Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 26.1915

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XXVI. JAHRGANG.

DARMSTADT

AUGUST 1915.

ZWEI BAUTEN VON KARL ELKART IN BOCHUM

VON PAUL MEBES —BERLIN

Zu den bedeutsamsten Mittelpunkten künst-
lerischen Schaffens, von denen aus Kunst und
Handwerk in großem Umfange Anregung und
Unterstützung finden können, gehören die Bau-
ämter unserer Städte. Der Einfluß des Vorstehers
eines städtischen Bauamtes reicht weit über seinen
eigentlichen amtlichenWirkungskreis hinaus. Schon
die den meisten Bauämtern angegliederten Bau-
beratungsstellen geben dem Leiter des städtischen
Bauwesens Macht und Mittel in die Hand bis
in den engsten Winkel seiner Stadt beratend und
helfend einzudringen. Alle neuzeitigen Bestre-
bungen auf dem Gebiete von Baukunst und
Handwerk, wie sie am großzügigsten und hoff-
nungsvollsten im Deutschen Werkbund Ausdruck
finden, werden sich schnell und sicher entwickeln
können, wenn zur Oberleitung der Stadtbauämter
zielbewußte, selbständisch künstlerische Persön-
lichkeiten gewonnen werden. Selbstverständlich
soll der Stadtbaurat nicht den Ehrgeiz haben,
alles in seiner Stadt Neuentstehende selbst voll-
bringen zu wollen, sondern er soll durch sein
einflußreiches Amt allen künstlerischen Bestre-
bungen die Wege bahnen. Weiter muß er die
immer noch allgemein verbreitete Gleichgültigkeit

und Verständnislosigkeit des großen Publikums
für alles was Bauen heißt mit allen Mitteln zu
bekämpfen suchen. Ob in seiner Stadt ein Schul-
gebäude, ein Arbeiter-Wohnhaus, ein Zeitungs-
kiosk oder eine Fabrik errichtet wird, ob ein
Denkmal gesetzt oder ein Plakat aufgehängt wird,
für alles das muß er fördernd und ordnend ein-
greifen, damit endlich wieder der Geist des An-
standes, der Bildung und des guten Geschmacks
in diesen Dingen die Oberhand erhält.

Noch sind wir weit davon entfernt überall
derartige Persönlichkeiten an der Spitze unserer
städtischen Bauämter zu finden; im Gegenteil es
sieht hier noch recht trübe aus. Auf Jahrzehnte,
ja auf Jahrhunderte hinaus haben viele unserer
deutschen Städte unter den Folgen einer unglück-
lichen Herrschaft ihres obersten Baubeamten zu
leiden. Der Weg freier Ausdehnung und künst-
lerischen Aufstieges ist denselben auf lange Zeiten
versperrt. Deshalb muß es eine der vornehmsten
Aufgaben der städtischen Körperschaften sein,
den richtigen Mann als Leiter ihres Bauwesens
zu gewinnen. Wohl können sich einige Städte
jetzt schon glücklich schätzen, einen tüchtigen
Stadtbaumeister zu besitzen; ich erinnere nur an

1915. VW. 1.
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