Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Offenbach — Darmstadt, 1885

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SELIGENSTADT

2 I I

Kulturbilder aus dem Leben, Treiben und dolce far niente der vornehmen Gesell-
schaft des Rococozeitalters. — Das Dach des Gebäudes ist im Mansardstvl gehalten.
Vier Thürmchen zierten seine Ecken und den krönenden Abschluss bildet ein Pavillon
mit einer formenreichen, schmiedeisernen Wetterfahne. (Vergl. Abb. Nr. 65.)

So hatte der baulustige Abt Franz II, in Uebereinstimmung mit zahlreichen
Fürsten und Herren jener, dem tonangebenden Hofe Ludwig's XIV folgenden Zeit,
die stolzen Schlossbauten von Versailles zum Vorbild einer kleineren Gebäudegruppe

genommen, worin der
Abteiprälatur dieRollc
des Herrenschlosses

p zukommt, die Villa

zu Klein-Krotzenbunr

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das grosse Trianon
s und die Wasserburg;

das kleine Trianon
vertritt. Ueberschaut
man aber den Ge-
sammtkomplex der
sakralen wie profanen
Abbatialarchitekturen
und die darin vor-
waltenden weitge-
trennten Entwicke-
lt lungsmomente des FiS- 65- Seligenstadt. Wasserburg:

a r ixt. 1 Schmiedeiserne Wetterfahne.

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"ö ^ ganges deutscher Kunst im Eicht der Geschichte

« und dem Zeitverhältniss nach, so sehen wir in

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§. £ diesem grossartigen Bilde die Stylwandelungen eines

| ganzen Jahrtausends sich berühren und ineinander-
fliessen: eine Erscheinung, welche die Einhardstif-
tung in Seligenstadt zu einer der ehrwürdigsten

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*o und kunstgeschichtlich bedeutungsvollsten Bau-

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Schöpfungen in Deutschland erhebt.

Der Abtei zunächst nimmt das Palatium Paiatiun
unter den Werken der öffentlichen Profanarchitek-
tur die grösste Beachtung in Anspruch. (Vergl. Abb.
Nr. 66.) Das Gebäude ist zwar in trümmerhaftem
Zustand auf die Nachwelt gekommen. Allein diese
Ueberreste sind ebenso ehrwürdig durch ihre Be-
deutung und ihr Alter, wie belehrend durch ihre
Formensprache und Technik. Sie gehören zudem
einer Gattung monumentaler Architekturen des Mit-
telalters an, die in keiner anderen Gegend Deutsch-
lands in gleich grosser Dichtigkeit vorkommen wie

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