Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 26.1915

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XXVI. JAHRGANG.

DARMSTADT

APRIL 1915.

DEUTSCHES FÜHLEN - DEUTSCHES WOHNEN

ZUM SCHAFFEN VON PROFESSOR ADELBERT NIEMEYER

Wie der furchtbare Krieg auf allen Gebieten
eine Stärkung deutschen Bewußtseins im
Gefolge haben wird — so wird im deutschen
Haus künftig das Heimliche und Gemütliche in
deutscher Art erst recht zu Recht und Geltung
kommen. — Ob reich, ob bescheiden, Behag-
lichkeit und einheitliche Stimmung wird ge-
sucht werden im deutschen Wohnraum. Die deut-
sche Wohnkultur hat längst dies Ziel mit allen
künstlerischen Mitteln erstrebt — das deutsche
Heim hat vielleicht in all den letzten Jahren mehr
an Charakter gewonnen als z. B. die deutsche
Sprache in Öffentlichkeit und im Verkehrswesen.
Unsere deutschen Künstler haben wohl überall
im Besten vergangener Zeiten und benachbarter
Länder, gelernt — aber das war der besten
Künstler Wahlspruch: Los von französischem
Putz, los von aller Internationalität: Das beste
Mittelsich Deutsch zu fühlen ist: deutsch
zu wohnen! — Unter den Künstlern, die mit
großem Erfolg um neue deutsche Wohnungs-Kunst
sich verdient gemacht haben, darf Professor
Adelbert Niemeyer in München in erster Reihe
genannt werden. Und umso lieber weise ich auf
sein Werk, als er nicht zu denen gehört, die durch

die Zahl der Räume, sondern immer durch den
aufs letzte berechneten Zusammenklang aller
Mittel unserer Wohnungs-Kultur bleibende Erfolge
errungen haben. — Eine seiner besten Schöp-
fungen und die größte von allen stellt das Haus
Krawehl in Essen dar. Hier war Niemeyer
Gestalter aller Dinge: des Hauses, des Gartens,
der Räume, der Möbel, ja zum guten Teile der
Bilder, der Schmucksachen der Tafeln, der Tep-
piche, der Vorhänge, der Kisten, der Türschlösser
und des Schlüssels. — Ein Künstler, der dies alles
kann, der bei der Gestaltung des einen auch das
andere berücksichtigt, der ist auch Einer.
Dessen Werk genau und immer wieder anzu-
schauen, bleibt Gewinn für alle Schaffenden. . . .

Zunächst einiges nur zur Lage der Räume,
ihrem Licht, ihren Farben. — Die Räume des
Hauses sind nach Sonne und Licht gerichtet.
Alle Wohn- und Schlafzimmer liegen an des
Hauses Sonnenseiten. Niemeyers Räume lachen
und leuchten auch bei trüben Tagen von Licht,
Sonne, Farbe. Besonders in den Räumen des
Erdgeschosses wirken diese ewigen Mächte be-
stimmend. Aber nirgends ist die Farbenwirkung
aufdringlich. Denn was könnte mehr Stimmung

1915. IV. 1.
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