Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

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Aa[x6x£pTOg = AajxoxptTOg 8) ist neu: die mytilenäische Inschrift IGIns. II 74, 9
hat den Genitiv AajJioxpero). Man kann daran denken, dass die Metathesis des p
in Aa|),6)C£ptog geg-enüber Aa[i,oxp£T(i) durch die Tonlosigkeit der Silbe bedingt ist.
Aber die analogen aiol. t£pxog = tptxog, ÜEppafjiog = Ilptajjiog 4) zeigen £p = pt in
betonter Silbe. Man hat freilich x6ptog von xptxos trennen wollen und darin eine
Wurzelform ter- gesucht, die auch in latein. tertius stecken soll. Aber nachdem
Skutsch gezeigt hat, dass tertius aus *tritios entstanden sein kann (Bezzenbergers
Beiträge XXIII 102), fällt diese Parallele weg, und es erscheint jetzt umso weniger
gerechtfertigt, die Form eines Dialects, der nachweislich pt in £p verwandelt hat,
zur Erschließung einer prähistorischen Wurzelform ter- zu benutzen.

3. Stele aus grauem Marmor, oben von einem Giebel gekrönt, dessen oberer
Theil abgebrochen ist; unten ebenfalls abgebrochen. 0-25 m hoch, o -2i m breit,
o -o5 m dick. Buchstabenhöhe o‘oii m. Fundort 'Aytog BaotXtog in Moria.

•BpaatailEVTjs A . w . . ao^.

Das zweite Wort ist schwer leserlich: vielleicht Aytövtaoj d. i. Sohn des
Aywvtag; doch scheint eher tv als vt dazustehen. -aog aus -atog oft im Aiolischen.
Der- Name c&paataü’EVTjs ist schon aus Nesos (heute Moskonisi bei Lesbos), IGIns.
II 646, a, 37, und anderen Orten (Fick-Bechtel, Gr. Person. 251) belegt.

Wien, März 1902. PAUL IvRETSCHMER.

Viminacium.

In der Stelle des Auctor ad Herennium 4, 54, 68: „Lemnum praeteriens cepit,
inde Thasi praesidium reliquit, post urbem viminachium sustulit, inde pulsus in
Hellespontum statim potitur Abydi“ liest Marx 1) für den verdorbenen Namen
Viminacium. Zur Begründung sagt er: „Die drei Orte Lemnos, Thasos, Viminacium
erscheinen auch insofern passend, orts- und sachkundig gewählt, als dieselben,

3) Von Aajjtoxepxoj zu trennen ist der aiolische
Name Aap.oxepxvj5 mit Metathesis des p aus Aajro-
xpexrjg = att. AY]|ioxpdxY]s: er liegt in der Genitiv-
form Aa|ioxepT7] in der Grabschrift bei Papageorgiu,
Unedierte Inschriften von Mytilene (Leipzig 1900)
S. 8 n. 19 vor, womit vgl. [A]a|itxepTV)j IGIns. II 5II,
c, 4. Denn unser Aa|iöxepioj mit diesem Aa|ioxepTV)g
gleichzusetzen, ist doch kaum möglich, da ein der-

artiger Übertritt von den s-Stämmen zu den o-Stämmen
sonst fiir das Aiolische, aus dem viele s-Stämme vor-
liegen, nicht bezeugt ist (über den Voc. SiuxpaTe,
Gen. StoxpaTOt) s. Meister, Gr. Dial. I 155).

4) Vgl. auch TeppVjTOV (cod. TSppVjTÖv)’ Tptvjpvjg
Hesych. Hoffmann, Philol. 59, 45; Brugmann, Indo-
german. Forsch. XIII 152.

4) Rhein. Mus. 47, 157 ff.

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