Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine,

HERAUSGEBER:

CARL von LÜTZOW und Dr. A. ROSENBERG

WIEN BERLIN SW.

Heugasse 58. Yorkstraße 20.

Verlag von SEEMANN & Co. in LEIPZIG, Gartenstr. 17. Berlin: W. II. KÜHL, Jägerstr. 73.

Neue Folge. VIII. Jahrgang.

1896/97.

Nr. 18. 18. März.

Die Kunstchronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden,
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die Annoncenexpeditionen von Haasenstein & Vogler, Rud. Mosse u. s.w. an.

aus dem

römischen kupferstichkabinett.

Die Schöpfungsperiode des Kupferstiehkabinetts der
staatlichen Gemäldegalerie im Palazzo Corsini in Rom. an dem
seit etwa zwei Jahren gearbeitet wird, hat dank deutschem
wissenschaftlichen Eifer und deutscher Gründlichkeit einen
ruhmvollen Abschluss gefunden: das unter Leitung des
Berliner Kunsthistorikers Dr. Paul Kristeller stehende
Kabinett ist mit einer ersten Sonderausstellung vor das
Publikum getreten, welche warme Anerkennung und,
was wichtiger erscheint, reges Interesse findet. Sie um-
fasst eine Auswahl der besten und am meisten charak-
teristischen Kunstwerke des Kabinetts, welche über die
allgemeine, namentlich aber die Bau- und Kulturgeschichte
Roms Auskunft geben, und liefert zu der Geschichte
seiner Entwicklung in diesen Richtungen schätzenswerte
Beiträge. Die genaue Angabe des bildlichen Vorwurfs,
der entwerfenden oder wiedergebenden Künstler, ihres
Geburts- und Todesjahres, eine Einteilung in vier zeit-
lichen Perioden entsprechende Gruppen erhöhen Über-
sichtlichkeit und Wert der Ausstellung; endlich wird die
künstlerische Auffassung der äußeren Erscheinung Roms
in diesen kurz charakterisirt.

In der ersten Periode vom Ende des 15. Jahr-
hunderts bis zum Anfang des 16., der Blütezeit religiöser
und geschichtlicher Malerei größten Stils, die weniger
als die Plastik damaliger Zeit von der Antike beeinflusst
wird, treten Bauwerke und Veduten Roms nur als Hinter-
gründe auf. Die Ausstellung zeigt aus dieser Zeit u. a.
zwei Stiche von Marcanton nach Zeichnungen Raffael's
(den Kindermord und die Predigt des Apostels Paulus)
mit dem Hintergrund der Quattro Capi-Brücke, des alten
Pons Fabricius, und mit dem Tempietto des Bramante
im Hof von S. Pietro in Montorio; ferner eine Botticelli

zugeschriebene „Krönung Mariae", die, schon an und für
sich interessant, durch die kräftige, fast derbe Auffassung
der Männergestalten mit reichem architektonischen
Hintergrund (Kolosseum, Konstantinsbasilika etc.) aus-
gestattet ist.

Das die zweite Gruppe umfassende 16. Jahrhundert
lässt wie die Kunst der Architektur so auch die Hilfs-
wissenschaft der Archäologie in den Vordergrund treten,
welche die alten Kunstdenkmäler rein künstlerisch
nachahmt oder sie als Hilfsmittel antiquarischer und
mythologischer Gelehrsamkeit heranzieht. Dem entspricht
die intimere Beschäftigung mit den monumentalen Resten
des Altertums auch in der Kunst des Griffels und der
Feder; jene treten als selbständige Vorwürfe in den
Vordergrund. Der reiche Inhalt dieser Gruppe umfasst
demgemäß fast alle wichtigeren monumentalen Hinter-
lassenschaften der Antike, vom Marcellustheater (Etienne
du Perac) und dem Kapitol vor seinem Umbau (Anony-
mus) bis zu der Mark Aurels-Säule mit den jetzt 7 m
tief im Boden steckenden Reliefs der Basis (Enea Vico)
und dem Antiquitätenkabinett des Kardinals Deila Valle
(Heemskerk) und Darstellungen des Marforio und Pas-
quino von Nie. Beatricello. Es tritt eine Reihe von
Blättern hinzu, die für die Baugeschichte der Peters-
kirche, des Vatikans und der sieben Pilgerkirchen von
größtem Wert sind (Cavalieri, Brambilla), und Dar-
stellungen von Tierkämpfen und Festspielen jener Zeit
am Monte Testaccio, auf Piazza Farnese, am Belvedere-
Hof des Vatikans. (Hendrik v. Cleef etc.)

Die das 17. Jahrhundert umfassende dritte Gruppe
zeigt wieder eine geringere Betonung des architektonischen
und archäologischen Moments, insofern zu der Schätzung
der Monumente und Bauwerke der Sinn für den landschaft-
lichen Reiz hinzutritt und reiche Staffage den Vordergrund
belebt. Claude Lorrain (ein Forumsbild von gleiche
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