Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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525 Personalnachrichten. — Wettbewerbe. — Denkmäler. — "Vereine und Gesellschaften. — Vermischtes. 526

in Anerkennung seiner künstlerischen Lehrthätigkeit die
kleine goldene Medaille für Kunst. Eine Auswahl seiner
ornamentalen Studien, zu denen er aus allen Teilen des
Naturreichs, namentlich aus der Pflanzen- und Vogelwelt,
seine Vorwürfe holte, ist auf 40 lithographischen Tafeln unter
dem Titel „Vorlageblätter für den Zeichenunterricht von
A. Bräuer" erschienen. In ähnlicher Weise kam er zu
nennenswerten Ergebnissen bei seinen sehr gründlichen ana-
tomischen Forschungen, besonders auch bei Messungen an
antiken Skulpturen. Stöße von Mappen, die er mit orna-
mentalen Entwürfen der ersten Art, sowie mit perspektivischen
und anatomischen Vorbildertafeln und ähnlichem gefüllt hat,
liegen in seinem nun verwaisten Atelier als wertvolle, unge-
hobene Schätze. C. B.

*** Der Landschaftsmaler und Radircr Theodor Alphons,
der als Radirer besonders im Dienste der „Gesellschaft für
vervielfältigende Kunst" thätig gewesen ist und u. a. die
Friedhofslandschaft „Pax" von Emil Schindler und „Das
letzte Aufgebot" von Defregger reproduzirt hat, hat sich
am 2. September in Graz durch einen Sprung aus dem Fenster
das Leben genommen. Ein Nervenleiden hat ihm zum Selbst-
mord getrieben.

Der Genremaler Alois Schönn, Professor an der
Wiener Akademie der bildenden Künste, ist am 16. September
in Krumpendorf in Kärnten im Alter von 71 Jahren gestorben.

*„* Franz von Pulszky, der Direktor des ungarischen
Nationalmuseums in Budapest, ist daselbst am 8. September
im 83. Lebensjahre gestorben.

%* Der Bildhauer Johann Christian Hirt, ein Schüler
von M. von Widnmann, der sich durch zahlreiche mytholo-
gische Figuren (Arethusa, Andromeda, Quellnymphe Klytia,
eine Niobide) und durch Gruppen aus deutschen Dichtungen
(Faust und Gretchen, Hermann und Dorothea, Ekkehard und
Herzogin Hadwig) bekannt gemacht hat, ist am 19. August
im 62. Lebensjahre in München gestorben.

%* Der Maler und Zeichner Hermann Scherenberg, der
Illustrator des Witzblattes „Ulk", ist am 21. August im
Alter von 71 Jahren in Großlichterfelde bei Berlin gestorben.

PERSONALNACHRICHTEN.

O Aus Anlass der Einweihung des Kaiser Wilhelm-
Denkmals auf dem deutschen Eck zu Gobienz, die am 31. August
in Gegenwart des Kaisers stattgefunden hat, haben der Bild-
hauer Prof. Hundrieser in Charlottenburg, der Schöpfer der
Reiterstatue, den roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife
und der Schöpfer des gewaltigen Unterbaus und der übrigen
architektonischen Anlage, Prof. Bruno Schmitz in Berlin,
den Kronenorden 3. Klasse erhalten. Das Denkmal wird
übrigens erst im Laufe des folgenden Jahres vollendet werden.
— Ferner haben erhalten Prof. Oswald Aelienbach den roten
Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub, der Historienmaler Th.
ifocAo^-Düsseldorf den roten Adlerorden 4. Klasse, der or-
dentliche Professor der Kunstgeschichte an der Universität
Bonn Dr. Justi und der Landschafts- und Tiermaler Prof.
Chr. Kröner in Düsseldorf den Kronenorden 3. Klasse.

*** Dr. Bruno Sauer, Privatdozent der Archäologie an
der Universität Gießen, ist zum außerordentlichen Professor
ernannt worden.

WETTBEWERBE.

*„* Bei dem Preisausschreiben für den Bau eines Buch-
gewerbehauses in Leipzig erhielt den 1. Preis von 4500 M.
der Architekt Emil Hagberg in Friedenau bei Berlin, den

2. Preis von 3500 M. die Architekten Schauppmeyer und
llelbig in Hannover. Das Projekt von Hans Eger in Leipzig
wurde für 1000 M. angekauft.

