Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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Staatliche Kunstpflege in Österreich.

SO

meten Pauschalkredite haben im Budget pro 1897 fast
durchwegs eine Erhöhung erfahren, und zwar der für
„Kunstaufträge, Ankäufe etc." um 4000 fl. (auf 48 000 fl.),
der für „Konservirung und Eestaurirung alter Bau- und
Kunstdenkmale" um 2000 fl. (auf 10 000 fl.) und der
für „Ausgrabungen, Subventionen archäologischer Unter-
nehmungen, Erwerbungen etc." um 3500 fl. (auf 7000 fl.).

Über die Verwendung dieser Pauschalien waren in
diesen Blättern wiederholt, zuletzt in Nr. 26 vom
21. Mai 1896, Mitteilungen enthalten. Anknüpfend hieran
seien von den bezüglichen Bewilligungen des Unterrichts-
ministeriums seit Mai laufenden Jahres folgende erwähnt:

Auf Kechnung des Kredites für Kunstaufträge und
Ankäufe wurde das Gemälde „Mondaufgang" von dem
in Paris lebenden österreichischen Maler Eugen Jettel

eine Büste des Kaisers für die neu in Stand gesetzten
Repräsentationsräume des Ministeriums für Kultus und
Unterricht aus. Besondere Erwähnung verdient die auf
Rechnung der staatlichen Kunstkredite bewirkte Erwer-
bung von zwei hochinteressanten Gemälden Hans Baidung
Grien's aus dem Besitze der Tiroler Familie von Vintler;
wir behalten uns vor, auf diesen Ankauf ausführlicher
in der Zeitschrift für bildende Kunst zurückzukommen.

Aus dem Pauschale für Restaurirungszwecke wurde
im Laufe der letzten Monate zur Erhaltung der römi-
schen Altertümer in Pola, vor allem des Augustustem-
pels und der Arena, wie alljährlich, eine Subvention
gewidmet. Ferner wurden Subventionen bewilligt zur
Wiederherstellung des Kirchturmes zu Terlan in Tirol
nach den Entwürfen des verstorbenen Dombaumeisters

Kamin der Kaiserpfalz in Gelnhausen. Aus Ebe: Deutsche Eigenart in der bildenden Kunst.
Verlag von J. J. Weber, Leipzig.

bei der letzten Jahresausstellung im Wiener Künstler-
hause angekauft. Dem Bildhauer Stanislaus Sucharda
wurde der Auftrag erteilt, sein Relief „Wiegenlied", eine
reizvolle Komposition, deren Entwurf im Jahre 1892 in
Wien mit dem Reichel-Preise ausgezeichnet worden ist,
in Marmor auszuführen. Professor LAllemand wurde
mit der Anfertigung eines Kaiserbildes für den Yerwal-
tungsgerichtshof in Wien betraut. Professor v. Trenk-
wald erhielt den Auftrag zur Herstellung eines großen
Gemäldes für den Herz-Jesu-Altar der neuen Domkirche
zu Linz. Für die malerische Ausschmückung der St.
Norbertuskirche in Krakau und der Pfarrkirche zu Mys-
lenice in Galizien wurden Subventionen bewilligt. Im
Auftrage des Unterrichtsministeriums führten ferner Pro-
fessor Pochwalski ein Porträtbild und Bildhauer Benk

Freiherrn v. Schmidt, dann zur Instandsetzung der Fried-
hof kapeile zu Pürgg in Steiermark, deren romanische
Fresken mit Hilfe staatlicher Subvention bereits in den
Jahren 1892 bis 1895 restaurirt worden sind; für die
Rekonstruktion des Glockenturmes der gotischen Kirche
zu Gais in Tirol, dann für die Restaurirung der durch
reiche Sgraffltto-Dekoration ausgezeichneten Pfarrkirche
zu Nieder-Öls in Böhmen, für Herstellungsarbeiten an
der gotischen Kirche von Klein-Pöchlarn in Niederöster-
reich und zur Reparatur der Magdalenenkirche zu Mareit
bei Sterzing in Tirol, eines gotischen Baues mit eigen-
artig geformten Gewölben und einem schönen Flügelaltar.
Beiträge aus Staatsmitteln wurden zugesichert für die
Restaurirung des St. Nikolaus - Kirchleins bei St. Geor-
gen in Krain, eines befestigten Bauwerkes aus dem
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