Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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Bücherschau. - Nekrologe. - Personalnachriehten. - Vermischtes.

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Die Veranstalter der "Würzburger Tiepolo-Ausstellung
verdienen den wärnisten Dank aller Kunstfreunde und
Kunsthistoriker, denn sie haben am richtigen Orte und
im richtigen Moment die Gelegenheit ergriffen, durch
eine sonst nicht wieder in dieser Vereinigung zu ge-
nießende Kollektion von "Werken eines genialen Meisters
zu beweisen, dass Giovanni Battista Tiepolo mit Recht
als einer der „"Weltlieblinge" unter den bildenden Künst-
lern gilt und immer gelten wird." E. BRAUN.

BÜCHERSCHAU.

Die Kunst- und Altertunisdenkmale im König-
reich Württemberg, bearbeitet von Dr. E. Paulus.
Stuttgart 1896, Paul Neff, Verlag.
Von diesem hochbedeutsamen Werk sind nunmehr Lie-
ferung 11—15 erschienen, welche den Schwarzwaldkreis be-
handeln. Bietet dieser Kreis auch quantitativ nicht die
reiche Ausbeute, wie der in den ersten 10 Lieferungen be-
handelte Neckarkreis, so hält er sich inhaltlich doch auf
gleicher Höhe wie jener. Wir finden hier als Ausgangspunkt
mittelalterlicher Kunstentwicklung das in einem stillen
Thale des Schwarzwaldes gelegene, hochberühmte Benedik-
tinerkloster Hirsau, dessen Bauschule über halb Deutschland
hin Kirchen und Klöster errichtet, in jenem strengen, früh-
romantischen Stil, der an Klarheit der Anordnung, kühner
Einfachheit der Formen und lichter Hoheit der Verhältnisse
von keinem späteren mehr erreicht werden sollte. In der
gotischen Periode geben die beiden bedeutenden Reichs-
städte Reutlingen und Rottweil den Ton an; daneben er-
scheint als wichtiger Mittelpunkt das große und starke Ge-
schlecht der Pfalzgrafen von Tübingen. Auch in der
Renaissancezeit bleibt Tübingen ein Kunstmittelpunkt. Hoch-
wichtig sind die Altertümer des Kreises, vor allem die der
schwäbischen Alp. Ringwälle, Opferstätten, Grabhügel und
Hochstraßen längstvergessener Volksstämme liefern zahl-
reiche, zum Teil fast dreitausendjährige Funde, darunter
kolossale Prunkgefäße, Bronzewaffen und Schmucksachen
von einer Pracht und einem Geschmack, wie man es kaum
vermuten sollte. Auf jene keltischen Völker folgten die
Römer, und auch diese haben zahlreiche Spuren hinter-
lassen. Die auf die römische folgende allemannische Zeit
zeigt in den sogenannten Reihengräbern wieder eine Menge
prächtiger Waffenstücke und Schmucksachen. In die Alle-
mannenzeit zurück (um 500) reicht auch die Veste Hohenneufen
mit ihren Ringmauern und riesigen Rundtürmen. Dentibergang
zur oben bereits erwähnten mittelalterlichen Kunst bildet das
Kirchlein zu Wannweil aus dem 10. und das zu Burgfelden aus
dem 11. Jahrhundert. Das prächtige Werk mit seinem Kunst-
atlas und den zahlreichen Textillustrationen muss als eine
ganz hervorragende Publikation bezeichnet werden. rg.

NEKROLOGE.

