Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 9.1898

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Buchh.-Vertreter: Eduard Schmidt, Leipzig.
Insertions-Bedingungen am Schlnss derZeitschr.

IX. Jahrg. 1898.

—3 Leipzig Darmstadt Wien. s~-

Oktober-Heft.

Moperne Restaurations-Räume.

III. Neuere Restaurationsbauten in München.

Von Georg Fuchs, München.

nsere Münchener Grossbräuer und Grosswirthe
haben in den letzten Jahren grossartige archi-
tektonische Anlagen ausführen lassen. Dieselben
verdanken ihre Entstehung im wesentlichen zwei
Ursachen. Zum ersten dem Bedürfnisse, der Auf-
gabe, grosse Menschenmengen, die es dürstet
und hungert, schnell und ohne Hemmung unter-
zubringen, zu bedienen und dann noch möglichst
lange recht gemüthlich beisammen zu halten;
zum andern der Reklame. Architektonisch
fällt diese letzte Aufgabe vorwiegend der Fassade zu. —
Seitdem München in Folge der politischen Ergebnisse des
ruhmreichen Kriegsjahres von 1870/71 in Norddeutschland
»Mode« geworden ist, hat der Zuzug von Fremden sich stetig
mehr und mehr gesteigert. Während der sommerlichen
Ferien- und Reise-Zeit nimmt er ganz kolossale Dimensionen
an. Aber auch in den übrigen Jahreszeiten verliert München
niemals ganz den Karakter der »Fremden-Stadt«. In Folge
der weltberühmten künstlerischen Darbietungen auf allen
Gebieten: alte und moderne bildende Kunst, Musik, Theater,
durch die Hochschulen und Kongresse, durch die ab- und
zuströmenden Hochgebirgs-Wanderer u. s. w. werden fort-
während nach Tausenden zählende Menschenmengen nach
München geführt und dort für kürzere oder längere Zeit
festgehalten. Denn das ist ja das merkwürdige: es geht

jeder gerne hin, aber das Fortgehen fällt schwer, und mancher
hat es schon im Schnellzuge mit den Thränen zu thun
bekommen, wenn die Frauenthürme in der Ferne im Dufte
verschwanden. Unsere Münchener Wirthe haben den Werth
dieses besonders anheimelnden Karakters der Stadt zu schätzen
gewusst. Sie durchschauten die Wirkung dieser etwas senti-
mentalen Vorliebe der Deutschen aller Gaue für das »Spezifisch-
Münchenerische«. Als sie mithin durch das Anschwellen
des Menschen-Zuflusses und durch die Unternehmungen der
Konkurrenz gezwungen wurden, die theils schon Jahrhunderte
alten Schänkstätten ihres hochgepriesenen Gerstensaftes zu
vergrössern, da legten sie Werth darauf, dass auch in den
der modernen Grossstadt entsprechenden Riesenverhältnissen
der anheimelnde Karakter, das »Spezifisch-Münchenerische«
nach aussen und innen gewahrt bliebe. Das war die Auf-
gabe, welche die führenden Münchener Architekten zu lösen
hatten und zum Theil auch glänzend gelöst haben.

So kam es, dass wir in München heute einen besonderen
Stil auf diesem Gebiete entwickelt sehen, der auch seine
Einwirkung auf das Kunstgewerbe nicht verfehlt hat. Indessen
man in Berlin und anderen Grossstädten den sogenannten
Bier-Palast konstruirte, d.h. ein Haus, welches nach aussen
Palast, nach innen Wirthschaft ist, das in seinen architekto-
nischen Formen seinen Zweck nicht unmittelbar zum Aus-
druck bringt und eigentlich nur durch den pompösen und
kostspieligen Eindruck die Anlockungen der Konkurrenten
überbieten soll, ist man in München vernünftiger gewesen
und hat so, durch das Festhalten an der heimathlichen
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