Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

Page: 41-42
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in der Sprache der Bildniskunst durch die freie
Haltung des letzten in der Gruppe, der von den
anderen nicht zu trennen ist, deutlicli genug gesagt.
Demnach sehen wir hier eben die Gesandten, die
der Dacierkönig an den Senat senden wollte und
die sich vorher, wie ihre Pfliclit es erfordert, dem
Kaiser vorstellen. Die Wiedergabe dieser Einzelheit,
die allerdings den Stadtrömern von der Gesandtschaft
an den Senat her in Erinnerung sein musste, ist ein
neuer Beweis für die Sorgfalt, mit der die Künstler
der Traianssäule die Kriegsereignisse beobachteten
und illustrierten.

Zweifelhaft bleibt nur, ob die Dacier die Hände
gefesselt oder nur verschlungen hatten. Aus den

Reproductionen des Reliefs ist dies natürlich nicht
ersiclitlich. Die Worte des Petrus Patricius (Müller,
Fragm. hist. Gr. IV 185, vgl. Dio ed. Boissevain III
194 f.), der nicht allein von dieser, sondern auch
von einer friiheren Gesandtschaft des Decebalus an
Traian berichtet toc£ X £T aS ÖTUafl’SV övjaavTsg dv aty-
paXu)TU)v töc£sc, müssten allerdings für ersteres spre-
chen; aber ich möchte glauben, dass Petrus hier die
Worte seiner Vorlage (Dios) missverstanden habe.
Es wird dacische Nationalsitte gewesen sein, durcli
das Verschlingen der Hände auf dem Rücken die
Unterwerfung unter den Willen des Siegers kund-
zugeben.

EDMUND GROAG.

Die Städte Mal . . . und Cap . . . in Ostdalmatien.

A. v. Domaszewski (CIL III Suppl. p. 2123 t) und
ihm beistimmend A. v. Premerstein (Jalireshefte III
Beibl. 167; IV Beibl. 156) haben vermuthet, dass
der Name des Municipium Mal . . . in der Inschrift
von Arba CIL III 10121: L. Baebio Opiavi f. Ser.

Oplo Malavico aedili.ausgeschrieben sei.

Wohl nicht richtig. Oplus Malavicus sind meines
Eraclitens vielmelir die beiden epichorischen Namen
des neuen Bürgers, vgl. Panes Slator, Varro Panto
u. s. w. in den Wiss. Mitth. aus Bosnien VII 124;
138. Beide Elemente des Namens Malavicus kehren
in anderen Verbindungen in dem benachbarten Istrien
wieder, vgl. Malabanus (CIL V 150 Pola), Laevicus,

Laevica, Nevica (CIL V 449; 453 Piquentum) u. s. w.

Cap . . . (vgl. Premerstein, Jahreshefte III Beibl.
176; IV Beibl. 96; 157fr.) ist höchstwahrscheinlich
mit der Scordiskerstadt Capedunum zu identificieren,
die Strabo VII 5, 12 erwährtt: fjaav ös xal TiöXstg
aÜTOtg 'EöpTa xal KaTisöouvov. Ist dies richtig, so
haben wir einen geographischen Anhaltspunkt zur
Bestimmung der Wohnsitze des Volkes. Darnacli
wären sie nocli etwas mehr nach Süden (bis in
das Quellgebiet der Morava) auszudehnen, als es
Kiepert, Formae orbis antiqui XVII, vgl. Beibl. 6
Anm. 69 gethan hat.

Sarajevo. C. PATSCH.

Unedierte Inschriften aus dem römischen Afrika.

Während die Berichte des Leipziger Professors
Johann Ernst Hebenstreit über seine im Auftrage
des Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen in

^) Erstlich veröffentlichte Hebenstreit selbst 1733
eine kleine „Devotam maiestati Augusti Magni Afri-
cam oratione panegyrica, qua antiquitatum Roma-
narum per Africam repertarum memoriam recolit, die
XX. Novembris anni 1733 . . . sistit Ioan. Ernestus
Hebenstreit“ betitelte Druckschrift, in der er von
den antiquarischen Ergebnissen seiner Reise be-

den Jahren 1731 —1733 nach der Berberei unter-
nommene Reise hinlänglich bekannt und benutzt
sind, 1) ist die von seinem Begleiter, dem nachmaligen

richtet. Sodann gab Bernoulli 1783 in seiner Samm-
lung kurzer Reisebeschreibungen „Joli. Ernst Heben-
streits vier Berichte von seiner auf Befehl und
Kosten Friedrich Augusts des I. im Jahre 1732 in
Begleitung einiger anderen Gelehrten und Künstler
auf den afrikanischen Küsten nach Algier, Tunis
und Tripolis angestellten Reise (aus der Handschrift)“
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