Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 56): Beschreibung des Oberamts Rottweil: mit drei Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts, einem Farbendruckbild und sechs Lithographien — Stuttgart, 1875

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Brtsbeschrcibung.

GößlMSMi
mit Iungholz,

Gemeinde Itl. Kl. mit 317 Einwohnern, worunter 6 Evangelische. —
Kath. Pfarrei; die Evangelischen sind nach Täbingen eingepfarrt.

2'/? Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Der nicht große, minder ansehnliche Ort, mit seinen meist klei-
nen, theils verblendeten, theils geriegelten, ziegelbedachten Häusern,
ist unregelmäßig an den steilen, südlich geneigten Abhang des Schwar-
zenbach-Thales hingebaut. Die bisher in schlechtem Zustande befind-
liche Hauptstraße des Orts wird gegenwärtig wesentlich verbessert,
dennoch wird der Verkehr in dem bergigen Ort ein beschwerlicher
bleiben. Am südlichen Ende des Orts führt die Vicinalstraße von
Täbingen nach Rottweil vorüber und von ihr geht noch auf der
Ortsmarkung die Vicinalstraße nach Zimmern u. d. B. ab.

An der Wcstseite des Dorfes erhebt sich, über demselben wie
eine Burg thronend, die von dem hoch ummauerten Friedhof um-
schlossene, dem h. Petrus und Paulus geweihte Kirche; neben ihr eine
ehrwürdige Linde. Viele Staffeln sühren vom Ort aus empor zum
alten engen gothischen Pförtchen, das in gerad gestürzter Kleeblatt-
form in der Kirchhofmauer sich öffnet. Die Kirche selbst, mit dem
massenhaften Thurm gegen Osten, stammt aus romanischer Zeit, viel-
leicht noch aus dem elften Jahrhundert, und wurde im Jahre 1518
sorgfältig erneucrt. An der Südseite des Schiffes erhielt sich in der
Höhe eines der ursprünglichen Rundbogenfensterchen, der rundbogige
Eingang ist vernrauert. Schiff und Thurm haben anßerdem einige
hübsch gefüllte spätgothische Spitzbogenfenster aus der Zeit der Er-
neuerung. Das im Jahre 1859 neu bemalte, sehr ansprechende
Jnnere enthält einige hervorragende Werke der Kunst. Das Schiff
ist flachgedeckt, das den Chor bildende unterste Geschoß des Thurmes
dagegen von einem prächtigen spätgothischen Sterngewölbe überspannt:
in der Wtte zeigt es auf einem großen Schlußsteine das reizende
Bild der Maria mit dem Kinde, und um denselben auf kleineren
Schlußsteinen die vier Evangelistensymbole. Ferner liest man am
Gewölbe auf Schildchen die Jahreszahl der Gothisirung des Thurmes,
1518, sowie seiner Neubemalung, 1859, durch F. I. Sayer, Ma-
ler in Rottweil. Der spitze Triumphbogen ist in demselben spät-
gothischen Stil gehalten, wie seine oben sich kreuzenden Rundstäbe be-
weisen: dann aber erhebt sich, auch aus dcr Spätzeit der Gothik,
in der Nordostecke des Thurms das herrliche, etwa 24 Fuß hohe
steinerne SakramenthauS, mit blumigen Giebeln und Spitzsäu-
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