Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 26.1915

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XXVI. JAHRGANG.

DARMSTADT

FEBRUAR 1915.

DAS HOHENZOLLERN-KUNSTGEWERBEHAUS IN BERLIN

VON DR. MAX OSBORN

Das Haus der Kunst, von dem ich hier reden
will, kann in den Grenzen seines Interessen-
kreises als ein Spiegel der deutschen Kulturarbeit
zwischen den Kriegen von 1870 und 1914 betrachtet
werden. Ihre historische Entwicklung seit der
Reichsgründung und ihr gewaltiges Erreichen bis
zum Weltengewitter dieses Schicksalsjahres, lassen
sich, soweit es sich um die Riesenprovinz der
angewandten Künste handelt, gleichermaßen hier
ablesen. Ja, was wir hier erkennen und lernen
können, geht noch weiter. Denn nichts gibt dem
Wesen eines Volkes klareren und umfassenderen
Ausdruck als die Art, wie es an die Probleme
der Gestaltung seines äußeren Lebens herantritt.
Das »Hohenzollern-Kunstgewerbehaus« in
Berlin, das schon vor Jahren sein silbernes Jubi-
läum feiern konnte, entstand in der Zeit, als man
sich in Europa nach langer Pause zuerst wieder
auf den Begriff des Kunstgewerbes besonnen
hatte. Das nördliche Deutschland war dabei den
anderen Ländern um viele Pferdelängen nachge-
humpelt. Seitdem im Beginn der zweiten Hälfte
des neunzehnten Jahrhunderts die Weltausstel-
lungen in London und Paris gezeigt hatten, wie
schauderhaft es um das gesamte Kunsthandwerk

des Erdteils bestellt war, seitdem die systemati-
schen Bemühungen um eine Besserung dieses
unsagbaren Zustandes eingesetzt hatten und die
Kunstgewerbemuseen begründet waren, konnte
man im deutschen Sprachbereich bis um die Mitte
der siebziger Jahre positive Erfolge nur in Wien
feststellen. Nun erst sollte Berlin folgen. Natür-
lich auf dem Wege, der damals als der einzig
mögliche erschien: auf dem der Nachbildung histo-
rischer Muster und Formen. Als ein praktischer
Mittelpunkt dieser Bestrebungen ward das Ge-
schäft des Herrn Hermann Hirschwald Unter den
Linden eröffnet: das Interesse, das der Kronprinz
Friedrich Wilhelm und Kronprinzessin Viktoria,
die Tochter des für die kunstgewerbliche Reform
eifrig wirkenden Prinz-Gemahls von England,
seiner Gründung entgegenbrachten, ermöglichten
ihm, sein neues Unternehmen auf den Hohen-
zollernnamen zu taufen. Das Solideste und An-
genehmste, was an deutschen Erzeugnissen in
den verschiedenen geschichtlichen Stilen geboten
wurde, war hier zu finden. Ebenso natürlich aus-
ländische Waren jeder Art, unter denen, nicht
zuletzt unter dem Einfluß der Kronprinzessin, die
englischen Möbel immer größeren Raum ein-

ig», ii. i.
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