Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 9.1898

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August-Heft.

Illustr. kunstgewerbl. Zeitschrift für Innen-Dekoration.

Seite 127.

Zeitschriften für Kunst und Wissenschaften, Zeit, dass wir
auch die Stimme des ringenden Kunstgewerbes erhören,
Zeit, dass auch unsere ehrbaren Jungfrauen und Frauen zeigen,
dass sie nicht nur lesen, sondern auch zu handeln verstehen. In

ewiger Anbetung
unserer Dichter-
sterne thun wir
uns wenig zu
Gute und den
»Hohen« keine
Ehre an, denn
unser ist die Auf-
gabe, die Samen-
körner zu pflegen,
die sie in die
Furche der Zeit
gestreut haben.
Glauben wir so
fest an die Erfül-
lungjenerTräume
wie jene, die es
mit ihrem Herz-
blut geschrieben,
dann kann auch
der Glaube an die
Zukunft deutscher
Kunst und deut-
schen Kunstge-
werbes nimmer
wanken, sondern
das muntere
Wald - Bächlein
wird sich zum
Strome entfalten.
Und dass es dazu

den besten Anlauf genommen, das beweisen die in der Zeit-
schrift »Deutsche Kunst und Dekoration« (Verlag A. Koch) zur
Veröffentlichung gelangenden Werke der angewandten Kunst.

Abbildung Nr. 889. Salamander Asbest-Tapete
in modernem Karakter.

püllungen von Qlas und Porzellan für Möbel und
Instrumente. Wenn man die vor einiger Zeit vom Gewerb-
verein in Dresden veranstaltete Ausstellung durchwanderte,
so fand man in der Abtheilung der »Königlich Sächsischen
Porzellan-Manufaktur« in Meissen einige Platten, welche vor-
züglich schön gemalt waren und es war daher wohl begreif-
lich, dass die Firma Kaps in Dresden, welche dergleichen
als Füllungen zu ihren auf den Weltausstellungen in Australien
ausgestellten Pianinos benutzte, ganz berechtigtes Aufsehen
erregte, dies umsomehr, als solche mit einer Umrahmung von
Bronze sich von dem schwarz polirten Instrument prächtig
abhoben. Die Benutzung solcher Platten ist jetzt eine leichtere
als vor einiger Zeit, da sie viel grösser und vor allen Dingen
mit Hülfe verschiedener Vorrichtungen schwach und vor allen
Dingen gerade hergestellt werden können, während dieselben
früher mehr oder weniger dick und windschief waren, was
deren Benutzung, und wenn es dennoch geschah, deren Be-
festigung oft in bedeutendem Masse erschwerte. — Zu den
bevorstehenden Ausstellungen, welche wieder hier und da
in Aussicht genommen sind, namentlich aber zu der 1900 in
Paris stattfindenden Weltausstellung, sollte man auf diese
Art der Dekoration wieder Bedacht nehmen und nicht nur
Füllungen und Pilaster, sondern auch die Leuchter, Aufsätze,
Konsole und Säulen aus Porzellan mit Bronze montirt, bilden,
dies umsomehr als das königlich sächsische Porzellan allüberall
hoch geschätzt wird und derartig geschmückte Möbel und

Instrumente, sowie kleinere Kästen, Schatullen, Spiegel-
rahmen u. dgl. m. ein reiches und schönes Aussehen erhalten,
sich sehr wahrscheinlich auch gut einführen, viel nach-
bestellt und gekauft werden würden, weil sicher solche dem
Geschmack der farbenliebenden Australier, Amerikaner,
Spanier, Portugiesen und Italiener entsprechen dürften und
früher auch sehr viel von den in Frankreich (Paris) und
Deutschland (Dresden) wohnenden Russen gekauft und zur
Ausstattung ihrer Schlösser verwendet wurden. Nachgenannte
Firmen, welche gleichfalls wie die eingangs erwähnte nur
vorzügliches leisten, mögen hier noch gebührend erwähnt
und empfohlen werden, es sind dies: Donath, Bärschneider,
Berthold und Ackermann in Dresden.

Interessant sind auch die Erzeugnisse der Glas-Industrie,
welche nicht nur für chemische, sondern namentlich auch für
dekorative Zwecke jetzt vielfach benutzt werden. Die Erfin-
dungen, die auf diesem Gebiete in den letzten Jahren gemacht
wurden, sind so grossartige und viele, dass deren Aufzählung
an dieser Stelle zur Unmöglichkeit gehört. — Doch eine sei
der Neuheit und des Interesses wegen für die Möbel- und
auch Instrumenten-, beziehentlich Pianinos-Fabrikation erwähnt.
Es sind dies die Dampf-Glasschleifereien, Sandblas- und Kunst-

Abbildg. 890. Salamander Asbest-Tapete im Karakter der venetianischen Gothik.

Glas-Gravier-Anstalten, so z. B. F. G. Hausler, Schreiber und
Hoyer, Gebrüder Rudolph, R. Hänsel in Dresden, K. Schramm
in Riesa und A. Franz in Neugersdorf, welche ausser zoll-
starken Grabplatten, Marmorwandplatten usw. auch »Füllungen
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