Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine,

HERAUSGEBER:

t CARL von LÜTZOW und Dr. A. ROSENBERG

WIEN BERLIN SW.

Heugasse 58. Yorkstraße 20.

Verlag von SEEMANN & Co. in LEIPZIG, Gartenstr. 17. Berlin: W. H. KÜHL, Jägerstr. 73.

Neue Folge. VHL Jahrgang. 1896/97. Nr. 23. 29. April.

Die Kimstchronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" erhalten die Kunstehronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden,
leisten Redaktion und Verlagshandlung keine Gewähr. Inserate, ä 30 Pf- für die dreispaltige Petitzeile, nehmen außer der Verlagshandlung
die Annoncenexpeditionen von Haasenstein & Vogler, Rud. Mosse u. s. w. an.

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NACHRUF.

Am 22. dieses Monats ist der Herausgeber der „Zeitschrift für bildende Kunst",
mein lieber, alter Freund

Carl von Lützow

von einem jähen Tode hingerafft worden. Seit dem Jahre 1865, wo wir unsere Zeitschrift
geplant und ins Leben gerufen haben, war ich mit ihm in ungetrübter Freundschaft zu
gemeinsamer Thätigkeit verbunden. Fast die ganze Generation der Kunstgelehrten, die
uns damals die Hand reichten, um den Kunstbestrebungen der Gegenwart und der kunst-
geschichtlielien Forschung ein würdiges Organ zu schaffen, ist vor ihm dem Leben ent-
rissen worden. Seine gesunde Natur, die körperliche und geistige Frische, die den Vier-
undseehzigjährigen um zehn Jahre jünger inachte, Heß dagegen eine ungeschwächte Wirk-
samkeit noch auf Jahre hinaus erhoffen. Die Hoffnung war leider ein Trugbild.

Schwer wiegt der Verlust, der mich persönlich betroffen, schwerer vielleicht,
was die „Zeitschrift" an ihm verlor; denn nicht leicht ist der Ersatz eines vornehm ge-
sinnten Mannes, der mit praktischem Sinn seines Amtes wartend im Streit der Meinungen
die volle Gelassenheit bewahrt und freimütig genug ist, um auch Andersgläubigen das
Wort zu gönnen.

Über Wesen und Wirken des Heimgegangenen, über seinen äußeren Lebensgang
wird an anderer Stelle von befreundeter Hand berichtet werden. Mir erübrigt nur, dem
liebenswürdigen, allzeit offenherzigen Freunde für seine treue Sorge und Arbeit an unserem
gemeinsamen Werke den Dank in die Ewigkeit nachzurufen.

Leipzig, den 24. April 1897.

Ernst Seemann.
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