Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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Denkmäler. — Ausgrabungen und Funde. — Vermischtes. — Vom Kunstmarkt.

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Besprechung der Konkurrenz soll im nächsten Heft des
Kunstgewerbeblattes erscheinen.

DENKMÄLER.

O Denkmälerchronik. — Am 18. Oktober sind vier Denk-
mäler von hervorragender künstlerischer Bedeutung einge-
weiht worden. An der Porta Westfalica bei Minden, auf
dem Wittekindberge, wurde das von der Provinz Westfalen
errichtete Denkmal für Kaiser Wilhelm I., ein dem Kyffhäuser-
denkmal ähnlicher monumentaler Bau, in Gegenwart des
Kaisers und der Kaiserin eingeweiht. Die architektonische
Anlage, ein großer Terrassenbau, ist eine Schöpfung des
Berliner Architekten Bruno Schmitz,, der dafür mit dem
Professortitel ausgezeichnet wurde. Das 7y2 not hohe Stand-
bild Kaiser Wilhelm's I. ist nach dem Modelle von Prof.
v. Zumbuseh, einem Sohne Westfalens, von A. Krupp in Wien
in Bronze gegossen worden. Prof. v. Zumbuseh erhielt den
roten Adlororden 2. Kl. — Inmitten der Rheinanlagen von
Koblenz ist ein Denkmal der Kaiserin Augusta eingeweiht
worden, das ebenfalls eine Verbindung von Architektur und
Plastik ist. Der ersteren, die von B. Schmitz erdacht wor-
den ist, ist sogar der Vorrang gelassen worden. Ein von
Säulen getragener Rundbau von Sandstein, über dem sich die
Kaiserkrone erhebt, ist die Hauptsache. An der Vorderseite
ist jedoch eine tiefe Nische angeordnet worden, in der die
Marmorflgur der Kaiserin, auf einem Sessel in antiker Form
sitzend, aufgestellt worden ist. Sie ist von Prof. Friedrich
Moest in Karlsruhe, der damit ein Meisterwerk geschaffen
hat. Er wurde durch den roten Adlerorden 3. Klasse und
das Kommandeurkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen aus-
gezeichnet. — In Düsseldorf wurde das von Prof. Karl
Janssen geschaffene Denkmal Kaiser Wilhelm's I. enthüllt.
Das Denkmal zeigt den Kaiser zu Pferde, geleitet von den
Genien des Krieges und des Friedens. Prof. Janssen erhielt
den roten Adlerorden 4. Kl. — In Hanau fand die Ent-
hüllung des Denkmals für die dort geborenen Brüder Grimm
statt, das nach dem Modell des Professors Eberle in München
dort in der Rupp'schen Gießerei in Bronze gegossen wor-
den ist.

%,* Der Ausschuss für das Ludteig Richter-Denkmal in
Dresden hat den Bildhauer Kircheisen in Braunschweig, den
Sieger in der ausgeschriebenen Konkurrenz, mit der Aus-
führung des Denkmals endgültig betraut.

AUSGRABUNGEN UND FUNDE.

*„,* Einen für die Anfänge der griechischen Kunst un-
gemein wichtigen Fund hat der Ephoros Tsuntas wiederum
in Mykenae gemacht. Nach dem Bericht, den er in der
„Ephimeris archaeologiki" darüber veröffentlicht hat, handelt
es sich um eine steinerne Grabstele von fast 1 m Höhe und
72 m Breite. Sie ist auf ihrer Vorderfläche und den
schmalen Seitenflächen mit weißem Kalkputz überzogen und
auf diesem mit figürlichen und ornamentalen Malereien in
lebhaften Farben geschmückt. Dieses Stück ältester Malerei
ist umfangreicher als die bisher bekannten Fragmente ähn-
licher Art und gleicher Technik, die von den Wandbeklei-
dungen zumeist der Paläste in Tiryns und Mykenae stammen.
Der obere Raum der Stelenfläche bis etwa zu zwei Drittel
der Gesamthöhe ist in drei Streifen geteilt; ein Ornament-
band, von roten, blauen, gelben und schwarzen Linien ein-
gefasst und mit einer Bordüre von blätterartig mit der Spitze
ineinandergeschachtelten schraffirten Kreisausschnitten aus-
gefüllt, dient zur Umrahmung der Bilder. Der mittlere

