Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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55 Personalnachrichten. — Wettbewerbungen. - Denkmäller. — Sammlungen und Ausstellungen. 56

Ingenieurs, zu Schleinz in Nieder-Österreich im Jahre 1839
geboren und trat sehr früh, am 24. Juni 1850, in die all-
gemeine Malerschule der k. k. Akademie in Wien ein. Er
besuchte die Anstalt, mit zweijähriger Unterbrechung (1852—
1854) im Ganzen durch sieben Semester, bis zum Ende des
Studienjahres 185(5—57. Dann ging er für kurze Zeit nach
Düsseldorf und machte darauf zunächst als Kadett, am
Schluss als Lieutenant im 48. Infanterie-Regiment (Erzherzog
Ernst) den italienischen Feldzug d. J. 1859 mit. Von Jugend
auf in allen gymnastischen Fächern höchst couragirt und ge-
schickt, sowie auch ein vortrefflicher Reiter, beschloss er
nun, seine Kenntnisse in allen Sportlichen Dingen künstlerisch
zu verwerten und widmete sich demzufolge der Pferde-
malerei, die er bald auf eine in Wien damals unerreichte
Höhe hob. Von diesem Specialfach ausgehend ging er dann
auch zu den angrenzenden Gebieten des Tier- und Jagd-
stückes über und lieferte besonders als Maler von Parforce-
jagden Ausgezeichnetes. Auf diese Weise in die Kreise der
Aristokratie und der Sportswelt eingeführt, bildete der
Künstler, eine schlanke Gestalt mit dunklen, milden Augen,
von ruhiger Haltung und feinem, zurückhaltendem Wesen,
eine gern gesehene Erscheinung in der vornehmen Gesell-
schaft und auch bei Hofe. Nachdem Huber, zunächst durch
den Anschluss an Schmitson, später durch das fleißige Studium
Troyon's, malerisch zur Meisterschaft gelangt war, so dass
seine Darstellungen nicht nur gegenständlich, sondern auch
durch den Reiz der Behandlung, die Feinheit des Tones und
die Bravour des Vortrages den Kenner entzückten, errang
er sowohl bei den Wiener Kunstfreunden als auch im Aus-
lande, in Paris und an anderen Orten, namhafte Erfolge.
Namentlich zu Anfang der siebziger Jahre fanden die Tier-
und Jagdstücke des Meisters, von denen wir die von C.
Sedelmeyer erworbenen „Parforcereiter" namhaft machen
wollen, reißenden Absatz. Besonders glücklich war Huber
in humoristischen Scenen, wie er denn auch als Zeichner
von Karikaturen Ergötzliches geleistet hat. In Anerkennung
seiner Verdienste als Tiermaler wurde Huber am 1. Februar
1880 zum Titular - Professor und Leiter einer Specialschule
für Tiermalerei an der Wiener Akademie ernannt und in das
akademische Professorenkollegium aufgenommen. Seither
breitete der Künstler seine Thätigkeit in fruchtbringender
Weise auch auf die Gebiete der dekorativen Historienmalerei
und des Porträts aus. Im Salon der Kaiserin in deren Jagd-
schloss bei Lainz befinden sich vier farbenreiche Bilder von
Huber zu Shakespeare's „Sommernachtstraum". Die Reihe
seiner Bildnisse begann mit den lebensgroßen Reiterporträts
Starhemberg's, Karl's von Lothringen und Washington's;
daran schlössen sich sein Bildnis des Konprinzen Rudolf, das
des Kapellmeisters Johann Strauß, des Baurats Franz Roth,
des Herrn Jean Roth in Wien u. a. Auch seine reizenden
Kinder, zwei Knaben und ein Mädchen, hat der Verstorbene
wiederholt gemalt. Huber war innig befreundet mit Makart
und Leopold Müller und bereiste mit diesen wiederholt den
Orient, vornehmlich Ägypten, einen reichen Schatz an Studien
und Anschauungen von dort heimbringend, durch die seiner
Kunst die nachhaltige Gediegenheit und malerische Kraft
bis ans Ende bewahrt blieb.

PERSONALNACHRICHTEN.

%* Dem Maler Noah Bantxer in Dresden ist die Stelle
eines Lehrers an der dortigen Kunstakademie mit dem Titel
Professor übertragen worden.

