Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

Seite: 449
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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine.

HEBAUSGEBER:

t CARL von LÜTZOW und Dr. A. ROSENBERG

WIEN
Heugasse 58.

BERLIN SW.

Yorkstraße 20.

Verlag von SEEMANN & Co. in LEIPZIG, Gartenstr. 17. Berlin: W. H. KÜHL, Jägerstr. 73.

Neue Folge. viii. Jahrgang.

1896/97.

Nr. 29. 24. Juni.

Die Kunstchronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden,
leisten Redaktion und Verlagshandlung keine Gewähr. Inserate, ä 30 Pf. für die dreispaltige Petitzeile, nehmen außer der Verlagshandlung
die Annoncenexpeditionen von Haasenstein & Vogler, Rud. Mosse u. s. w. an.

In Folge des Ablebens des Herrn Professor v. Lützow in Wien ersucht die unterzeichnete
Verlagsbuchhandlung die Herren Mitarbeiter, ihre Beiträge für die Zeitschrift für bildende Kunst
und die Kunstchronik bis auf weiteres ihr nach Leipzig, Gartenstrasse 17 zuzusenden.

SEEMANN & Co.

bode's „rembrandt".1)

Endlich liegt der erste Band eines Werkes vor
uns, das Eingeweihte längst mit Ungeduld erwarteten,
das der unermüdliche Forscher, dessen Name es trägt,
so sehnlichst erhoffte, und welches mit unendlicher
Arbeit, Aufwand geistiger und materieller Opfer zu
stände kam. Was konnte Bode lieber sein, als das
Erreichen seines Planes: alle noch existirenden Bilder
seines Lieblingsmeisters in guten Photogravüren abge-
bildet und in chronologischer Folge herausgegeben zu
sehen. Mit Recht nennt er es das würdigste Monument,
welches man einem Künstler von der Bedeutung Rem-
brandt's errichten könne. Es braucht kaum gesagt
zu werden, wie viele Mühe es gekostet hat, alle in
der ganzen Welt zerstreuten Werke Rembrandt's auf-
zufinden und gut zu photographiren. Monatelang ist
Bode mit Photographen in England herumgezogen,
von einem Schloss zum andern, um gute Reproduk-
tionen zu ermöglichen. Und nach Amerika musste er
reisen, um den ca. 35 Rembrandt's, welche schon den
Weg über den Atlantischen Ocean gemacht, nachzugehen,
ihre Echtheit zu prüfen und für gute Photographieen
Sorge zu tragen.

1) Der Titel des gleichzeitig deutsch, französisch und eng-
lisch erscheinenden Werkes lautet: Rembrandt. Beschrei-
bendes Verzeichnis seiner Gemälde mit den heliographischen
Nachbildungen, Geschichte seines Lebens und seiner Kunst,
von Wilhelm Bode, Direktor der Königlichen Gemäldegalerie
in Berlin, unter Mitwirkung von C. Hofstede de Oroot,
Direktor des Kupferstichkabinetts zu Amsterdam. Ch. Sedel-
meyer, Paris. Bd. I.

Natürlich war eine Hauptfrage: wer wagt es, ein
solches kostspieliges Riesenwerk zu verlegen? Und da
hatte Bode endlich das Glück, in dem weltbekannten
Kunsthändler Ch. Sedelmeyer in Paris, der mehr Rem-
brandt's in seinen Räumen gesehen hat als irgend ein
anderer Kunsthändler, einen opferfreudigen Enthusiasten
zu finden, der, selbst Rembrandt als dem größten Meis-
ter der nordländischen Malerei eine unbegrenzte Ver-
ehrung zollend, sich bereit erklärte, ein Werk zu ver-
legen, welches selbstverständlich ein großes Kapital er-
heischt , das erst nach und nach in die Tasche des Her-
ausgebers zurückwandert.

Welche Freude für die zahlreichen Bewunderer
der großen Müllersolines, jetzt alles vor sich zu sehen,
was wir seinem Pinsel verdanken, von jenen ersten Ver-
suchen an, wo er schon mit dem Helldunkel Wunder
verrichtete in den kleinen Bildnissen von sich selbst,
seiner Verwandten, besonders seiner Eltern und seiner
Schwester, dann seiner Braut und Frau, der hübschen
Saskia, bis zu seinen letzten, großartigsten Schöpfungen,
[ den Staalmeesters, dem Braunschweiger Familienbilde,
der Judenbraut (besser Boas und Ruth).

Natürlich sind viele von Rembrandt's Werken schon
durch Abbildungen aller Art weltbekannt; aber wie viel
Neues, uns noch Unbekanntes bringen diese 500 Photo-
gravüren. Da haben wir gleich im ersten Band die
noch nicht oder nur mangelhaft publizirten Bilder seiner
Mutter in Edinburgh, im Haag, in Wilton House, Windsor
I Castle, seines Vaters in Innsbruck, Haag, Paris, Nantes,
I Brighton, New York, seiner Schwester bei Cook in Rich-
I mond, Thieme in Leipzig, Petworth, Baronin Hirsch-
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