Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 9.1898

Page: 174
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Seite 174.

Illustr. kunstgewerbl. Zeitschrift für Innen-Dekoration.

November-Heft.

Abbildung Nummer 945. Büffet.
Nach Angaben des Besitzers ausgeführt von Albert Koblinsky, Breslau.

Abschluss der Strassendekoration darstellte. Der Deutschhaus-
platz war zu einem Palastgarten des Grossherzoglichen Palais
umgewandelt worden, der durch Baldachine geschmückte
Eingänge zeigte und dessen Inneres durch die Stadtgärtnerei
prächtig dekorirt war. Von hier kam der kaiserliche Zug
durch die in eine Via triumphalis verwandelte grosse Bleiche
und Neubrunnenstrasse in die Kaiserstrasse, welche sich durch
prächtige Teppichdekorationen und Eichenguirlanden in vor-
nehmem Schmuck repräsentirte. Insbesondere gewährten hier
die stets mit grossem Geschick gepflegten Gartenanlagen die
schönste Ausschmückung und treffliche Abrundung.

Auch die Bahnhofstrasse und der Bahnhofplatz hatten
reichen und würdigen Flaggenschmuck angelegt.

Die Rückkehr des Kaisers erfolgte durch das Rheinthor
über die Rheinallee und Kaiserstrasse, woselbst insbesondere
auf dem Bauplatz der Christuskirche ein mächtiger Kreuz-
aufbau von schöner Wirkung war. Der Weg führte ferner
durch die prächtig geschmückte Schillerstrasse, die mit Guir-
landen überspannt einem üppigen Rankendach glich.

Die Ludwigsstrasse war vielseitig abwechslungsreich und
geschmackvoll geziert. Von hervorragender Wirkung erhoben
sich die den Gutenbergsplatz abschliessenden, von dem Archi-
tekten Herrn Cl. Rühl im romanischen Stil entworfenen
Triumphbogen. Hier, wo dem Kaiser die Huldigung der
Bevölkerung dargebracht wurde, war eine mächtige Estrade
errichtet, an deren Fuss dem Kaiser durch den Oberbürger-
meister der Ehrentrunk der Stadt Mainz kredenzt ward. Höf chen,
Markt, Liebfrauenplatz, Fischthor und Rheinstrasse wetteiferten
ebenfalls mit den anderen Strassen um den günstigsten Ein-
druck hervorzurufen. Eigenartig wirkte der Schmuck des
Domes, an dessen Hauptthurm eine Wimpelkette über das Lang-
schiff zu den Thürmen des Ost- und Westchors reichend, ange-
bracht war. Alles in Allem muss die gesammte Ausschmückung
der Stadt als wohlgelungen bezeichnet werden. g.

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unp Kunstgewerbe-Ausstellung.

Zimmer - Ausstattung.

In der That ist diese Ausstellung sehr wohl geeignet, im
gebildeten Publikum das Gefühl für die neue deutsche
Kunst des Wohnens zu wecken. Dazu trägt namentlich der
Umstand bei, dass, mit Ausnahme der überhaupt für sich zu
betrachtenden »Galle-Serie«, fast durchweg solche Erzeugnisse
verwandt und vorgeführt sind, deren Anschaffung auch dem
mässig Bemittelten möglich ist. So kostet die entzückende
Einrichtung des »Blauen Zimmers« (links neben dem
Hauptsaale) von Wilhelm Michael in München nur ca.
1750 Mk. Sie umfasst einen Ausziehtisch, vier Stühle, ein
Sopha, zwei gepolsterte Bänke, einen Bücherschrank mit
Schreibschieber, zwei hohe Schränke, einen Eckschrank mit
Spiegel und verschiedene kleinere Möbel, ausgeführt in
struktivem Gerüste in rothgebeizter Eiche, in den Füllungen
in grüngebeizter Steineiche. Sie stellen sogenannte »Ver-
wandlungs-Möbel« dar nach einem von Alexander Koch
angegebenen System, welches denjenigen gebildeten Kreisen,
die auf Miethwohnungen angewiesen sind, gleichwohl aber auf
originelle, behagliche und künstlerische Innen-Räume nicht
verzichten wollen, ermöglichen soll, nach verschiedenen Grund-
rissen, bedingt durch Grösse und Lage der Fenster, Thüren etc.,
hübsche Piauder-Winkel und lauschige Ecken unmittelbar
durch die Stellung der Möbel zu bilden. Die Konstruktion

Abbildung Nummer 946. Schreibtisch.

Nach Angaben des Besitzers ausgeführt von Albert Koblinsky, Breslau.
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