Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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Bücherschau. 472

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von Jordaens mit 2, Eol. Savery mit 2 Schilling taxirt
worden.

Der Ovens'sehe Nachlass, also auch die Gemälde,
sind unter die fünf Kinder gleichmäßig' verteilt worden.
Von den Nachkommen lebt, soweit bekannt, nur noch
eine Frau Ovens mit ihren Kindern in Schleswig-Holstein,
in deren Besitze sich zwei Gemälde von Jürgen Ovens
befinden.

BÜCHERSCHAU.

G. Schneeli. Renaissance in der Schweix. München, 189G,
F. Bruckmann. 8°. (107 8., 84 illustr. Preis M. 10.)
Schneeli bezeichnet seine Arbeit als eine Studie über
das Eindringen der Renaissance in die Kunst diesseits der
Alpen. In der That erweitert sich seine Untersuchung über
das Kindringen der Renaissance in die Schweiz naturgemäß
zu einer Studie über die Entwicklung der Renaissance nörd-
lich der Alpen, speciell in Deutschland. Andererseits will er
aber keine abschließende „Geschichte der schweizer Renais-
sance" geben, sondern beschränkt sich darauf, die Ursachen
ihrer Entstehung darzulegen. Soweit das auf so beschränk-
tem Räume möglich, hat er diese Aufgabe auch ganz ge-
schickt gelöst, wenn auch nicht erschöpft. Nachdem er die
Bedingungen für Annahme eines neuen Stiles, wie überhaupt
für intensiveren Kunstbetrieb in der Schweiz erörtert, Refor-
mation und Humanismus in ihrer Stellung zur bildenden
Kunst eharakterisirt, weist er auf das Bürgertum als den
Träger der Kunst im Beginn des 16. Jahrhunderts hin. Ge-
legenheit zur Entwicklung des Renaissancestiles bietet sich
in der Schweiz nur in beschränktem Maße. Zuweilen bei
öffentlichen Gebäuden (Rathäusern), mehr noch bei der Aus-
malung von Häuserfassaden. Vor allem aber in der Buch-
illustration und nach dem Rückgange derselben in der Glas-
malerei. Mit Recht betont er, dass der Buchdruck eigentlich
dem neuen Stil die weiteste Verbreitung gesichert und we-
sentlich geholfen hat, ihn in Mode zu bringen. Abgesehen
von einigen vereinzelten Vorläufern sehen wir die neue De-
korationsweise in der Schweiz erst seit etwa 1512 sich ein-
bürgern und bis etwa 1530 sich in demselben Sinne fortent-
wickeln. Neben Urs Graf und Nikiaus Manuel ist es natürlich
Holbein, der maßgebend wird, und dessen überragende Größe
in dem Empfangen und selbständig Durchbilden des neuen
Stiles gebührend hervorgehoben wird. Im folgenden Teile
werden die Gründe dargelegt, welche zur Zeit der Einführung
italienischer Renaissance in Deutschland eine Stilwandlung
bedingten. Die Emanzipation des Dekorationsstiles von der
kirchlichen Baukunst und dem geometrischen Ornament, das
gesteigerte dekorative Bedürfnis und der Mangel eines wirk-
lich entwicklungsfähigen Foimenschatzes. Das waren die
Gründe, welche den italienischen Renaissanceformen das Vor-
dringen sicherten und zum Siege verhalfen. Im dritten Teile
wird das Aufkommen der einzelnen Dekorationsmotive sowie
der Detailformen (Träger und Stützen, Gebälk und Bogen etc.)
verfolgt. Geschickt, wie die Disposition des Stoffes, ist auch
seine Behandlung. Schneeli versteht es, über die Einzelfor-
schung hinaus zu großen prinzipiellen Fragen zu gelangen,
und diese in der Hauptsache mit Beibringung exakten Ma-
terials, nicht nur mit allgemeinen Reden, zu lösen. Erfreu-
lich ist auch die Form der Darstellung, die flüssig wenn
auch nicht immer völlig prägnant ist. Die Ausstattung des
Buches ist sehr gefällig, die Illustration so ausgiebig und so
instruktiv, dass das Buch auch als Motivensammlung neben
seiner geschichtlichen Bedeutung Beachtung vei dient. M. Süll.

English Illustration. „The Sixties': 1855—1870. By
Oleeson White. Westminster. Archibald Constable & Co.
2 Whitehall Gardens, SW. 1896.

