Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 56): Beschreibung des Oberamts Rottweil: mit drei Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts, einem Farbendruckbild und sechs Lithographien — Stuttgart, 1875

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Zepfenhan.

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-Gemeinde IH. Klasse mit 444 Einwohnern, worunter 16 Erangelische.
a. Zepfenhan, Pfarrdorf, 429 Einwohner; b. Sonthof, Hof, 1S Ein-
wohner. —Kath. Pfarrei; die Evangelischen sind nach Rottweil einge-
pfarrt. 2 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Auf der Liashochebene hat der mittelgroße, etwas m die Länge
gedehnte Ort eine freie, dpn Winden ausgesetzte Lage; er besteht mit
Ausnahme mehrerer stattlicher Bauernhäuser größtentheils aus mittel-
großen, initunter sehr kleinen Wohnungen, die durchaus mit Ziegeln
gcdeckt und meist getüncht sind. Die Gebäude lagern sich theils in
mäßigen Entfernungen, theils etwas gedrängt an den breiten, ziemlich gut
unterhaltenen Straßen, so daß der mit Obstbaumgärten, vereinzelten
Waldbäumen, Eschen, Birken, Vogelbeerbäumen, und Wiesengründen
umgcbene Ort einen freundlichen Eindruck macht. Den Verkehr des
Orts vermitteln Vicinalstraßen nach Neukirch, Schömberg und Fecken-
hausen, überdieß berühren die Staatsstraßen von Rottweil nach Schöm-
berg und die von Spaichingen nach Schömberg die Gemeindemarkung.

Die so ziemlich inmittcn des Ortes gelegene dem h. Nikolaus
geweihte Kirche wurde im Jahre 1789 erbaut, und endigt in einen
schmäleren halbsechseckigen Chor. Zwischen diesem und dem Schiff
erhebt sich ein achteckiger Dachreiter. Ueber dem Westeingang steht
die Jahreszahl 1789. Das hübsch gehaltene Jnnere besitzt mehrere
gothische Holzskulpturen: auf dem linken Seitenaltar eine schöne
halblebensgroße Pieta, auf dem Hochaltar die sehr tüchtigen Figuren
des h. Nikolaus und der h. Agatha. Jn der Mitte des Hochaltars
sieht man ein schönes moderncs Oelgemälde, Christus am Kreuz, von
I. Fuchs (1860), auf den Seitenaltären Mariä Himmelfahrt und
Joseph und Maria mit dem Kind, beide sehr ansprechend ge-
malt von M. Jacob 1869, — und endlich an der Nordwand des
Schiffes ein großes figurenreiches Oelbild aus der späten Renaissance-
zeit. Früher befanden sich in dcr Kirche einige altdeutsche Gemälde.

Der mit vielen trefflichen Schmiedeisenkreuzen geschmückte, im
Jahre 1870 vergrößerte Friedhof geht um die Kirche.

Das im Jahre 1804 erbaute, von einem Garten umgebene
hübsche Pfarrhaus liegt westlich der Kirche und ist, wie diese, von
der Gemeinde zu unterhalten.

Das 1834—35 erbaute Schulhaus ist zweistockig und befindet
sich in ziemlich gutem Zustande; es enthält ein Lehrzimmer, die
Wohnung des Schulmeisters und die Gelasse für den Gemeinderath.
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