Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 56): Beschreibung des Oberamts Rottweil: mit drei Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts, einem Farbendruckbild und sechs Lithographien — Stuttgart, 1875

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Böhringen.

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Böltt'inStu,

m i t M ü h l e.

Gemeinde III. Klasse mit 652 Emwohnern, worunter 3 Evangelische.
Kath. Pfarrdorf; die Evangelischen sind nach Trichtingen lOA. Sulz)
eingepfarrt. 2^/^ Stnnden nordöstlich von der Oberamlsstadt gelegen.

Der ziemlich groste Ort hat am Fuß der Keuperterrasse eine
sreundliche Lage und ist theils in die Thalebene der Schlichem, theils
an eiuem leicht geneigten südlichen Abhauge gegen dieselbe weit-
läufig hingebaut. Mit Ausnahme einiger größeren Bauernhäuser
sind die durchgängig ziegelbedachten Gebäude meist von mittelmäßigem
Aussehen und machen mit den minder gut gehaltenen Ortsstraßen
gerade keinen besonders günstigen Eindruck.

Beinahe in der Mitte des Dorfs steht die im Jahre 1842
in modernem Rundbogenstil (aus Bruchsteinen mit Verputz) erbaute,
dem h. Sylvester geweihte Kirche; fie schließt gegen Osten mit
einer halbrunden Abside und trägt einen Dachreiter mit drei neuen
Glocken über dem Chor. Das weite lichte Jnnere hat im Schiff
eine flache Decke; von da führt ein zum Tonnengewölbe verbreiterter
Triumphbogen in die halbrunde Chornische, die mit goldenen Ster-
nen auf blauem Grunde besetzt ist. Hinter dem Hauptaltar fieht
man ein schönes großes Gemälde, Christus mit Maria und Jo-
hannes, und der Unterschrift: I. Fuchs. 1846, darüber im Rund-
fenster Gott Vater. Außerdem besitzt die Kirche vier sehr gute
spätgothische Holzbilder, Johannes Ev., Paulus, Petrus uud Katha-
rina, zwei schöne lichtertragende Engelchen desselben Stils, und zwei
sehr hübsche Traglaternen im Spätrenaissancegeschmack, aus dem
Kloster Rotteumünster. Jm Westeir steht auf einer Empore das
vortreffliche von Klingler in Haigerloch gefertigte Orgelwerk. Die
Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde.

Jn dem ummauerten Friedhofe stand das frühere Kirchlein,
nnd in der Nähe, zunächst bei der Kirche, steht bei einer schönwüchsigen
Linde das zweistockige, im Jahre 1820 gut erbaute Psarrhaus,
für dessen Unterhaltnng cin besonderer Baufonds vorhanden ist.
Das einfache, im Jahre 1810 erbaute Schulhaus enthält zwei
Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters. Ein 2stockiges,
freundliches Rathhaus, wie auch ein Armenhaus, besteht.

Gutes Trinkwasser licfern hinreichend 5 laufende, 12 Pump-
und 2 Schöpfbrunnen, von diesen stehen im Eigenthum der Ge-
meinde die laufenden Brunnen und ein Pumpbrunnen. Die
Markung ist nicht besonders quellenreich und wird überdies nur von
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