Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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Bücherschau. — Nekrologe.

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Max Klinger, Carl Gehrts, G. Stürm, Fr. Widnmann,
F. A. v. Kaulbach u. a. Die Ausstattung ist ganz vor-
züglich. M. SCH.

BÜCHERSCHAU.

Doris Sehnittger, Der Dom zu Schleswig. Geschichte
und Beschreibung. Schleswig, Verlag von Jul. Bergas,
kl 8°. 91 S. Mit Illustrationen.

Es ist nur ein kleines Heft, aber es steckt eine
Fülle des Interessanten darin; es ist eine mit warmer
Begeisterung, reichem Wissen und besonnener Kritik
geschriebene Monographie, die es verdient, auch den
Kunstfreunden bekannt zu werden, denen es geht wie
Goethe: denen die Reise nach Schleswig etwas gar zu
weit ist, um sich mit eigenen Augen an dem Dom und
an seinen Schätzen zu erbauen. Die anderen, die den
Brüggemann'schen Altarschrein, die Wandbilder des
Kreuzgangs, das wundervolle eiserne Chorgitter, das
reiche Chorgestühl, die holzgeschnitzte Kanzel, die zahl-
reichen fürstlichen Grabgewölbe, die Epitaphien und
Gemälde an Ort und Stelle bewundert haben, die werden
sich doppelt freuen, in lebendiger Darstellung auf knappem
Kaum alles das wieder zu finden, was sie dort entzückt
hat. Die kurze „Geschichte und Beschreibung" könnte
vorbildlich werden für eine Litteratur von „Führern"
durch die interessantesten und reichsten unserer Kirchen-
bauten. Wer Gelegenheit hat, die Unbehilflichkeit kunst-
liebender Touristen bei der Betrachtung von Kirchen zu
beobachten oder gar die „erklärende" Beredsamkeit von
Kirchendienern anzuhören, der weiß die Bedeutung einer
knappen, übersichtlichen, historisch sicher fundirten und
dabei lesbaren Beschreibung zu würdigen. Und alle
diese Vorzüge vereinigt das kleine Werkchen von Doris
Schnittger.

Nach einigen kurzen Notizen über die älteste Ge-
schichte der Stadt Schleswig, die schon 804 erwähnt
wird, und über die Machtstellung des Bistums Schles-
wig bis zur Reformation folgt ein Abriss der Bau-
geschichte des Domes vom 11. Jahrhundert bis zur
Gegenwart. Die mannigfachen bösen Schicksale des
Domes werden gewissenhaft registrirt bis zu jenem Tage
während der kurzen Regierungszeit Kaiser Friedrich's III,
an dem der Befehl zur sofortigen Ausführung der längst
als notwendig erkannten Restaurirungsarbeiten in Schles-
wig eintraf. Mit einer freudigen Genugthuung, die sich
dem Leser unwillkürlich mitteilt, berichtet dann die
Verfasserin von den siebenjährigen Arbeiten der Wieder-
herstellung und Verschönerung und zeichnet mit sicheren,
sympathischen Zügen das Bild der Kirche, wie es sich
heute dem Beschauer zeigt. Es dürfte schwer sein, der
kurzen Schrift eine zweite, ähnlichen Zwecken dienende
an die Seite zu stellen, die mit gleicher Sicherheit des
historischen Urteils ein gleiches Verständnis für die
schwierige Aufgabe des Restaurators verbindet, die mit

einer gleichen Begeisterung für die künstlerischen
Leistungen der Vergangenheit eine gleiche Freudigkeit
der Anerkennung für gute Leistungen der Gegenwart
vereinigt. Tl>- v-

* Ein neues Klinger- Werk. Die Hof kunstanstalt von Franz
Hanfstaengl in München kündigt das Erscheinen eines in
Heliogravüre ausgeführten Prachtwerkes an, welches eine
Auswahl von Radirungen, Zeichnungen, Bildern und Skulp-
turen Max Klinger's vereinigen soll. Dazu kommen die
vollständigen Folgen: Zeichnungen über das Thema „Christus",
Entwürfe zu einer griechisch-römischen Gedichtsammlung
und „Eine Liebe". Den Text hat Franz Hermann Meißner
übernommen. Das Werk erscheint in zwei Ausgaben, auf
japanischem Papier in 50 numerirten Exemplaren zu 400 M.
und auf Kupferdruckpapier zu 200 M.

* Unter dem Titel: „Der Studiengang des modernen
Malers" ist kürzlich das Vademecum für junge Künstler,
welches wir voriges Jahr in der „Zeitschrift" püblizirten,
in erweiterter Form erschienen. Der Autor, Paul Schultxe-
Naumburg in München, hat zu seinen Betrachtungen, von
dem bereicherten Text abgesehen, auch einige Zinkos nach
modernen Bildern und einen besonderen Anhang über das
technische Material des heutigen Malers, Palette, Farben,
Pinsel, Leinwand, Staffelei und — Fahrrad hinzugefügt.

* Wilhelm Bode's jahrelang vorbereitetes Itembrandt-
Werk wird Mitte Januar 1897 im Verlage von C. Sedelmeyer
in Paris zu erscheinen beginnen. Es werden im ganzen acht
Foliobände werden, enthaltend: 1. mehr als 500 eigens für
das Werk angefertigte Heliogravüren nach sämtlichen als
echt anerkannten Bildern Rembrandt's in den öffentlichen
Galerieen und Privatsammlungen, 2. im letzten Bande die
Biographie des Meisters, nebst zahlreichen Dokumenten und
einer genauen Beschreibung der Gemälde. Der Subskriptions-
preis beträgt für die Ausgabe auf holländischem Papier
1250, für die auf japanischem Papier 2000 Fr. Der Text
erscheint in deutscher, englischer und französischer Sprache.

Die Photographische Gesellschaft in Berlin versendet
soeben ihren neuen Verlagskatalog für 1897. Derselbe, ein
stattliches Bändchen mit zahlreichen Illustrationen geschmückt,
hat sich im Laufe der Jahre zu einem kaum entbehrlichen
Nachschlagebuch für den Kunstfreund entwickelt. Ganz be-
sonderes Interesse erregt in diesem Jahre die Ankündigung
der beiden großen Gravürenwerke über die Petersburger und
Madrider Gemäldegalerie. Der Katalog wird gegen Ein-
sendung von 50 Pf. in Briefmarken jedem Kunstinteressenten
franko zugesendet.

NEKROLOGE.

V Der Landschaftsmaler Wilhelm Streckfuß, Lehrer der
Perspektive an der Berliner Kunstakademie, ist am 6. No-
vember in Friedenau bei Berlin im 79. Lebensjahre gestorben.

V Der belgische Genremaler Jan Verhas, der sich be-
sonders durch seine „Revue des ecoles" (1880) bekannt ge-
macht hat, ist am 31. Oktober in Schaerbeek-Brüssel im
Alter von 62 Jahren gestorben.

V Der holländische Kunstforscher F. D. O. Obreen,
Direktor des Reichsmuseums in Amsterdam, ist daselbst am
1. November im Alter von 57 Jahren gestorben.

* Zur Erinnerung an Prof. Rudolph Huber, dessen am
28. August in Wien erfolgten Tod wir unlängst gemeldet,
seien hier noch einige Daten und Charakterzüge nachgetragen.
Huber wurde, als Sohn eines bei der Südbahn angestellten
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