Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 26.1915

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SPEISEZIMMER MIT REICHDEKORATIVER TAPETE. ENTW.: R. A. SCHRÖDER. AUSF.: VEREIN. WERKST. FÜR KUNST IM HANDW.-BERLIN

DIE TAPETE IN IHRER ANWENDUNG

Blicken wir uns um in den Räumen, die unser tägliches
Leben umfassen, wie ist so manches anders und —
sagen wir es mit Genugtuung — besser geworden, als es
vor noch nicht allzu langer Zeit gang und gäbe war. Die
Lust, sich mit Schönem zu umgeben, hat auf allen Ge-
bieten zahlreiche Freunde und Fürsprecher gefunden. Der
mächtige Impuls hat dazu geführt, daß immer weitere
Kreise sich darauf besannen, daß »gut wohnen, gut leben«
heißt, und die von allen Seiten strömende Anregung, nicht
zuletzt durch gute Kunstzeitschriften und Ausstellungen,
hat reiche Früchte getragen. Wenn also alles das, was uns
täglich umgibt, unsere Möbel und Gardinen, Teppiche
und Beleuchtungskörper, der bildnerische wie der pla-
stische Schmuck der Wohnung, ja sogar die Kleidung
sich in neuer Gestaltung darbot, so mußte naturgemäß die
Tapete, die doch für die Wohnung ein außerordent-
lich wichtiger Faktor ist, ebenfalls in den Kreis der
Bewegung einbezogen werden. Wir erfreuen uns denn auch
heute sehr beachtenswerter Leistungen in deutschen
Tapeten, die durchaus dem modernen Geiste entsprechen
und in ihrer Wirkung ästhetisch befriedigen. Daß

darüber die Pflege der sog. klassischen Stile, die noch
zahlreiche Verehrer haben, nicht vernachlässigt wurde,
zeigt die stattliche Auswahl der einschlägigen Muster;
für große Repräsentationsräume sind sie einstweilen noch
schwer entbehrlich. Infolge der Mannigfaltigkeit der Ma-
terialien wie der angewandten Techniken liegt heute eine
so reiche Fülle der verschiedenartigsten Tapeten und dazu
gehöriger Dekorationen vor, daß man getrost behaupten
kann: für jede Art der Raumschmückung steht
das Passende zur Verfügung. Gewiß eine stolze
Errungenschaft, wenn man bedenkt, wie vielerlei ver-
schieden geartete Ansprüche hinsichtlich des Geschmackes
und der Preisstellung hier befriedigt werden sollen und
auch tatsächlich befriedigt werden. — Lenkt man noch
den Blick darauf, daß es auch der fortschreitenden Far-
benchemie in immer größerem Maße gelingt, die Licht-
beständigkeit der Tapeten zu erhöhen, so wird
dieser wesentliche Faktor geeignet sein, der Tapete
neue Freunde zu den alten zu gewinnen. — Das
Bespannen der Wände hat da Berechtigung, wo es sich
um bessere und kostbare Stoffe in Repräsentationsräumen
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