Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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Nekrologe. — Personalnachrichten. — Denkmäler. — Sammlungen und Ausstellungen.

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erregt hat und hier in seinen Zeichnungen von Dromedaren,
Affen und anderem Getier die gleiche eminente Beob-
achtungsgabe und ein ungewöhnliches zeichnerisches Ge-
schick bekundet. Der andere, E. H. Walther, versucht
sich mit Erfolg in der Stilisirung der Pflanze und ver-
wendet diese Formenwelt für ornamentale Zwecke, wobei
er sich von einem feinen Stilgefühl leiten lässt. Hinter
den Maler und Zeichner treten die Bildhauer qualitativ
und quantitativ noch sehr zurück, indessen gehört das
Flachrelief J. Hartmann's, das ein tanzendes Paar dar-
stellt, zu den anmutigsten Arbeiten dieser Art, die wir
seit Jahren gesehen haben, und wiegt für sich allein
alles auf, was etwa sonst in derartigen kleineren Aus-
stellungen von Werken der Verkaufsplastik vorgeführt
zu werden pflegt.

Im Sächsischen Kunstverein, der leider seinen besten
Ausstellungsraum für die nächsten Jahre an den Pro-
fessor Prell hat abtreten müssen, damit dieser dort die
bei ihm von Sr. Majestät dem Kaiser bestellten Wand-
bilder für die deutsche Botschaft in Pom malen
könne, ist gegenwärtig, von Wien kommend, ein großes
Bild von Munkdesy ausgestellt. Es gehört neben „Christus
vor Pilatus" und der „Kreuzigung Christi" zu der Folge
der von dem Künstler geschaffenen Bilder aus der Leidens-
geschichte des Heilandes und führt uns unter der Be-
zeichnung „EcceHomo" die Verspottung Christi durch die
Juden und seine Auslieferung an sie durch Pilatus vor.

Wenn man den Worten der kleinen Broschüre
über Munkäcsy (Wien, im Verlage von S. Boros, 1896),
die an der Kasse für 25 Pf. zu haben ist und das Bild
wie die ganze Thätigkeit des Künstlers eingehend be-
spricht, Glauben schenken wollte, so hätten wir es hier
wiederum mit einem Meisterwerke ersten Eanges zu thun,
ja mit „einer der großartigsten Schöpfungen, welche
die Kunstgeschichte kennt". Wenn derjenige, der dieses
Urteil niedergeschrieben hat, selbst an seine Richtigkeit
glaubt, können wir ihm nicht helfen und gönnen ihm
seine Meinung; wir aber und viele andere mit uns
haben uns von dieser Bedeutung des Bildes nicht über-
zeugen können. Großer Fleiß, entschiedene Begabung
für die Beherrschung der Massen — es sind nicht
weniger als 73 Figuren auf der Leinwand untergebracht
— und eine unleugbare Geschicklichkeit im äußerlichen
Charakterisiren ist auch dieser neuesten Schöpfung'
Munkäcsy's nicht abzusprechen, aber über diese Vorzüge
kommt er nicht hinaus. Namentlich ist die Malerei
überaus flau und stumpf und das Ganze nur zusammen-
geklügelt, aber nicht innerlich lebhaft angeschaut und
seelisch nachempfunden. Darum lässt uns die Eiesen-
leinwand kalt und übt jedenfalls nicht die Wirkung auf
uns aus, die der Verfasser des eben erwähnten Lobhymnus
auf den Meister, wie er so schön sagt, von jedem „Gemüts-
menschen" erwartet. H. A. LIEB.

NEKROLOGE.

%* Der Architekt Max Salxmann, Dombaumeister in
Bremen, ist daselbst am 7. Februar im 47. Lebensjahre nach
zehnjähriger, der Vollendung des Doms gewidmeter Thätig-
keit gestorben. Er hat die Türme vollendet, und die Aus-
schmückung der Nordseite ist beinahe fertig. Nur der
Vierungsturm harrt noch der Vollendung. Doch hat Salz-
mann Pläne dazu hinterlassen, die eine Durchführung des
großen Werkes ermöglichen.

PERSONALNACHRICHTEN.

*** Dr. Hugo Graf ist an Stelle des Professors
H. W. Riehl, der in den Ruhestand getreten ist, zum Direktor
des bayerischen Nationalmuseums in München und zum
Generalkonservator der bayerischen Kunstdenkmäler ernannt
worden.

Der Architekt Wilhelm Manchot, Leiter des Meister-
ateliers für Architektur am Städelschen Kunstinstitut in
Frankfurt a. M., hat das Prädikat „Professor" erhalten.

•„* Zum Generaldirektor des Reichsmuseums in Amster-
dam ist der bisherige Direktor der Abteilung für Altertümer
Riemsdyk ernannt worden. Die Stellung des Direktors der
Gemäldegalerie soll jedoch von der Generalverwaltung ge-
trennt und besonders besetzt werden.

V Dr. A. Bredius, Direktor der kgl. Gemäldegalerie
im Haag, hat seine Entlassung eingereicht, weil die Stelle
seines Assistenten gegen seinen Willen durch den Minister mit
einer Persönlichkeit besetzt worden ist, deren wissenschaft-
liche Bedeutung den von Bredius gestellten Anforderungen
nicht entspricht.

DENKMÄLER.

%* Völkerschlacht-Nationaldenkmal bei Leipxig. Der
Vorstand des Deutschen Patriotenbundes hat beschlossen,
von der Veranstaltung eines nochmaligen Wettbewerbes ab-
zusehen; er ist vielmehr mit dem Professor Bruno Schmitz
in Berlin in Verbindung getreten und hat diesen beauftragt,
bis zum Juli endgültige Pläne für den Denkmalbau anzu-
fertigen.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

* In Holland ist der Gedanke eines besonderen Rem-
brandt-Mu8eums aufgetaucht. Herr Ph. Zücken, der be-
kannte Kupferstecher, machte den Vorschlag, alle in Holland
befindlichen Originalwerke des Meisters in Amsterdam in
einem Rembrandthause zu vereinigen und das im Auslande
Befindliche in Kopieen hinzuzufügen. W. v. Seidlitx., unser
ausgezeichneter Rembrandtkenner, äußerte sich über die von
Vielen mit Begeisterung aufgenommene Idee folgendermaßen:
„Da nach meiner Ansicht die Museen nun mal ein not-
wendiges Übel sind, so bin ich wohl mit dem Plan ein-
verstanden, die Gemälde Rembrandt's in verständigerer und
geschmackvollerer Weise aufzustellen, als jetzt geschieht,
nicht aber mit der Idee, noch weitere neue Museen zu be-
gründen. Ich bedaure daher, dem verlockenden Vorschlag
zur Gründung eines besonderen Rembrandt-Museums nicht
beipflichten zu können. Die unabhängigen und fortschritt-
lichen Bestrebungen unserer modernen Kunst nach Kräften zu
unterstützen, scheint mir viel mehr dem Geiste Rembrandt's
zu entsprechen als antiquarische Sammlungen seiner eigenen
Werke zu begründen."

Wien. —j In der Galerie Miethlce waren eine Anzahl
Aquarelle von Ludwig Dill aus München ausgestellt, die an
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