Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine.

HERAUSGEBER:

CARL von LÜTZOW und Dr. A. ROSENBERG

WIEN BERLIN SW.

Heugasse 58. Yorkstraße 20.

Verlag von E. A. SEEMANN in LEIPZIG, Gartenstr. 15. Berlin: W H. KÜHL, Jägerstr. 73.
Neue Folge. VIII. Jahrgang. 1890/97. Nr. 1. 15. Oktober.

Die Kunstchronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden,
leisten Redaktion und Verlagshandlung keine Gewähr. Inserate, ä 30 Pf. die dreispaltige Petitzeile, nehmen außer der Verlagshandlung
die Annoncenexpeditionen von Haasenstein & Vogler, llud. Mosse u. s. w. an.

aus den wiener galerien.

MIT ABBILDUNGEN.

Der unermüdliche Theodor v. Frimmel, einer der
genauesten Detailkenner des europäischen Bilderschatzes,
namentlich der nordischen Schulen, wendet in neuester Zeit
sein Auge den Wiener Sammlungen alter Gemälde zu, die
bekanntlich noch in vielen Punkten der kritischen Bear-
beitung nach modernen Grundsätzen harren. Einem 1895
erschienenen und von uns früher angezeigten Hefte über
die Niederländer in der Galerie des Hofmuseums, welches
vielerlei Anregung und Aufklärung bot, sind in letzter
Zeit wieder drei kleine Arbeiten des fleißigen Autors ge-
folgt, deren Stoff nahezu ausschließlich dem Kunstbesitz der
österreichischen Kaiserstadt entnommen ist.') Die erste
behandelt eine der ältesten aristokratischen Gemälde-
sammlungen Wiens, die weltbekannte Galerie Schön-
born, einen der Hauptbestandteile des reichen Schön-
born'schen Bilderbestandes, welcher teils auf den Schlös-
sern v der reichsgräflichen Familie in Bayern, teils in
Österreich sich befindet und trotz wiederholter, be-
trächtlicher Veräußerungen immer noch ein sehr kost-
bares Besitztum bildet.

Die Wiener Sammlung war im 18. Jahrhundert
im Gräfl. Schönborn'schen Gartenpalast in der Alser-
vorstadt aufgestellt, wurde aber bald nach 1800 in das
Palais an der Eenngasse (den sogenannten Schleglhof)
übertragen, in welchem sie noch heute bewahrt wird.

1) Kleine Galeriestudien von Dr. Theodor von Frivnmel.
Neue Folge. III. Lief. Die Gräfl. Schönborn-Buchheim'sche
Gemäldesammlung in Wien. Mit 2 Vollbildern und 6 Ab-
bildungen im Text. — IV. Lief. Gemälde in der Sammlung
Albert Figdor in Wien. Mit IG Textbildern und 1 Faksi-
mile. Leipzig, G. H. Meyer. 1890. 8. — Gemalte Galerien.
Von Dr. Th. von Frimmel. Zweite umgearbeitete Auflage.
Berlin, G. Siemens. 1S9C. 8.

Die meisten und wichtigsten Bilder hängen in den drei
Salons gegen die llenngasse hin, welche dem Publikum
zugänglich sind. Dazu kommen eine Anzahl von Ge-
mälden in den Privatgemächern. Im ganzen sind es
etwa anderthalbhundert Stücke, welche von Frimmel mehr
oder weniger eingehend behandelt werden. Waagen,
der wichtigste Vorläufer Frimmel's, sah im Palais
Schönborn nur „etwa hundert Bilder", von denen er
etwas mehr als die Hälfte genauer würdigte (Die vor-
nehmsten Kunstdenkmäler in Wien, I, 1866, 309 ff.).

Die Musterung durch Waagen fiel kurz vor die
Zeit, in welcher die Galerie Schönborn ihre größte Ein-
buße erlitt, durch den Verkauf von ungefähr einem
Dutzend auserlesener Bilder an B. Suermondt. Da
Frimmel von diesem Ereignis nur flüchtig Notiz nimmt,
sei hier einiges Detail darüber mitgeteilt. Der Ver-
kauf erfolgte 1866, bald nach der Veräußerung des
großen, dem Rembrandt zugeschriebenen Bildes: „Lasset
die Kleinen zu mir kommen", und umfasste folgende
Bilder: D. Teniers d. J., Kinnes, Adr. van de Velde, Fluss-
landschaft mit Pferden und Schafen, W. van de Velde, Fre-
gatten auf leicht bewegter See, Phil. Wouwerman, Auf-
bruch zur Jagd, A. van der Neer, Mondscheinlandschaft,
Jan van Huysum, zwei Bilder mit Blumensträußen,
A. Cuyp, Flusslandschaft, Jan Sleen, Lockere Gesell-
schaft, H. Holbein d. j., Bildnis eines jungen Mannes.
Des letzteren gedenkt Frimmel an verschiedenen Stellen
seiner Schrift und erklärt es, im Gegensatze zu der
früheren Bestimmung (von Dielitz) als das Porträt
eines Mitgliedes der kölnischen Familie von Wedigh,
ebenso wie das in der Galerie Schönborn zurückgeblie-
bene Gegenstück. Sämtliche oben genannten Bilder
sind 1874 mit der Sammlung Suermondt in die Berliner
Galerie gekommen und in den betreffenden neueren Ka-
; talogen derselben verzeichnet. Auch die dem Ant. van
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