Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 26.1915

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architekt paul huldschinsky-münchen

DEKORATIVE KLEINIGKEITEN. Während der
letzten Jahre ist soviel gesagt und geschrieben
worden über Raumkunst und besonders über Farben-
harmonie im Raum, daß wir beinahe den Blick verloren
haben für die wichtige Rolle, die im Schmuck des Heims
gewissen Einzelgegenstände, wie den Beleuchtungskör-
pern, Spiegeln, Bildern und kleineren Metallarbeiten zu-
kommt. Sie sind das Bindemittel, das die Einrichtung mit
dem Hause zusammenbringt. So erheblich ist ihre Be-
deutung, daß ein unpassender Leuchter die ganze sorg-
fältig erwogene Raumstimmung zerstören kann, während
das feingewählte Schmuckstück geeignet ist, der im übrigen
fertigen Einrichtung das unentbehrliche Siegel der Vollen-
dung und Harmonie aufzudrücken.

Entsprechend ihrer stets gleichbleibenden Bedeutung
für den Charakter des Hauses, sollte der Architekt und
Raumkünstler auch diese »Zutaten« als wichtige Archi-
tekturprobleme einschätzen und sie von Anfang an, beim
Entwurf des Hauses und der Räume, wie bei der Aus-
führung berücksichtigen. Dann würden alle unglücklichen
Leuchter und Kamine, Bilder und Spiegel, die man leider
so oft antrifft, vermieden werden. So aber bleibt alle Ar-
beit des Architekten ein Spiel mit dem Zufall. — Unter
diesen Zutaten kommt meistens den Beleuchtungskörpern
die Hauptrolle zu. Sie stehen im Mittelpunkt des häus-
lichen Lebens, dem muß auch ihre äußere Erscheinung Aus-

blick in die werkstatt des künstlers

druck geben, und die Raumstimmung muß auf ihnen auf-
gebaut sein. Sie haben den Möbeln die Wage zu halten.
Diese enge Zusammengehörigkeit der Zutaten zur Einrich-
tung ist unerläßlich für eine wirksame Raumkunst. Niemals
wird man ungestraft dieses Gesetz übertreten. Jeder Ver-
stoß hat unweigerlich einen Mißton im Gefolge. Der un-
harmonische Schmuckgegenstand bleibt ein Fremdkörper.

Bei den Beleuchtungsgegenständen ist auch zu be-
achten, daß sie nicht nur den Lichtbedürfnissen des häus-
lichen Lebens genügen, sie sollen auch so zu den Licht-
quellen des Tages liegen, daß die Beleuchtung der Räume
ungefähr unter dem gleichen Winkel erfolgt. Wieviele
Raumstimmungen sind durch übel angeordnete Beleuch-
tungskörper zerstört worden. Licht unter falschem Winkel
ist so schlimm, wie zu wenig oder zu viel Licht. Das gilt
besonders von den Wandarmen, die mit großer Vorsicht
verteilt werden müssen. Aus »Art and Decoration«.

*

\ \ Tenn höchste Bequemlichkeit und höchste Schönheit
* * in einem Gebrauchsgegenstand zusammenfallen, so
ist er kunstgewerblich vollendet. Zwang und Freiheit sind
die beiden Eltern der Geschwister: Kunst und Kunstge-
werbe; aber dieses muß mehr dem Vater, jene mehr der
Mutter ähnlich sehen. Sowie man den beiderseitigen Stand-
punkt vertauscht, wird die Kunst zur Manier und das
Kunstgewerbe zum bloßen Luxusgewerbe, rembr. als erz.
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