Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

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Aphrodite bringen oder für seine Liebe danken oder ihm zu Gefallen den
Stein der Aphrodite weihen (um vorzubeugen, bemerke ich, dass die Platte
nicht eben den Eindruck eines Steinfetischs macht): jedesfalls beschützt Aphrodite
das Verhältnis zweier Männer zueinander. Die Inschrift ist sehr viel feiner als
die bekannten theräischen; 4) sie verschweigt das, was jene mit so roher Offenheit

r

aussprechen; im Wesen wird es auf dasselbe hinausgekommen sein. Aber wir
treiben Culturgeschichte und nicht Sittenrichterei; wir wissen, dass die alten
Hellenen und heute noch ein Theil der südlichen und orientalischen Völker anders
dachten und denken als wir und fragen nur, was hier Aphrodite zu thun hat. Sie
gehört doch nicht hierher, und in Thera hat auch nicht sie, sondern Apollon
Delphinios diese Schutzbefugnis! So scheint es; aber die Gedichte des Theognis
belehren uns eines anderen — wobei ich auf die Echtheitsfrage nicht eingehe. 5)
Es sind vor allem die Verse i2ggff. Der geliebte Knabe wird nicht mehr lange
KuTtpoysvoös owpov ioaxecpdwo besitzen (1304), daher die Aufforderung epot os otoou
yaptv. Ahnlich 1319 ff. TQ 7tat, bkbl tot Sffixe -8'ea %ccptv qxepoeacrav Kuitptg, a'ov 0’ efSog
Ttacit veotat [xeXet, tövo’ eTtaxouaov eitöv xat e[.ifjV ydpiv evD'eo S'upttj) yvoug epo? 05 yaXsKbv
ytvemt avopt cpepetv. Der Knäbe erhält von der Ivypris die ydpi-c,, dem Manne flößt
sie die Liebe zum Ivnaben ein, vgl. 1331 f. atoeo |T ö Ttat (xaf.e), Stooög ydpiv, el'noxe
xat aö e^etg KuTtpoyevoög otbpov toatecpavou. 6) Aplirodite wirkt auf beiden Seiten. Und
sie ist auf Paros auch sonst eine mächtige Göttin; auf der Bergeshöhe Kouvaoog
ist ihr zwischen Zeus Hypatos und Eileithyia ein Altar geweiht (darüber ver-
weise ich auf Rubensohns Veröffentlichung in den Ath. Mitth., auf die wir sehn-
lichst warten); die Strategen weihen ’AcppoSt'trji, At't' ’AcppoStatwt, 'Epp,rjt, ’Apxepttot
EuxAetvjt einen Altar (Le Bas II 2062); andere verehren sie als navSvjpios ([Ntajuptot?
bei Wilhelm, Ath. Mitth. XXIII 1898 S. 418) und Ttjroöyog (Loewy, Arch.-epigr.
Mitth. XI 1887 S. 186 f., 3 = Rubensohn, Ath. Mitth. XXV 1900 S. 361).

4) IGIns. III 536 ff. Dass auch die älteste aut
Naxos gefundene Insclirift erotisch ist, hat P. Kretsch-
mer, Jahresliefte IY142 f. gezeigt, und könnte manchen
dazu verleiten, in Anbetracht der athenischen Dipylon-
kanne und der Parallelen von Thera und Paros von
den Anfängen der griechischen Epigraphik sehr eigen-
thümliche Vorstellungen zu gewinnen. Im übrigen be-
zieht sich die naxischelnschrift auf die normaleKypris.

5) Einen Abschnitt, der von der Knabenliebe
der Olympier handelt, weist Bergk dem von Plato
mehrfach erwähnten Parier Euenos dem Alteren zu.

6) Ich habe früher dies Theognideische ötöoög
yj&piv zur Erklärung des noch nicht sicher herge-

stellten Verses vom theräischen Felsen IGIns. III 543
(vgl. Blass wSGDI 4792) benutzt. Dabei konnte ich
wohl auf einen zufälligen Anklang verweisen: der
tlieräische Knabe heißt Bapßay.g, d. h. tspa£ Tiapa
Aißuat — so Hesychios; die Acßusg sind natürlich,
was ich auch erst jetzt einsehe, die Kupvjvatot, die
es von den 0y]patot haben — der des Theognis
entflieht dem Liebhaber tetvou ayi'ikiov 'iyjiüv

(1302), oder ist launenhaft bcTtvotat TioXuTiXccYXTOtatv
öpotos öp'YTjv und lässt sich bald von diesen, bald
von jenen lieben (1257 ff.). Dies als Nachtrag zu
Bechtels Spitznamen S. 27, wo Tspa£, Bapßa£ und
Txxtvog mit Recht zusammengestellt sind.
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