Streifen ist der breiteste und enthält fünf hintereinander
schreitende bärtige Krieger, alle gleichartig in der Rechten
den Speer schwingend und die linke Seite mit dem großen
Schilde deckend. Unter diesem Mittelbilde sieht man in
einem etwas schmaleren Streifen hintereinander aufgereiht
ein Reh und drei Hirsche mit mächtigen Geweihen, über
dem letzten in der linken Ecke einen Igel, alle sehr primitiv
in der Zeichnung und noch primitiver in ihrer Buntfarbigkeit.
Sie sind, wie auch die sämtlichen übrigen Figuren der Stele,
mit schwarzen Umrisslinien gemalt und die Flächen der
Körper dann bis auf den Kopf und Schwanz mit Farbe aus-
gefüllt; aber nur das Reh ist einheitlich gelb durchgetönt,
von den Hirschen haben zwei den Körper und drei Beine
blau, und dabei das eine Hinterbein rot, der andere ist rot
gemalt mit blauem Hinterbein, bei zweien sind die Ge-
weihe gelb. Von dem oberen Streifen ist nur die linke
untere Ecke erhalten mit den Resten zweier sitzender, in
lange Chitone gekleideter Figuren. Es bleibt nach rechts
noch Raum, um eine dritte entsprechende Figur zu ergänzen
und damit dieses Bild eines Rates der Männer, wie es
Tsuntas treffend deutet, wieder herzustellen, mit dem sich
die beiden anderen Scenen von Krieg und Jagd zu einer
Darstellung der Hauptfreuden und Beschäftigungen des Lebens,
wie sie das Epos schildert, zusammenschließen. Für den
Schmuck der Grabsteine war solche Schilderung, von der
wir die Nachklänge auf griechischen Grabmälern bis spät
hin wiederfinden, in mykenischer Zeit beliebt und gewöhn-
lich. Die Reliefs auf skulpirten Grabsteinen der mykenischen
Schachtgräber behandeln dieselben Motive. Mit diesen Stelen
steht die neue gemalte im engsten Zusammenhang: sie war
ursprünglich selbst eine skulpirte und hat erst später den
Kalkputz mit der Malerei über das Relief herübergelegt er-
halten. Man möchte wissen, was weiter unten noch folgt,
ob vielleicht ein figürliches Relief hier unter der Malerei sich
verbirgt. Aber man müsste die ganze Stuckschicht von dem
Steine ablösen, was ohne Gefahr für die Erhaltung der
Malerei voraussichtlich nicht möglich sein würde. Der Grab-
stein ist also, wie sich aus diesem Befunde ergiebt, mehrmals
benutzt worden. Die Malerei ist jedoch verhältnismäßig alt
und ihre Entstehung etwa um das Jahr 1000 v. Chr. anzu-
setzen.

VERMISCHTES.

*„* Für den Aufbau der Burg Danktrarderode in Braun-
schteeig sind bis jetzt G49000 M. ausgegeben worden. Da-
von hat der Prinz-Regent 574000 M. aus eigenen Mitteln
gespendet.

*„* Gemälde von Hans Baidung Grien. Das kaiserliche
Ministerium für Kultus und Unterricht in Wien hat auf
Rechnung der staatlichen Kunstkredite zwei wertvolle Ge-
mälde von Hans Baidung Grien erworben. Diese Bilder —
eine „heilige Familie" und eine „Beweinung Christi", zu
welch letzterer der Entwurf sich im Baseler Museum be-
findet — stammen aus dem Besitze der alten Tiroler Familie
von Vintler in Bruneck und sind vom Ministerium mit Rück-
sicht auf diese Herkunft dem Landesmuseum Ferdinandeum
in Innsbruck zugewiesen worden.

VOM KUNSTMARKT.

Kölner Kunstauktion. — Die Firma J. M. Heberle
(H. Lempertz' Söhne) in Köln hat soeben einen Auktions-
katalog, betreffend die reichhaltige Kupferstichsammlung des
verstorbenen Herrn Adh. van Bavegem aus Termonde aus-
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