Der Zweck dieses Werkes ist, einen Überblick über die
wichtigsten, in den Jahren 1855 bis 1870 publizirten eng-
lischen Illustrationen zu bieten. Er umfasst die Periode,
welche die Präraphaelitische Schule entstehen sah und die
bald darauf folgende realistische Bewegung. Das Buch
beansprucht weder ausführliche Künstlermonographieen noch
einen historischen „Catalogue raisonne" zu bieten, sondern
möchte das zugängliche Material in übersichtlicher Darstellung
zusammenfassen, um als eine Art Führer durch die verstreuten
Teile des Ganzen zu dienen, ohne auf Vollständigkeit irgend-
wie Anspruch zu erheben. Die auserwählten Beispiele (etwa
einhundertzwanzig Nummern) sollen typisch und repräsentativ
sein für die Richtung, die die englische Illustration in ihren
hervorragenderen Vertretern während des erwähnten
15jährigen Zeitraums eingeschlagen hat. Es umfasst die
Namen: H. H. Armstead R.A., Sir Edward Burne - Jones,
Ford Madox Brown, Birket Foster, Paul Gray, A. Boyd
Houghton, Arthur Hughes, Charles Keene, M. J. Lawless,
Lord Leighton P.R.A., George du Maurier (den Verfasser
von „Trilby"), Sir John Everett Millais P.R.A., T. Morton,
J. W. North R.A., G. J. Pinwell, E. J. PoynterR.A., Dante
Gabriel Rossetti, William Small, Fiederick Saudys, James
Mc. Neill Whistler, J. D. Watson, Frederick Walker, T. Dalziel,
Walter Crane und einige andere, welche nicht so bekannt
geworden wie diese, aber es wohl ebenso verdient hätten.
In seiner Einleitung meint der Verfasser: Die Auswahl sei
hier bei dem aufgehäuften Material eine äußerst heikle und
schwierige gewesen. Wir glauben das gerne. Persönliche
Liebhabereien oder Abneigungen schleichen sich unbewusst
ein, und Mr. Gleeson ist aufrichtig genug, es auch in seinem
Falle unumwunden einzugestehen. Auch hat ihn eine zarte
Rücksicht auf das englische Publikum, soweit es nicht den
künstlerischen Kreisen angehört, veranlasst, einige für absolut
,,old-fashionod" gehaltene Dinge, wie z. B. Darstellungen aus
den „frühen Sechzigern", mit dem „hohen Turban" und
ähnlichen komischen Kopfbedeckungen, von der Wiedergabe
auszuschließen. Wir können ihm nicht unbedingt beistimmen,
wenigstens vom historischen Standpunkte nicht. In nichts
zeigt sich der ganze sociale Charakter einer Zeit besser als
in den „Kleidern, die die Menschen machen", seien sie nun
farbig oder faiblos, nüchtern oder phantastisch, praktisch
oder unpraktisch. Für uns Kontinentale, die wir auf die
Vorurteile des englischen Publikums, denen sich Mr. Gleeson
unterwerfen zu müssen glaubte, keine Rücksicht zu nehmen
brauchen, muss diese omissio als ein Mangel an Vollständigkeit
empfunden werden, auch in dem reservirten Sinne, wie sie
hier gemeint ist. — Das Verzeichnis des Buches ist von
Mr. Temple Scott in übersichtlicher Weise angeordnet und wird
für manche Interessenten von großem Vorteil sein. Von den
einzelnen Nummern können hier nur ganz wenige heraus-
gegriffen werden, wobei wir, wie auch der Verfasser es thut,
noch den Leser besonders darauf aufmerksam machen müssen,
dass bei den vielen Holzschnitten der intime künstlerische
Reiz der Originalzoichnungen durch die unbeholfene Repro-
duktion (zum Teil in Wochen- oder Tagesjournalen) oft bis zur
Unkenntlichkeit verschleiert ist. Zu den besten gehören die
Sachen von Dahiel (namentlich die Bibelausgabe, mit einem
sehr künstlerischen Blatt „Die Zerstörung von Sodom").
Frederick Saudys ist ein Zeichner ersten Ranges, der sich
stark an Dürer anlehnt (Jakob hört die Stimme des Herrn,
und eine Allegorie der „Zeit", die an Meister Albrechts
„Melancholia" erinneit), aber er beherrscht natürlich auch
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