Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 6.1895

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Die Ausstellung alter Bilder in Utrecht.

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welches die beiden jungen Herren de Wildt mit i
ihren Hunden auf der Jagd in baumreicher Land-
schaft darstellt (Nr. 284, Mollerus). Die Figuren
haben etwa ein Drittel Lebensgröße, die Köpfe sind
trefflich gezeichnet, wie auch die Hunde. Die Land-
schaft ist von außerordentlicher Schönheit. Das
Werk war schon 1867 in Amsterdam ausgestellt.
Was damals darüber gesagt worden ist, weiß ich
nicht. Die Signatur J. Le Ducq. Pinxit trägt schon
ihrem Duktus nach den Stempel der Unechtheit.
Die Jahreszahl 1656, welche der Katalog nicht er-
wähnt, ist echt und steht über dem Namen links
oben. Schon aus dieser gegenseitigen Stellung er-
giebt sich, dass die Signaturen aus verschiedenen
Zeiten herrühren. Für die Ursprünglich keit spricht
allerdings die Provenienz des Bildes aus der Samm-
lung de Wildt. Vielleicht rührt es von der Hand
dreier Künstler her. Ich kenne eine derartige ge-
meinsame Arbeit mit drei vollen Namensbezeich-
nungen (früher in der Sammlung des Landrats Jach-
mann, Berlin). Dann wären die Hunde von Le Ducq,
die Landschaft, wie ich glaube, von J. Moucheron,
und die Figuren von einem durch Ter Borch beein-
flussten Meister, der noch zu nennen bleibt. — Von
den unbekannten Bildern der deutschen Schule er-
wähne ich nur die Bekehrung Konstantins (Nr. 289,
Neuwied), ein treffliches Werk, das doch wohl auf
Regensburg oder Ingolstadt (M. Feselen?) weist. —
Der Jan Fijt, totes Wild (Nr. 299, Mesdag, Haag),
gehört zu den mehrfachen, ihm fälschlich überwie-
senen Arbeiten des P. Boel. Man vergleiche beispiels-
weise Nr. 25 im Museum Boymans. "Übrigens zeigt
das Bild die Reste einer Signatur, von der ich . . .
L. FEC (links von der Haken Ohrenspitze des Hasen)
zu lesen glaube. Ein kapitales Bildnis von Aert
de Gelder, dem Rembrandtschüler, der aus eigenen
Mitteln am meisten einzusetzen hatte (Hardenbroek,
Haag, No. 300), hat leider nicht den verdienten
Platz gefunden. — Wundervoller Jan Hackaert aus
Bredius' Besitz (Nr. 302). — Ein Selbstbildnis des
Adriaan Hanneman (Nr. 306, Vereeniging Rembrandt,
Amsterdam). Mir war das Werk neu und hat mich
geradezu gepackt. Wie sehr habe ich diesen Künst-
ler unterschätzt! Auch das zweite Bildnis von
seiner Hand mit dem englischen Typus fesselt
ungemein. — Das weibliche Bildnis von v. d. Heist
(Huydecoper, Zeist, Nr. 311) zählt nicht zu den sym-
pathischen Arbeiten des ungleichen Meisters, auch
der dazu gehörende Ehegatte ist eine schwächere
Arbeit. — Gegenüber den 54 unbekannten Bildern der
holländischen Schule muss ich mich kurz fassen.

Das Beste darunter, wie überhaupt zu den Perlen
der Ausstellung zählend, sind die Bildnisse des Joost
van der Burch und seiner Ehegattin vom Jahre
1552 (Nr. 319 und 320, W. Thewall van Wicken-
burgh, Utrecht). Diese Meisterstücke stellen sich
etwa zwischen Scorel und Moro. — Die Kreuzigung
Christi vom Anfang des 16. Jahrhunderts (Nr. 313,
Bogaerde van Moergestel, Heeswyk) streift sehr nahe
an den jetzt Geertje v. Harlem genannten Meister
mit den rotverweinten Augen im Kölner Museum.

— Das Bildnis des Johan van Huchtenbroek (Harden-
broeck, Haag) halte ich nach Analogie des Studienkopfes
aus Nordkirchen (Esterhazy), der 1886 in Düssel-
dorf ausgestellt war, für eine frühe Arbeit des M.
Miereveit. — Auf das Bildnis des Hendrik van der
Veere (Nr. 318, Hoynck van Papendrecht, Rotter-
dam) komme ich an anderer Stelle zurück. — Nie.
Maes ist durch zwei interessante Werke gut ver-
treten, ein Männerporträt der späteren Zeit (Nr. 379)

— die Jahreszahl 1667, welche das Gegenstück in
Neuwied aufweisen soll, scheint mir für dieses Bild
zu früh — und den „ungezogenen Trommelschläger"
aus dem Besitz der Großherzogin von Sachsen-
Weimar (Nr. 380), der den Meister in der Stärke
seiner Eigenart zeigt. Das ihm zugeschriebene
Männerporträt (Nr. 381, Crommelin, Utrecht) ist
zwar ein gutes Bild, aber für Maes doch zu ängst-
lich, namentlich in der Behandlung der Haare. Von
Jan Miense Molenaer erwähne ich als gutes Über-
gangsbild von der früheren zur späteren Weise eine
Gesellschaft musizirender Bauern (Nr. 389, Dumbar,
Haag). Je mehr Bilder dieser Art ich zu sehen
bekomme, desto unbedingter wächst meine Achtung
vor dem vielumstrittenen Bilde in Mülheim a. Rh.
in der Sammlung Niesewand. Molenaer blieb immer
iin Halbdunkel und stumpf, machte grobe Zeichen-
fehler und ist auch in seinen besten Arbeiten un-
gleich. Das Niesewand'sche Bild bleibt vorerst noch
ein Rätsel, denn an die Zuverlässigkeit der schwind-
süchtigen Signatur glaube auch ich nicht, es ist aber
ein Werk von hohem Range.

Ein kapitales Kinderporträt von Anthonie Pala-
medesz (Nr. 411, Mollerus, Arnhem) gehört zu den
besten Bildern der Ausstellung. — Das bereits 1890
im Haag ausgestellte Frauenporträt von Rembrandt
(1639, Weede van Dijkveld, Utrecht) leidet keinen
Zweifel an seiner Echtheit, aber es zeigt die indi-
viduelle Stärke des Meisters nur in geringem Maße
und nimmt in seinem Werke — bei allem Verdienst

— keinen hohen Rang ein. — Eine dem Renesse
wohl ohne Grund zugeschriebene lesende Frau (Nr.
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