen.

Einigermaassen in Zusammenhang mit unserer Untersuchung
stehen nur zwei Zeugnisse der lateinischen Komödie. Eine Stelle
des Plautus 2) zeigt deutlich, dass die hellenistische Decorations-
weise , welche Tafelbilder, in der Frescomalerei nachgeahmt, zu
Mittelpunkten der Wanddecoration machte, zur Zeit dieses Dich-
ters, also in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts v. Chr.,
in Italien eingebürgert war. Dagegen sind die Steife, welche
Plautus als in dieser Decoration geläufig bezeichnet, der Kaub
des Ganymedes durch den Adler und die Entführung des Adoiiis
durch Venus, innerhalb der Wandmalerei der Kaiserzeit nicht

1) 0. Jahn a. a. 0. p. 291 ff.

2) Menaechmi I 2, 34 ff. Vgl. oben Seite 139.
loading ...