%* Zum Präsidenten der Royal-Academy in London ist
als Nachfolger Millais' der Geschichtsmaler E. J. Poynter
gewählt worden.

%* Der Prinxregent von Bayern hat aus Anlass seines
Namensfestes dem Maler Bürgel, Präsidenten der Münchener
Künstlergenossenschaft, den Michaelsorden 4. Klasse und
dem Porträtmaler Wimmer und dem Bildhauer Wädere den
Professortitel verliehen.

WETTBEWERBUNGEN.

*jf* Zu dem Wettbeircrb um das Bismarckdenkmal für
Dresden sind 02 Entwürfe eingegangen, von denen jedoch
keiner des ersten Preises für würdig erachtet worden ist.
Den zweiten Preis (3000 M.) erhielt Werner Stein in Leipzig,
drei dritte Preise im Betrage von 2000 M. Bildhauer Wand-
schneider in Charlottenburg, Architekt H. Pätxel und Bild-
hauer O.Rühm in Dresden, Bildhauer Karl Meisen in Friedenau
bei Berlin.

DENKMÄLER.

*„* Zu einer Konlnirrenx um ein Eclmholtxdcnl-mal, das
im Vorgarten der Berliner Universität aufgestellt werden
soll, waren die Bildhauer O. Lessing, TS- Ilerter, O. Janensch,
W. Schott und Karl Pracht aufgefordert worden. Die von
ihnen eingelieferten Entwürfe genügten dem Komitee aber so
wenig, dass eine engere Konkurrenz zwischen den drei Erst-
genannten beschlossen worden ist.

Düsseldorf. — Am 18. Oktober enthüllten die Düssel-
dorfer ihr langerwartetes Denkmal Kaiser Wilhelm's I.
Wie stets, hat auch hier die Platzfrage eine wichtige
Rolle gespielt und sind heftige Fehden bis zuletzt gestrit-
ten worden, doch ließ der Künstler sich begreiflicher-
weise hierdurch nicht mehr umstimmen, da das Denkmal
einmal für den erstbestimmten Platz den Größenverhältnissen
nach entworfen war. Das Werk rührt von der Hand des
Bildhauers Carl Janssen her, einem der bedeutendsten, man
kann wohl sagen, des bedeutendsten Düsseldorfer Bildhauers.
Doch das wollte nicht viel heißen und wäre wenig zum
Lobe des Werkes, denn die Bildhauerkunst liegt hier un-
glaublich darnieder, nicht nur qualitativ, sondern auch
quantitativ. Doch das thut die Bildhauerkunst nicht nur
hier, sondern auch an anderen deutschen Orten. In der
heutigen Skulptur waltet zum größten Teil noch der Geist
Anton v. Werner's oder im besten Falle der Menzel's. Auf
diesem Standpunkt steht auch Carl Janssen's Werk, in diesem
Sinne eine tüchtige Leistung. Doch wir, die wir durch die
Schule des Naturalismus gegangen und in der Abendröte der
Jahrhundertswende beim Neu-Idealisraus gelandet sind, wir
können ohne Furcht und schlimme Folgen uns wieder dem
„Stil" in der Skulptur nahen, wir werden und müssen es
thun, das Bedürfnis nach ihm ist zu groß. Wir, die wir am
Neu-Idealismus geschult, können es wagen, ohne in jene
Fehler zu verfallen, gegen die die Klassicisten sündigten.
Sie nannten das moderne Kostüm kunstfeindlich, gar zu Un-
recht hatten sie nicht, für die Skulptur wird es immer
bleiben. Doch die Zeit ist nahe, da man sich in der Skulptur
über diesen äußerlichen Naturalismus des Kostüms wieder
hinwegsetzen wird — eine Frucht dieser Anschauung scheint
mir .schon Klinger's „Beethoven", der, gleich einem Zeus,
halbnackt auf einer Wolke thront. SCURATOW.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

St. Florenx. — Im Centrum der Stadt, ganz nahe am Dom,
ist man seit Monaten beschäftigt, die Räume für „das Fest
der schönen Künste und der Blumen" herzurichten, welches
am 19. Dezember seinen Anfang nehmen soll. Werden sich
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