Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 26.1915

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INNEN-DEKORATION

Baukünstlern gelungen, eine gute Wirkung zu erzielen. ÜBER WACHSTUM UND LEBEN
Auch die Wände der Fluren sind zu Dreiviertelhöhe mit

Steinputz versehen; an keiner Stelle ist der Versuch I^in Organismus lebt nur dadurch, daß erwächst;
gemacht, den Eindruck von Werksteinen zu imitieren. und er wächst nur dadurch, daß er stetig innere
Sparsames Haushalten in der Anwendung des Materials Achsenverschiebungen erfährt; daß er von einer
war auch beim Fassadenaufbau die Richtschnur. Da der Mathematik erfüllt ist, die sich selbst untreu wird, die
Wunsch bestand, dem Bauwerk ein helles freundliches rhythmisch wird, die lebendigwird. Wenn eine Achse
Aussehen zu geben, wurde der Sockelaufbau und der sich verschiebt, so kreuzt sie sich selbst; so streitet sie
stark hervortretende Teil des Mittelrisalits, mit dem Por- mit sich selbst; daher ist kein Wachstum ohne
ticus in echtem Gestein ausgeführt; die übrigen großen feindliche Auseinandersetzung des betr. Organis-
Flächen wurden dagegen in Putz gehalten. Die Baumasse mus mit sich selbst zu denken. Um eine solche handelt
selbst wurde durch Pfeilerteilungen aufgelöst. Reichere es sich im heutigen deutschen Leben; um eine solche
Gestaltung weist nur Mittelrisalit und Porticus auf. handelt es sich in allem Völkerleben; der Gang der
Auch dem alten Verwaltungsgebäude gedenkt das Weltgeschichte bewegt sich nach einer kriegerischen
Werk später ein neues Kleid zu geben. Kleinere Bauten Marschmusik. Krieg und Kunst gehören zusammen
sind durch Umgestaltung bereits in Einklang mit dem — auch in der Unendlichkeit. Und dem Gesamtleben
neuen Verwaltungsbau und der Hüttenschenke am soll das Einzelleben parallel gehen; das ist der Weg des
Höschplatz gebracht. Durch gute Gruppierung der Ge- Helden durch die Welt: Parademarsch, im Kugelregen,
bäude hat das Werk nach dem Vorschlag ihrer Architek- bei klingendem Spiel! . . . Jede große Achsenverschie-
ten eine in städtebaulicher Hinsicht großzügige Platzan- bung im Dasein eines Volkes bedeutet demnach einen
läge geschaffen. Die Architektur dieser Bauten steht im Akt der Wiedergeburt; seine ganze Existenz wird
Einklang mit der des Verwaltungsgebäudes. Die Grund- so gewissermaßen unter einem neuen Einfallswinkel be-
sätze, die bei letzterem maßgebend waren, sind auch hier leuchtet; es ist dasselbe und nicht mehr dasselbe wie
gewahrt, nirgends Verschwendung, sondern Zweckmäßig- früher. Es ist neu geworden. . . »rembr. als Erzieher«
keit gepaart mit Schönheit in der Anwendung guten *

Baumaterials und in der Beherzigung des Gedankens, daß Einheit des Zweckes und Verschiedenheit der Mittel,

es die großen Linien sind, die entscheiden....... z. das ist das rechte Deutschtum, »rembrandtals Erzieher«

ARCHITEKTEN STEINBACH & LUTTER-DORTMUND. HÜTTENSCHENKE DES EISEN-U. STAHLWERKS HÖSCH A.-G. HAUPT ANSICHT
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