%* Das 1896 erlassene Preisausschreiben des deutschen
Kaisers zur Ergänzung der antiken Statue einer tanzenden
Mänade hatte den Erfolg gehabt, dass den Bildhauern von
Glümer, Prof. Ernst Herter und August Kraus ein Teilpreis
von je 1000 M. zuerkannt wurde. Jetzt ist beschlossen worden,
einen neuen Wettbewerb zu veranstalten, zu dem die drei
genannten Künstler ihre Entwürfe bis zum 15. Januar 1898
einzusenden haben.

%* Der „Ausschuss für deutsche National feste" hat einen
Wettbewerb um ein farbiges Plakat ausgeschrieben, das thun-
lichst in verkleinerter Form zugleich als Sinnbild auf den
Schrift- und Drucksachen, als Siegel, Stempel, Festzeichen
und dergl. des Ausschusses Verwendung finden soll. Zur
Teilnahme an diesem Wettbewerb sind alle deutschen Künst-
ler des In- und Auslandes zugelassen, die deutsche Reichs-
bürger sind. Zur Verteilung kommt ein einziger Preis von
1000 M. für den besten zur Ausführung angenommenen Ent-
wurf. Die Entwürfe des Plakats wie des Sinnbildes sind
vollständig ausgeführt in Naturgröße bis zum 15. Dezember
1897 dem Generalsekretariat für deutsche Nationalfeste, Mün-
chen, Galleriestraße 15 einzureichen. Das Preisgericht haben
übernommen Professor v. Lenbach-München, Professor Dill-
München, Professor Kühl-Dresden; ferner der Abgeordnete
von Schenckendorff-Görlitz, der Abgeordnete Dr. Henry Böt-
tinger-Elberfeld und Hofrat Dr. Rolfs-München.

DENKMÄLER.

0 Das Kaiser Wilhelm-Denkmal für Magdeburg ist da-
selbst am 25. August in Gegenwart des Kaisers enthüllt
worden. Der Schöpfer des Denkmals, Prof. Dr. Ii. Siemei'ing
in Berlin, wurde durch Verleihung des roten Adlerordens
2. Klasse mit Eichenlaub ausgezeichnet.

VEREINE UND GESELLSCHAFTEN.

*„* Der Verein Berliner Künstler umfasst, wie aus dem
kürzlich ausgegebenen, Ende Mai 1897 abgeschlossenen Mit-
gliederverzeichnis hervorgeht, 406 ordentliche Mitglieder
gegen 448 im Vorjahre, hat sich mithin um 18 vergrößert;
die Zahl der außerordentlichen Mitglieder ist um eines zurück-
gegangen und beträgt jetzt 149. Ehrenmitglieder besitzt
der Verein 14, und zwar den Fürsten Bismarck, die Staats-
minister Dr. v. Boetticher und D. Dr. von Gossler, den Geh.
Ober-Regierungsrat a. D. Dr. Max Jordan, den Geh. Baurat
Dr. Paul Wallot in Dresden, den Schriftsteller Dr. Jul. Loh-
meyer, die Maler Prof. Dr. A. Menzel, Prof. L. Knaus, Prof.
Carl Becker, Prof. A. v. Werner, Prof. H. von Angeli in
Wien, Prof. Gustav Feckert und Carl Koch und den am
30. März d. J. neugewählten Bildhauer Prof. Reinhold Begas.
Durch den Tod verlor der Verein in der Zeit vom Juni 1896 bis
EndeMai 1897 neun ordentliche unddrei außerordentliche Mit-
glieder. Aus der Chronik des Vereins während des letzten Ge-
schäftsjahres ist von allgemeinem Interesse die Mitteilung, dass
am 28. Mai mit dem vom Architekten Karl Hoffacker geleiteten
Bau des neuen Künstlerhauses in der Bellevuestraße be-
gonnen wurde.

VERMISCHTES.

%* Der Dom in Erfurt, eines der glänzendsten und
reichsten Baudenkmäler der Spätgotik in Deutschland, wird zur
Zeit umfassenden Erneuerungsarbeiten unterzogen, nachdem
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