Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

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Fig. 27 Relief vom Tarentiner Rhyton.

Silbernes Trinkhorn aus Tarent in Triest.

(Tafel I und II.)

Tarent ist in clen letzten Jahrzehnten ein besonders ergfiebiger Fundort von
Alterthümern g’eworden, seitdem der Krieg'shafen geschaffen und die Stadt für die
daraus erfolg'enden Bedürfnisse bedeutend erweitert ist. Während die mittelalterliche
Stadt auf einer Insel lieg-t; welche mit zwei Vorsprüngfen des Festlandes das
mare piccolo vom mare grande trennt und bekanntlich die Stelle der ehemalig-en
Akropolis einnimmt, legde man das neue Viertel, den sogfenannten Borgfo nuovo,
östlich von dem Canal an; der den größeren Schiffen zur Überfahrt in den inneren
Meerbusen dient; und besetzte somit einen* geräumigen Theil der Fläche, die
bereits dem griechischen Taras und dem römischen Tarentum angehört hatte. 1)

Im Verfolg dieser Erweiterungsarbeiten wurden alte Straßen- und Baureste
und unter und neben diesen auch Gräber verschiedener Art entdeckt, da ja die
Tarentiner, wie die Spartaner, ilire Todten innerhalb der Stadt zu beerdigen
pflegten, angeblich im Sinne eines Orakels, das ihnen Glück und Größe verkündigt
hatte; wenn sie mit den ;Meisten‘; nämlich mit den Verewigten, fortlebten. 2) Die

r) Bericht über die Ausgrabungen in Xarent von 2) Polybius VIII 28; Diimmler, Ann. d. inst. 1883

Prof. L. Viola: Notizie degli Scavi 1881 p. 376 ff. 193 — Kleine Schriften III 6 und 173.
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