Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

Page: 179-180
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6. In Gonobitz, circa 20 Kilometer nördlicb
von Cilli, erkannte der dortige Lehrer B. Trabusiner
in einem seit langem als Bebälter für Lederfett dienen-
den Steintrog einen Römerstein und gab davon in
der ,Deutschen Wacht‘ n._82 vom 17. October 1901
Nachricht unter Beifügung einer im wesentlichen
richtigen Wiedergabe der Inschrift. Es war ursprüng-
lich ein l*34 m langer, 0'90 m hoher, o*66 m breiter Stein-
block, der als Basis verwandt auf der einen schmalen
Langseite stand und auf der andern, oberen eingezapft
eine gewiss sepulcrale Platte trug; eine breite Lang-
seite 'zeigte die Inschrift, die beiden Schmalseiten
waren mit Reliefs verziert. Bei der modernen Yer-
wendung kam nun der Stein auf die Schriftseite zu
liegen und wurde auf der entgegengesetzten Seite
ausgehöhlt, wobei das Loch für den Standzapfen um-
gangen wurde, so dass. jetzt eine 0*27“ X 0'l8 m
große Masse in die Höhlung vorspringt; auch wurde
in der einen Schmalseite ein Ausflussloch angebracht.

Die Sclimalseiten zeigen in reicher ornamentaler
Umrahmung beiderseits dieselbe handwerksmäßig aus-
geführte Darstellung: ein nach rechts aufspringendes
Pferd, geführt von einem gleichfalls nach rechts ge-
wandten, anscheinend nackten Calo, offenbar mit
Beziehung auf die frühere militärische Charge des
Bestatteten, dem also zwei Handpferde zukamen. Das
Schriftfeld ist 1. 1*035 m und h* 0*55 m; ursprünglich
war es in ähnlicher Weise umrahmt wie die Reliefs
der Schmalseiten. Der Text lautet:

T- I VUVS vBELLICVS vDEC

ALAE’ASTV RVM' H
DEC vMVNICIPI vCLA vCELEIAE
T F I

Tl vIVLIVS vFRONTONIS vF v ClVI S
FRATER VET VHERES'FECIT

Er bietet die Laufbahn des Unterofficiers einer
Auxiliartruppe, der nach zurückgelegter Dienstzeit
und Erlangung des römischen Bürgerrechtes sich als
Pensionist in der norischen Hauptstadt niederließ
und dort zur civilen Würde eines Decurio gelangte
[decuriones von Cilli: CIL III 5226; 5236; der
ganze Gemeinderatli ist mit ordo bezeichnet in der
Inschrift 5159 (Schön, Röm. Inschr. in Cilli n. 61)].
Bemerkenswert ist die Nennung der ala Asturum II.,
die bisher nur in Britannien nachgewiesen war. Bei
welcher Gelegenheit ihr Decurio Iulius Bellicus nach
Noricum kam, ob allein, ob mit der Truppe, entzieht
sich unserer Kenntnis. Dem Schriftcharakter nach
näliert sich unsere Inschrift selir dem der liiesigen
großen Inschrift aus der ersten Kaiserzeit: CIL III
5232. — Zum Cognomen Civis vgl. CIL III 4583,
5257 und 4200 (Cives).

Cilli E. NOWOTNY.

Eduard Hula.

Die treffliche Abhandlung, die der Secretär des
Instituts, Dr Eduard Hula, in dieses Heft lieferte, sollte
seine letzte wissenscbaftlicbe Arbeit sein. Am 26. Sep-
tember d. J. erlag er einer scbleicbenden Krankheit;
tagsvorher batte er sein vierzigstes Lebensjalir erreicht.

Aus Prag gebürtig, empfing er seine Ausbildung
an der Universität in Wien und hauptsächlich im
archäologisch-epigraphischen Seminare. Yorwiegend
mit historisch-epigraphischen Arbeiten beschäftigt,
hielt er an dem einmal erwählten wissenscbaftlichen
Berufe mit Treue fest. So war er auch in den zehn
Jahren seiner Lehrtbätigkeit in Brünn und Wien vor
allem darauf bedacht, dem Unterricht in den classi-
schen Sprachen durch Berücksichtigung der Denk-
mäler lebendigere Form und vertieften Inhalt zu
geben, unter anderem dadurch, dass er archäologische
Cabinette begründete und ein Handbuch der römi-

scben Alterthiimer fiir den Bedarf der Gymnasien
verfasste. Ein in Italien und Griechenland verbrachtes
Stipendienjabr und zwei kleinasiatiscbe Expeditionen
der kaiserlichen Akademie, an denen er ehrenvollen
Antheil nahm, erweiterten seine Studien und reiften
ihn für das Secretariat des Institutes, dem er seit
1. August 1901 bis zum letzten möglichen Augenblick
in voller Pflichterfüllung angehörte.

Melir noch als die veröffentlichte Reihe seiner
Untersuchungen wird der nächst erscheinende Band
des kleinasiatischen Inschriftenwerkes zeigen, was er
leistete und gesteigert fort zu leisten versprach. Sein
frülies Ende nalim uns eine hoffnungsvolle Kraft.
Dem gewissenhaften Forscher, dem sclilichten lautern
Charakter, der in allen Lebenslagen seiner Wissen-
schaft in Liebe und Entsagung zugethan blieb, wahren
wir ein dankbares Andenken.
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