*** Der Architekt Alois Häuser, Professor an der Kunst-
gewerbeschule des österreichischen Museums für Kunst und
Industrie, ist am 7. Oktober in Baden bei Wien im Alter
on oo Jahren gestorben. Hauser hatte sich, wie wir einem
Nekrolog der „Neuen fr. Presse" entnehmen, hauptsächlich
kunsthistorischen Studien gewidmet und hat sich durch die
r orsenung und Rekonstruktion einiger hervorragender Bau-
denkmäler des Mittelalters sehr verdient gemacht. Nament-
lich hat er die Aufmerksamkeit nicht bloß der Fachmänner,

sondern auch weiterer Kreise auf die antiken und mittel-
alterlichen Bauten in den Städten Dalmatiens gelenkt und
sich durch die Wiederherstellung des Domes von Spalato ein
bleibendes Andenken geschaffen. Auch als Lehrer des
architektonischen Kunststils hat Professor Hauser an der
Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums sehr er-
folgreich gewirkt. Er war ein geborener Wiener und machte
schon als junger Mann Studienreisen nach Italien, Griechen-
land, nach den Balkanländern und Kleinasien. Auch be-
teiligte er sich an den archäologischen Forschungs-Expe-
ditionen, die 1873 und 1875 nach der Insel Samothrake
gesendet worden sind, und gab einen Bericht über ihre
Ergebnisse nebst den Abbildungen der dort gefundenen
Skulpturwerke heraus. Nach der Bildung des Vereines
„Carnuntum" leitete Hauser in den ersten Jahren die von
diesem Vereine in Petronell und Deutsch-Altenburg unter-
nommenen Ausgrabungen, wobei er 1888 das Amphitheater
von Carnuntum entdeckte. Den Dom von Spalato und den
dazugehörigen, aus antiken Säulen und Baustücken erbauten
Glockenturm hat er vor dem Verfalle bewahrt und in der
ursprünglichen Form wiederhergestellt. Auch die venetia-
nische Loggia in Trau und den Campanile von San Marco
in Lesina hat er restaurirt und eifrig für die Ausgrabungen
in Salona gewirkt. In Wien hat Hauser den stilvollen Um-
bau des Äußern der Schottenkirche ausgeführt und den Ent-
wurf für den Brunnen auf dem Margarethenplatze im fünften
Bezirke geliefert.

PERSONALNACHRICHTEN.

*„* Der Tiermaler R. Friese und der Marinemaler
Schnars-Alquist in Berlin haben den Professortitel erhalten.

%* Dr. Paul Wolters, zweiter Sekretär an der archäolo-
gischen Reichsanstalt in Athen, ist zum Professor ernannt
worden.

VERMISCHTES.

V Wandmalereien aus der Zeit der Detdschen Ordens-
ritter. Die Freilegung und Reinigung der in dem Ordens-
schlosse zu Lochstädt aufgedeckten Wandmalereien wird seit
dem 1. August durch einen von der Marienburg durch den
Baurat Dr. Steinbrecht überwiesenen, sachkundigen und
zuverlässigen Maler bewirkt. Die Freilegung selbst macht
besonders deshalb große Schwierigkeiten, weil die ersten
Deckschichten sehr fest auf der Malerei sitzen. Das Ergebnis
wird aber nach sachverständigem Urteil für die Archäologie
überraschender und wichtiger sein, als anfänglich vermutet
wurde, da bedeutsame Reste nicht kirchlicher, vielmehr dem
Ritterleben angehöriger Darstellungen gefunden wurden. Die
Art der Freilegung und die zu erhoffende Ausbeute veran-
lassen zu einem sehr bedächtigen Vorgehen. Es wird daher
der gänzliche Abschluss voraussichtlich erst im nächsten
Jahre erfolgen.

V Für den Louvre in Paris ist, wie der „Frankfurter
Zeitung" geschrieben wird, das berühmte Triptychon von Hugo
van der Goes, „Anbetung des Kindes durch die Engel und
Hirten", das sich bisher im Besitz des Erzspitals von Sa. Maria
Nuova in Florenz befand, für 900000 Frcs. angekauft worden.
Über die Vorgeschichte des Verkaufs wird folgende Dar-
stellung gegeben: „Da das Spital in finanzielle Not kam,
beschloss es, seine ganze Kunstsammlung zu veräußern, und
wandte sich daher pflichtgemäß vor zwei Jahren an den da-
maligen Kultusminister Baccelli. Durch Vermittelung des
Direktors der Florentiner Museen und Galerieen, Professor
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