Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 9.1898

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Buchh.-Vertreter: Eduard Schmidt, Leipzig.
Insertions-Bedingungen amSchluss derZeitschr.

IX. Jahrg. 1898. —« Leipzig Darmstadt ^ Wien. s~-

Februar-Heft.

Mehr Wahrheit uNp Persönlichkeit iN jepermaNNs Heim.

Von Ernst W. Bredt.

(Fortsetzung aus dem Januar-Heft.)

eim rohen Volke weiss sich dem der Mensch
instinktiv anzupassen, und die primitivsten
Hütten und Schlupfwinkel zeigen interessante
Beispiele eines gesunden Anpassungsvermö-
gens. Bei uns ist es Sache bedeutender
Geister, auf die innere Harmonie des Baues
mit der Landschaft hinzuweisen und Sache
des gesunden Menschenverstandes eines jeden,
nicht blindlings fremde Erscheinungen in Bau-
art und Wesen anderer Völker nachzuahmen. Das würde nichts
als eine Moden-volle schreckliche Zeit nach der anderen geben
und wie bisher die japanischen Vorbilder mehr Unheil als
Heil im Geschmacke des deutschen Hauses angestiftet haben,
liegt für diejenigen — die mit dem Stumpfsinn der Menge
rechnen — die Befürchtung nahe, dass mit Erwähnung eng-
lischer Vorbilder auch leicht eine lange Herrschaft eines jetzt
schon unlieb bemerkbaren »English style« heraufbeschworen
werden könnte. Man muss sich um so mehr hüten, einzelne
Vorzüge des englischen Hauses vor dem unsrigen zu nennen,
als der Kontrast beider Nationen ein lange nicht so starker
ist als der des japanischen Hauses und dem unsrigen, und
doch — wie Riehl bemerkt — schon das Fehlen eines wirk-
lichen freien Waldes in England schärfste Unterschiede
zwischen deutschem und englischem Volkstum vorzeichnet.
Nicht dort kommen die meisten Unglücksfälle vor, wo die
Nähe grosser Gefahr jedermann vor Augen tritt und ihn zur
Vorsicht ermahnen muss, sondern da, wo anscheinende Gefahr-

losigkeit zu unbedachtem Vorwärtsgehen verleitet. Als einen
der feinsten Kenner englischen Wohnens und englischer Art
möchte ich hier f R. Dohme nennen. Einige Urtheile aus
seiner trefflichen Monographie über »Das englische Haus«*)
verdienen deshalb hier Aufzeichnung, weil sie wohl dem
englischen Hause gelten, aber auf die Wesenseigenthümlich-
keiten der Engländer sich stützen. Was Dohme vor allen
Dingen rühmt ist die Vorliebe des einigermassen wohlhabenden
Städters, wenn irgend möglich, seine Familie ausserhalb des
Dunstkreises der Stadt wohnen zu lassen; um dort allabendlich
in stiller Zurückgezogenheit den Abend und die Nacht zu
verbringen, und er macht dankenswerther Weise darauf auf-
merksam , dass in Eondon der Zug aufs Land mit Zunahme
der Bevölkerung gewachsen sei. Trostlos — führt Dohme
aus — sei gewiss die Monotonie des äusseren Strassenbildes
englischer Städte zu nennen, aber das habe darin seinen
Grund, dass das Geländeterrain vom Grossgrundbesitzer —
und nur solche sind es in England — auf eine Reihe von
Jahren verpachtet wird und dann mit sammt den auf dem
Grundstücke errichteten Gebäuden ohne Entschädigung an
deren Erbauer zurückfällt. Deshalb sei der Massstab eng-
lischen Geschmacks das Landhaus wo »mit unverkennbarer
Absichtlichkeit das Aeussere der Ausdruck der inneren Raum-
gliederung wird«. »Der Engländer trennt die Stätten des
Arbeits- und Familienlebens und sieht den Werth des Wohn-
hauses mehr in seiner Zweckdienlichkeit als in seiner ästhe-

*) Braunschweig, G. Westermann.
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