Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 26.1915

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ARCHITEKT FR. AUG. BREUHAUS —DÜSSELDORF ZIERGARTEN MIT PERGOLA UND BANK

ZUR HEBUNG DER BÜHNENKUNST

Man hört oft, die Kunst der Bühnenausstattung
wäre in unserer Zeit, dank der Zusammenarbeit
von modernen Malern und Technikern, auf einem früher
nie erreichten Höhepunkt angekommen. Wir sehen auch
unstreitig auf mancher Bühne berückend schöne Bilder,

dekorative Effekte von oft hinreißender Wirkung.....

Aber ist die Wirkung des Theaters tatsächlich tiefer,
nachhaltiger geworden? Oder bewahren nur die Augen
eine angenehme Erinnerung an die Bühnenbilder, die viel-
leicht allzusehr nur Bilder sind? Wir haben das Gefühl,
daß die Bühne zum Tummelplatz der Maler geworden ist,
die hier ihre farbigen Einfälle produzieren. Wir wollen
indeß nicht undankbar sein und zugeben, daß die Maler
hier als wirkliche Nothelfer aufgetreten sind. Das von
der modernen Kunst erzogene Auge empfand die
alten Bühnenbilder, auch bei größtem Prunk, recht oft
als kitschig, als malerisch schlecht. Am meisten fühlten
das natürlich die Maler selbst, und es war nur eine Frage
der Zeit, bis man sich in Reformeifer auf das Theater
stürzte. Die Maler sahen bald, daß sich mit den Mitteln
des Theaters famos moderne Bilder jeglichster Art schaffen
ließen. Man holte großzügige Linien heraus, formte aparte,
groteske, phantastische Gebilde, man schuf einfach-große
Flächen, man ließ die Farben aufleuchten unter Aus-
nützung aller Möglichkeiten der Dekorationstechnik. Man
ging vor wie im Schaufenster, wie im Plakat. Die

Bühne wurde in das weite Gebiet der „Angewandten
Kunst" einbezogen, sie wurde angewandte Malerei.
Früher mußte die Ausstattung möglichst historisch genau
oder natürlich sein, jetzt richtet sie sich am besten nach
einem berühmten Bild, nach einem bekannten Maler.
Die Resultate dieser stürmischen Reform waren zunächst
bestechend. Das moderne Bühnenbild (wie es aller-
dings erst einige Bühnen bis zur Vollendung ausge-
bildet haben) befriedigt auch das sensibelste Auge. Es
ist eine wahre Augenweide. Aber es fragt sich: Hat
das Theater wirklich damit soviel gewonnen? Ist der
Eindruck der Stücke, entsprechend der dichterischen
Absicht, stärker? Wenn es sich um reine Schaustücke
handelt, wo der Augenreiz alles andere überwiegt,
fragen wir nicht weiter. Aber schließlich ist das Drama
doch nicht in erster Linie zur Ergötzung der Augen da.
Es muß notleiden unter der malerischen Regie, der
dramatische Kern muß ersticken, und das ist auch
eingetreten. — Zweifellos regen die Künste sich gegen-
seitig an. Die Fortschritte moderner Malerei und De-
korationskunst hätten sicher auch für die Reform der
Bühne nutzbar werden können. Man ist aber dabei zu
kurzsichtig vorgegangen, hat das Schauspiel kurzerhand
zu einer reinen Dekorationsangelegenheit gemacht. . . .
Die wesentlichste Eigenschaft der modernen Malerei
ist die: Sie ist reine Malerei. Man hat sich auf die

1916. III. 3.
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